Buch Rezension: "Sunset" von Stephen King

04.03.2009
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Bewertung 4.5
G.H.
  

Lesebegeisterte sollten wissen: Stephen King ist wieder da, und das in absoluter Topform! Publizierte der Altmeister des Horrorgenres in den letzten Jahren in erster Linie Romane, können sich Fans mit "Just After Sunset: Stories" (in deutscher Übersetzung zeitgleich unter dem Titel "Sunset" veröffentlicht) nach jahrelanger Durststrecke wieder über einen Kurzgeschichtenband freuen.

Dies auch vor dem Hintergrund, daß manche von Kings jüngeren Veröffentlichungen – zu nennen ist z.B. das Anfang 2008 herausgebrachte, 500 Seiten schwere, Duma Key – von kritischen Rezensenten schon einmal als „langatmig“ bezeichnet wurden, und das womöglich nicht ganz zu unrecht.

Der klassische Stephen King...

Mit Just After Sunset knüpft King aber, wie gesagt, an seine vielleicht als „klassisch“ zu bezeichnende Zeit an. Also an die von äußerster Kreativität geprägte Periode von 1973 (dem Erscheinungsjahr seines Debutromans Carrie) bis ca. Mitte der 90er-Jahre, als er u.a. mit dem großartigen The Green Mile auf den Markt kam.

In dieser Zeit produzierte der Starautor auch kongeniale Short-Story-Sammlungen wie Nighshift (1979) oder das 1982 erschienene Different Seasons (der gar nicht einmal so schlecht gewählter deutscher Titel: Frühling, Sommer, Herbst und Tod). Letzterer Band wird in Fachkreisen übrigens auch schon einmal als eines von Kings besten Werken bezeichnet. Nun also Just After Sunset, wobei nicht unerwähnt bleiben soll, daß einige der darin enthaltenen Geschichten aus den späten 80er- bzw. 90er-Jahren stammen.

70-seitige „Kurzgeschichten“

Insgesamt haben sich - in dem Ende letzten Jahres erschienenen Band - 13 Geschichten versammelt, wobei die beiden längsten es jeweils auf satte 70 Seiten bringen. Ob diese somit noch als „Kurzgeschichten“ zu bezeichnen sind, ist, wie King in einem Interview selbst einräumte, wohl fraglich. Dem ausgesprochen runden Charakter des Buches tun sie aber keinerlei Abbruch.

Ganz im Gegenteil: Bei der letzten (und mit der umfangreichsten) Geschichte, In der Klemme (in dieser Rezension beziehe ich mich auf die durchaus ordentliche deutsche Übersetzung), handelt es sich um die - meiner Einschätzung nach - beste Erzählung aus diesem Band. Denn Stephen Kings brillanteste Momente bzw. Geschichten sind die, in denen er auf Übersinnliches bzw. Jenseitiges (möglichst) verzichtet und sich ganz den Irrungen und Wirrungen des Diesseitigen widmet.

„In der Klemme“

Dies ist (leider) selten genug der Fall, wird bei "In der Klemme" aber konsequent durchexerziert. Selbige Story halte ich auch deshalb für meisterhaft, da es King gelingt, packende Spannung mit, man kann es nicht anders nennen, virtuos aufbereiteter Situationskomik zu kombinieren. Ähnlich gelungen auch die zweite lange „Kurzgeschichte“, N., wobei der Altmeister hier in gewohnter Manier auf übersinnliche Themenfelder rekurriert.

Was ich jedoch in keinster Weise abwerten will: Die Bevorzugung der einen oder anderen Stilrichtung ist schlicht Geschmackssache. Zudem schafft es King immer wieder, den Leser im Unklaren darüber zu lassen, ob es sich bei vermeintlichen „Geistern“ o.ä. nicht doch „bloß“ um die Einbildung eines Protagonisten handelt – im Grunde sollte bei King’schen Erzählbänden also für jeden etwas dabei sein!

Runde Sache

Insgesamt lässt sich sagen: "Just After Sunset: Stories" ist eine durch und durch runde Sache! Ein Hinweis am Rande: Der deutsche Verlag informiert im Klappentext, meiner Ansicht nach, etwas zu freizügig. Wenn Sie sich also ein Maximum an Spannung bewahren wollen, sollten Sie unter Umständen auf die Lektüre des Klappentexts verzichten.

Viel Spaß beim Lesen!

Publikationen und Empfehlungen
von G.H.

Autor: Stephen King
Buchtitel: "Sunset"
Erschienen im Heyne Verlag München, 2008
ISBN-10: 3453266048
EUR 19,95

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