Einbürgerung: Sind Sie ein guter Deutscher? Teil 1

22.12.2008
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Uwe Bartlos
www.lachsalven.de

Seit die hessische Landesregierung einen Test für einbürgerungswillige Ausländer gestaltet hat, zieht das Thema in allen Medien seine Bahnen. Von entrüsteter Kritik bis hin zu zustimmenden Nicken, ist die ganze emotionale Bandbreite an Reaktionen vertreten. Es ist eine Prüfung in Form eines Multiple-Choice-Tests, der sowohl die politische und ethische Gesinnung, als auch Grundwissen über das deutsche Staatswesen umfasst. Der einbürgerungswillige Ausländer soll also getestet werden, ob er mindestens die Werte, Geschichte, die Kultur und das Staatswesen der Deutschen kennt.

Still und heimlich mögen sich manche Deutsche fragen, ob sie selbst den Einbürgerungstest bestehen würden. Oder müsste man die Hälfte der Deutschen wieder ausbürgern, da sie nicht einmal das Grundwissen von einbürgerungswilligen Ausländern haben? Falls Sie sich selbst einmal testen wollen, haben wir ein paar typische Fragen herausgesucht, die so - oder so ähnlich - in diesen Einbürgerungstests vorkommen könnten. Damit haben Sie die Möglichkeit zu prüfen, wie sattelfest Sie bei diesem Thema sind.

Viel Spaß beim simulierten Einbürgerungstest!

Link zu Teil 2: Einbürgerung: Sind Sie ein guter Deutscher?

1. Durch wen werden in Deutschland neue Gesetze beschlossen?
Parlament
Gerichte
Regierung
Staatsanwaltschaft
Bundeswehr

Das Parlament ist die Instanz, die in Deutschland neue Gesetze beschließt. Der Deutsche Bundestag ist auf der Bundesebene ein Parlament. Weiterhin gibt es die Landesparlamente (Landtage). Der Bundesrat ist hingegen das Verfassungsorgan, über das die Länder gemäß Artikel 50 (Grundgesetz) an der Gesetzgebung und Verwaltung des Bundes beteiligt sind.

2. Welcher der folgenden Begriffe bezeichnet keine staatliche Gewalt in Deutschland?
Imperative
Judikative
Exekutive
Legislative

Der Imperativ ist keine staatliche Gewalt, sondern bezeichnet in der Grammatik Befehls- oder Aufforderungssätze. Der Begriff "Imperativ" leitet sich vom lateinischen "imperare" = "befehlen" ab. Die Legislative ist die gesetzgebende Gewalt. Mit Judikative ist die Rechtsprechung gemeint und die Exekutive bezeichnet die ausführende Gewalt.

3. Wie wird das deutsche Staatsoberhaupt genannt?
Bundespräsident
Bundestagsabgeordneter
Außenminister
Bundeskanzler

Das deutsche Staatsoberhaupt wird "Bundespräsident" genannt. Aktuell (Stand Dez 2008) wird dieses Amt von Horst Köhler bekleidet. Der Bundespräsident widmet sich vorwiegend repräsentativen Tätigkeiten, weshalb er auch als "pouvoir neutre" bezeichnet wird. Aber er hat auch eine gewichtige staatspolitische Bedeutung, denn ihm obliegt die Entscheidungsgewalt über die Auflösung des Deutschen Bundestages, wenn der Bundeskanzler die Vertrauensfrage verliert. Der Bundespräsident wird der Exekutive zugerechnet.

4. Um sich ausweisen zu können, muss jeder Deutsche über 16 Jahre immer einen ...
... gültigen Reisepass oder gültigen Personalausweis besitzen.
... gültigen Reisepass immer dabei haben.
... gültigen Personalausweis immer dabei haben.
... gültigen Personalausweis plus Krankenkassenkarte dabei haben.

Nach der Vollendung des 16. Lebensjahres wird von jedem deutschen Staatsangehörigen verlangt, dass er einen gültigen Reisepass oder gültigen Personalausweis besitzt. Keine der beiden Ausweise muss er aber ständig mit sich führen (dabei haben). Die Krankenkassenkarte kann hierfür nicht verwendet werden - sie ist nur für Arztbesuche bestimmt.

Die Wehrpflicht wurde mit dem Inkrafttreten des Wehrpflichtgesetzes (WPflG) am 21. Juli 1956 eingeführt. 1968 wurde im Grundgesetz die Wehr- und Dienstpflicht (Art. 12a) verankert. Doch ...

5. Was kann man tun, wenn man nicht zur Bundeswehr eingezogen werden will?
Man muss stattdessen Zivildienst leisten.
Das Wehrpflichtgesetz sieht keine Ausnahmen vor - jeder muss zur Bundeswehr.
Gegen 2000 Euro Wehrersatzgeld, kann man sich vom Dienst an der Waffe freikaufen.
Man kann so lange studieren, bis man zu alt für die Bundeswehr ist.

Für Mitbürger, die aus Gewissensgründen keinen Dienst an der Waffe leisten wollen, gibt es die Möglichkeit stattdessen Zivildienst zu leisten. Die anderen Antwortoptionen entspringen nur der boshaften Fantasie des Autors.

Denn im Grundgesetz zur Wehr- und Dienstpflicht ist im Abschnitt 2 Folgendes festgehalten: "Wer aus Gewissensgründen den Kriegsdienst mit der Waffe verweigert, kann zu einem Ersatzdienst verpflichtet werden. Die Dauer des Ersatzdienstes darf die Dauer des Wehrdienstes nicht übersteigen.''

Ein volljähriger Deutscher hat das Recht zur Wahl zu gehen. Hier kann beispielsweise eine Partei in den Bundestag gewählt werden.

6. Für wie viele Jahre wird der deutsche Bundestag gewählt?
4 Jahre
2 Jahre
6 Jahre
3 Jahre

Der Deutsche Bundestag wird immer nur für jeweils 4 Jahre gewählt. Er ist das Parlament der Bundesrepublik Deutschland mit Sitz in Berlin. Im politischen System ist er das einzige Verfassungsorgan des Bundes, welches direkt vom Volk gewählt und legitimiert wird. Er hat die Gesetzgebungsfunktion, kontrolliert die Bundeswehr und beschließt den Bundeshaushalt etc. - um einige wichtige Funktionen zu nennen.

7. Welcher der folgenden Bundeskanzler war der erste der Bundesrepublik Deutschland?
Konrad Adenauer
Willy Brandt
Helmut Kohl
Theodor Heuss

Der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland hieß Konrad Hermann Joseph Adenauer. Er wurde am 5. Januar in Köln geboren und starb am 19. April 1967 in Rhöndorf. Er bekleidete in den ersten Nachkriegsjahren von 1949 bis 1963 das Amt des Bundeskanzlers und war zudem von 1951 bis 1955 Bundesminister des Auswärtigen.

8. Wofür verwendeten die Deutschen lange Zeit den Begriff des "Eisernen Vorhangs"?
Der Begriff bezeichnete die Abschottung des Warschauer Pakts gegen den Westen.
Damit wurden scherzhaft die Gitterstäbe im Knast bezeichnet.
Göbbels Theorie, dass nie ein feindliches Flugzeug über Berlin fliegen könne.
Die Abschottung Europas von der despotischen "Bushregierung".

Als "Eisener Vorhang" zählten nicht nur die materiellen Grenzbefestigungen, wie die Berliner Mauer, die ehemals innerdeutsche Grenze oder die Grenzbefestigungen zur CSSR.

In der Politik und Zeitgeschichte war der Eiserne Vorhang vor allem eine ideologische Grenze, zwischen dem demokratischen Westen und dem sozialistischen Osten.


In Deutschland spielte er aufgrund der Teilung - in die Bundesrepublik Deutschland und die DDR - eine besondere Rolle. Spätestens nach dem Mauerfall am 09. November 1989 verlor dieser Begriff immer mehr an seiner ursprünglichen Bedeutung und spielt heute kaum mehr eine Rolle.

9. Der 27. Januar ist ein besonderer Gedenktag in Deutschland. An was soll dieser Tag erinnern?
Er soll der Opfer des Nationalsozialismus gedenken.
Er soll an das Ende des Ersten Weltkrieges erinnern.
Er soll an die Teilung Deutschland erinnern.
An diesem Tag wurde das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschlands verabschiedet.

An diesem speziellen Tag soll der Opfer des Nationalsozialismus gedacht werden. Er bezeichnet eine dunkle Periode in der deutschen Geschichte. Historisch wurde an diesem Tag - genau am 27.Januar 1945 - das Konzentrationslager in Auschwitz durch die Rote Armee befreit.

In den 50er und 60er Jahren wurden in Deutschland besonders viele ausländische Arbeiter angeworben.

10. Wie wurden diese ausländischen Arbeiter genannt?
Gastarbeiter
Schwarzarbeiter
Ausländische Hilfsarbeiter
Migranten

Die in den 50er und 60er Jahren von der Bundesrepublik Deutschland angeworbenen ausländischen Arbeiter nannte man "Gastarbeiter". Diese Zeit war in Deutschland eine Zeit des Aufschwungs und der Vollbeschäftigung. Hier mangelte es vielerorts an Arbeitnehmern, die gering qualifizierte Tätigkeiten ausüben wollten. Sie wurden im europäischen Ausland mit Hilfe von Anwerbebüros nach Deutschland geholt.

11. Welche der folgenden Rechte sind nicht durch das Grundgesetz abgesichert?
Alle Deutsche sollen durch einen Versorgungsausgleich etwa gleich viel Geld bekommen.
Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Jeder Mensch darf in Deutschland seine Meinung äußern.
Vor dem Gesetz sind alle deutschen Bürger gleich.

Im Grundgesetz ist nicht geregelt, dass es einen Versorgungsausgleich geben soll, der allen Deutschen etwa gleich viel Geld verspricht.

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