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Es soll Aufwärts gehen mit unserem seit Jahrzehnten kümmerlich dahinvegetierenden Bildungssystem, so hört man es dieser Tage einheitlich von allen, die einen Ausweg aus der Finanzierungskrise der Bildung überall suchen – außer beim Finanzminister. Dabei, wollte man die österreichische Bildung an der Börse als Aktien handeln, würden nicht nur Börsianer darauf kommen, dass diese Papiere „im freien Fall“ sind.
Völlig aussichtslos erscheint eine Annäherung zwischen einer reformfreudigen, realitätsbezogenen Ministerin und kurzsichtigen Gewerkschaftsfunktionären, die aus prinzipiellen Gründen alles ablehnen, was nur ansatzweise nach geringfügiger Mehrarbeit riecht. Andererseits ist auch wenig überzeugend, wie allein ein Mehr an Stunden bei ohnehin mehr als schlechter Ausbeute zu grundlegend anderen Ergebnissen führen sollte. Die Fernsehsendung REPORT berichtet, dass es in Österreich ca. 300.000 funktionale Analphabeten gibt. Experten sprechen sogar von 600.000.
Trotz neunjähriger Schulpflicht können diese Erwachsenen nicht ausreichend lesen und schreiben. Ihre beruflichen Chancen sind eingeschränkt, sie können keine Formulare ausfüllen und keinen Computer bedienen. Diese Defizite braucht man nicht herausstreichen, sondern das ist der gemeinsame Nenner hiesiger Bildungspolitik - sie sollen möglichst verschleiert werden.
Zwar geht es nicht, die Teilnahme dieser von der OECD gewollten PISA Vergleiche abzusagen, weil wir einfach noch nicht so weit sind, uns messen zu lassen. Da ist es viel eleganter, man lässt ein Netzwerk von Boykotteuren arbeiten, um dann abschließend sagen zu können, dass wir zwar daran teilgenommen haben, aber aussagekräftig könne das Ergebnis ja wohl nicht sein, weil es unter der Bedingung des Grabenkampfes zwischen Ministerium und Gewerkschaft entstanden ist.
Und da kommt es nicht auf ein Ergebnis an, das uns international einen bestimmten Platz zuweist, sondern einzig und allein darauf, für spätere Tage festzulegen, wer in Österreich die Räder bewegen kann und wann sie still zu stehen haben. Wer es aber darauf anlegt, dass die Räder still stehen müssen, wird sich entweder Gedanken darüber machen, wie es am Tag nach dem Stillstand aussehen soll, oder in Kauf nehmen, dass der Betrieb für immer geschlossen wird.
Wenn der Betrieb aber in öffentlicher Hand ist, so meinen manche, dass der Arbeitgeber deswegen auf jede Forderung eingehen muss. Man kann ja nicht wollen, dass unser ach so erfolgreiches … - Hoppala, wie war das vorhin mit den funktionalen Analphabeten? Kommen die nicht vielleicht auch aus diesem Nest?
Nun, dann auf zur Kehrtwende! Dann rechnen wir eben vor, wie viele Nobelpreisträger unsere kleine Alpenrepublik hervorgebracht hat, wie viele großartige Ideen hier geboren wurden und in die Welt exportiert. Dass gerade die jüngste Nobelpreisträgerin eine flammende Anklageschrift gegen dieses Schulsystem verfasst hat, das braucht man wohl nicht zu genau nehmen.
Und Anpassungen an die Zukunft, wozu brauchen wir denn das? Wir genießen die gute, alte Zeit, „als Böhmen noch bei Östreich war“. – Schon wieder a Hoppala!
Nun, dann hätten wir jetzt nicht nur den EU-Ratsvorsitz, sondern auch den Vaclav Klaus, von dem sich die hochlöblich EU-Abgeordneten in beispielgebender Disziplin eine Rede angehört haben gegen den Lissaboner Vertrag. Nun, mit dieser Bürde wollen wir wirklich nicht leben. Da bleiben wir schon lieber bei unserer ganz bescheidenen Bildung – nur net auffallen ...
Dieses österreichisches Paradoxon hat Ihnen Günter Wittek gewidmet. Vielleicht mag es ja den einen oder anderen zum Nachdenken anregen!
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Thema: 5 | Information: 5 | Verständlichkeit: 5 |
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