Geschichte des modernen Erzbergbaus im Harz - Teil 2

17.10.2007
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Stefan Matte
www.philognosie.net

Im zweiten Teil dieser Reihe beschäftigen wir uns mit dem modernen Bergbau (etwa ab 1900 bis 1970), wie er in Deutschland betrieben wurde. Inspiriert wurde ich zu diesem Test durch einen Besuch des Weltkulturerbes in Rammelsdorf - einem Bergbau Museum. Hier erfahren Sie viele wissenswerte Einzelheiten über den Erzbergbau, die heute zu einer guten Allgemeinbildung gehören sollten.

>> Geschichte des modernen Erzbergbaus im Harz - Teil 1

1. Welche zwei Arten von Lampen wurden im Bergbau seit 1910 eingesetzt?

Kreuzen Sie bitte die beiden richtigen Antworten an.

Karbidlampen
Elektrisches Geleucht (Akku-Lampen)
Chemische Leuchtstäbe
Kienspanfackeln

Etwa zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden im Bergbau die sogenannten Karbitlampen eingeführt. Sie ersetzten die bis dahin gebräuchlichen "Frösche" (siehe Bergbau Test Teil 1). Der Vorteil war, daß Karbidlampen etwa 10 mal heller brannten als Rüböllampen und im Unterhalt wesentlich billiger waren. Das elektrische Geleucht gibt es etwa seit 1860. Es wurde aber anfangs nur als "stationäre Beleuchtung" - wegen der nötigen Verbindung zur Energiequelle - eingesetzt.

Ab 1890 gab es zwar schon die ersten tragbaren Akku-Geleuchte (mit Blei-Akkus) - aber diese waren noch sehr schwer und gaben wenig Licht. Erst durch die Erfindung der gasgefüllten Glühlampe mit einem Nickel-Kadmium-Akku, wurden tragbare E-Lampen im Bergbau einsatzfähig. Diese ersetzten dann etwa um 1960 endgültig die bisherigen Karbidlampen.

Um ein Bergwerk zu betreiben ist es nötig, Höhenunterschiede oder auch Gebirgsbewegungen messen zu können.

2. Wie wird im Bergbau diese Art zu messen genannt?
Nivellieren
Kartographieren
Bergmesstechnik
Grubenvermessung

Um in einem Bergwerg Höhenunterschiede messen zu können, wurde die Technik des sogenannten "Nivellierens" angewandt. Beim Nivellement müssen Meßinstrument und Meßlatte genau lotrecht aufgestellt werden. Dies gelingt - wie bei der Wasserwaage - durch das Einspielen von Libellen. Eine Nivellierlatte wird dann an den unterschiedlichen Meßpunkten aufgestellt und durch das Nivellierfernrohr anvisiert. Dort kann dann der jeweilige Wert exakt abgelesen werden. Durch einfache Subtraktion kann man anschließend den Höhenunterschied zwischen den einzelnen Meßpunkten bestimmen.

Auf einem Rundgang im Bergwerk bei Rammelsberg, kam ich zu einem Stollen, vor dem ein Schild mit folgendem Hinweis aufgestellt war: "Das Ort ist geladen!"

3. Was hat diese seltsame Inschrift für eine Bedeutung?
Es sollte ursprünglich heißen, daß dieser Ort mit Sprengstoff bestückt ist.
Es meint, daß die Lagerkapazität dieses Ortes voll ausgelastet ist.
Kleiner Scherz oder was ... ?
... in diesem Stollen gibt es noch Erz zu laden!

Ein Blick in diesen Stollen zeigte, daß aus den Bohrlöchern Zündschnüre herausragten, d.h. sich Sprengladungen in den Bohrlöchern befanden. Dieser Hinweis sollte daran erinnern, daß dort nicht mehr gearbeitet bzw. gebohrt werden durfte, da eine Sprengung kurz bevorstand. Das 1867 von Alfred Nobel erfundene Dynamit machte es möglich, das Erz nicht mehr nur durch "Feuersetzen" abplatzen zu lassen, sondern den Stollen durch gezielte Sprengungen voranzutreiben.

4. Was meint ein Bergmann, wenn er von einem "Hunt" spricht?
Einen offen, kastenförmigen Förderwagen
Einen Wachhund natürlich ...
"Ein echter Hunt ..." - meint "ein schlauer Bergmann"
Einen Schaufellader, dessen Motor sich wie ein knurrender Hund anhört.

Mit einem "Hunt" meint ein Bergmann einen offenen, kastenförmigen Förderwagen, der auf Schienen lief. Dabei werden die beiden Wörter "Hunt" und "Hund" synonym verwendet. Aus dieser seltsamen Bezeichnung entwickelten sich auch Ausdrücke für einige andere moderne Fördergeräte.

Bergleute müssen heute schon lange nicht mehr mit Ihrem "Arschleder" in den Berg zur Arbeit einfahren. Heute werden kleine elektrobetriebene Züge verwendet.

5. Wieviele Arbeiter werden in so einem Personenwagen befördert?
10 Bergleute
8 Bergleute
5 Bergleute
15 Bergleute

In diesem winzig anmutenden Personenwagen wurden 10 Bergleute auf einmal in den Berg transportiert. Fenster fehlen, da beim Einfahren in den Berg und in den engen Stollen ohnehin kaum etwas zu sehen wäre. Die Fahrt nach unten ist ziemlich laut und eng, ein ziemliches Geruckel. Bei der Enge in den Wagen sollte man besser nicht an Klaustrophobie leiden, denn viel Platz ist dort für niemanden.

Die Bohrhämmer im Bergbau waren echte Monster. Sie wurden dazu verwendet, um Löcher für die Sprengladungen vorzubohren. In der Abbildung neben der Frage, sehen Sie einen kleinen "Handbohrer", der auf einem "Bohrknecht" montiert ist.

6. Wieviel wiegt so ein kleiner "Handbohrer" - was denken Sie?
15 - 20 Kilogramm
5 Kilogramm
10 Kilogramm
30 Kilogramm

Im berühmten Weltkulturerbe in Rammelsberg wird berichtet, daß dort schon ab 1876 das maschinelle Bohren und die Schießarbeit eingeführt wurde. 1900 konnten schon 85% der Erzförderung mit dem Einsatz von Druckluftbohrmaschinen gewonnen werden. Die Bohrhämmer wurden mit der besser werdenden Technik immer kleiner und handlicher. Aber selbst so ein "kleiner" Bohrhammer, wie er in der Abbildung zu sehen ist, wiegt immer noch zwischen 15 und 20 Kilogramm.

Im Bergbau waren immer schon Innovationen gefragt, um die schwierigen Bedingungen des Erzabbaus zu verbessern. Hier wurden Erfindungen gemacht und Entwicklungen vorangetrieben, die auch in anderen Wirtschaftsbereichen genutzt werden konnten.

7. Welche der folgenden Erfindungen und Innovationen wurden im Bergbau entwickelt?

Mehrere Antwortoptionen können richtig sein!

Im Oberherzer Bergbau entstand 1806 die erste Eisenbahn auf dem europäischen Festland.
Oberbergrat Albert in Clausthal erfand das Drahtseil.
Die Erfindung der Dampfmaschine durch den deutschen Grubenleiter Hans Dampf.
Erfindung der Bohrhammers durch Sigfried Boscher.

Aus dem Bergbau kamen viele Innovationen, die sich später auch in anderen Wirtschaftszweigen etablierten. Ein Beispiel ist die erste Eisenbahn auf europäischem Festland, die 1806 im Oberharz in Betrieb genommen wurde. Ein anderes Beispiel ist die Erfindung des Drahtseils durch Oberbergrat Albert im Clausthal. Das erste Drahtseil trug sechsmal soviel Gewicht, wie ein Hanfseil und das Vierfache einer Eisenkette.

Drahtseile kommen heute in sehr vielen Bereichen zum Einsatz - unter anderem in Fahrstühlen, bei Seilbahnen oder als Stahltrosse für große Lastkähne, die von Schleppern gezogen werden müssen. Alleine die Anwendungen des Drahtseils sind so vielfältig, daß man ganze Bücher damit füllen könnte.

8. Welche der folgenden Methoden wurden von Bergleuten eingesetzt, um in oder aus dem Berg zu kommen?

Mehrere Antworten können richtig sein!

In früheren Zeiten benutzten die Bergleute sogenannte "Fahrten" - also Leitern, die den Ein- und Ausstieg erleichterten.
Die sogenannte "Fahrkunst" - ein paternosterähnlicher Aufzug.
Durch die sogenannte "Seilfahrt" - also der Transport eines Förderkorbes in einem Richtschacht.
Die "Eisenfahrten" - hierbei konnte der Bergmann (wie bei der Feuerwehr) an einer Eisenstange hängend in den Berg rutschen.

Die älteste hier beschriebene Methode ist der Einstieg über Leitern - die sogenannten "Fahrten". Später - etwa 1875 - wurde die Fahrkunst eingeführt. Sie bezeichnet eine Art Paternoster auf dem sich der Bergmann stellen konnte und so nach oben oder unten transportiert werden konnte. Dies kostete zwar erheblich weniger Kraft als das Klettern auf den Leitern, war aber dennoch nicht ganz ungefährlich. Noch sicherer wurde der Einstieg durch die sogenannte Seilfahrt, wobei ein Förderkorb im Richtschacht für das Ein- bzw. Ausfahren der Bergleute verwendet wurde.

9. Wie nennt man in der "Bergmannssprache" abgesprengtes Erz?
Haufwerk
Erzbrocken
Schutt
Erzhaufen
Geröll

Das abgesprengte Erz wird in der Bergmannssprache "Haufwerk" genannt. Das Einladen dieses "Haufwerks" blieb bis weit in das 20.Jahrhundert hinein schwerste Handarbeit. Die ersten druckluftbetriebenen Lademaschinen - die sogenannten "Salzgitterlader" - kamen erst ab etwa 1940 zum Einsatz. 1960 wurden sie - von den an Seilen gezogenen Ladeschaufeln - den "Schrappern" abgelöst. Laden, Transport und Abkippen des Erzes konnten nun in einem einzigen Arbeitsgang erledigt werden.

10. Was meint ein Bergmann, wenn er von einem "Selbstretter" spricht?
Einen tragbaren Filter gegen giftiges Kohlenmonoxid.
Eine Spitzhacke, die zum Klettern geeignet ist.
Einen tragbaren Verbandskasten, den jeder Bergmann mitführen mußte.
So einen Wortverdreher gibt es nicht!

Wenn ein Bergmann in den Berg einfuhr, hatte er ab ca. 1960 neben seinem Geleucht auch immer einen sogenannten "Selbstretter" dabei. Ein Selbstretter ist ein Filter gegen giftiges Kohlenmonoxid, das leicht bei einem Brand in der Grube entstehen konnte. Im Harz ließen die Bergleute in der "Lampenstube" zusätzlich eine Metallmarke zurück, damit man auch über Tage sofort erkennen konnte, wer sich in der Grube befand.

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