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Die Kriegerkaste der Ninjas wurde im letzten Jahrhundert durch Film und Fernsehen weltweit bekannt. Bei der Recherche zu diesem Test fiel mir auf, daß hier ein romantisiertes Bild der Schattenkrieger erschaffen wurde, das in dieser Form nie existiert hat. Die Recherche selbst gestaltete sich als außerordentlich schwierig, zumal nur wenig historisch belegbare Daten vorhanden sind. Besonders die Verfälschung von Fakten und Daten - die unter anderem auch von einigen "Ninja-Schulen" aktiv betrieben wird - machte es sehr schwer die Spreu vom Weizen zu trennen.
Ich habe bei der Suche nach Antworten versucht, mich möglichst nah an den historischen Fakten und Expertenmeinungen zu orientieren. Die von mir gefundenen Antworten werden einigen Wunschbildern mancher "Ninja-Schulen" widersprechen. Aber mir ging es hauptsächlich darum, den historischen Ninja herauszuarbeiten und nicht darum populäre "Ideologien" zu bestätigen.
Viel Vergnügen bei diesem Test!
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Ninja (jap. „Jemand im Geheimen“) war im vorindustriellen Japan die Bezeichnung für einen Partisanen, der als Kundschafter, Spion, Saboteur oder Meuchelmörder zum Einsatz kam.
Neben den Samurais wurde auch die Kriegerkaste der Ninjas – vor allem durch effektvoll inszenierte Theater- und Filmprojekte – weltweit bekannt. Kinofilme wie "American Ninja" erzeugten einen regelrechten Ninja-Boom, der viele Interessierte der Kampfkunstszene aufmerksam machte. Allerdings kritisieren viele Historiker und Kenner der Szene, daß hier ein romantisiertes Bild der Schattenkrieger vermittelt wird, das mit den historischen Ninjas wenig Gemeinsamkeiten aufweist.
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Die heute im Handel erhältlichen Ninjato-Schwerter - welche im modernen Ninjutsu benutzt werden – erheben zwar den Anspruch authentisch zu sein, aber dafür finden sich keinerlei historische Belege. Es gibt weder erhaltene Schwerter noch Abbildungen, die darauf hinweisen, daß diese Schwertform früher existiere bzw. von Ninjas benutzt wurde.
Die Herstellung einer geraden Klinge wäre für einen Schmied enorm aufwendig gewesen und hätte zudem wenig Nutzen, da sich gerade Klingen mehr als Stich- denn als Hiebwaffe eignen. Außerdem ist eine bogenförmige Klinge stabiler, d.h. sie ist nicht so leicht abzubrechen, wie eine gerade Klinge. Auch die heute weit verbreitete Meinung - der Ninja trug sein Schwert auf dem Rücken - ist höchstwahrscheinlich Unsinn. Ein (gebogenes) Schwert an der Seite kann viel schneller gezogen oder eingesteckt werden.
Einige vermuten, daß es sich beim Ninjato um die Erfindung von modernen Kampfkünstlern – wie Stephen K. Hayes – handelt oder es der Phantasie von Hollywood-Produzenten entsprungen ist. Viel wahrscheinlicher ist, daß die historischen Ninjas (abgebrochene) Kantanas oder Wakizashis benutzen, die sie von Samurais erbeuteten oder ganz normal schmieden ließen.
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Japanische Schwerter sind bekanntlich recht empfindlich, d.h. sie vertragen keine großen mechanischen Beanspruchungen bzw. Verwindungen. Beim Aufbrechen einer etwas stabileren Tür, würde wohl eher das Schwert auf der Strecke bleiben, als die Tür.
Das Erklettern von Mauer oder Bäumen dürfte aus mehreren Gründen kaum zu machen sein. Zum einen wird man ein Schwert weder in eine Mauer noch in einen Baum tief genug treiben können, daß man sich darauf stellen könnte. Zum Anderen würde weder ein Wakizashi noch ein Kantana das Gewicht eines ausgewachsenen Mannes tragen können ohne zu brechen. Technisch machbar wäre auf jeden Fall eine beidseitig geöffnete Schwertscheide als Schnorchel zu benutzen.
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Ein Bild aus dem 17. Jahrhundert zeigt den berühmten Ninja Hattori Hanzo (siehe Wikipedia) in Samurai-Rüstung. Es wurde berichtet, dass Ninjas bei Schlachten Samurai-Rüstungen oder Kettenhemden trugen. Als Kundschafter oder Spione trugen sie die Kleidung der ansässigen Bevölkerung. Bekannt ist, daß sie sich als Wandermönche, Händler oder Bauern ausgaben, um nicht aufzufallen.
Der in Film und Fernsehen so populär gewordene schwarze „Ninja-Anzug“ ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht authentisch. Das Schwarz würde selbst in der Nacht zu harte Schatten werfen. Eine graue (bzw. weiße Bekleidung für den Winter) wäre viel pragmatischer. Zum Kundschaften oder Spionieren ist der auffällige „Ninja-Anzug“ gänzlich ungeeignet. Die heute bei Ninja-Anzügen mitgelieferte Gesichtsmaske („Hokamuri“ oder „Kai Ki“) bedeckte mit Sicherheit nicht den ganzen Kopf, da der Stoff Geräusche dämpfen würde, was die Orientierung und Wachsamkeit deutlich verschlechtert. Wenn eine ähnliche Bekleidung überhaupt jemals eingesetzt wurde, dann höchstens bei nächtlichen Überfällen. Ein übliche Kleidung war der „Ninja-Anzug“ jedoch mit Sicherheit nie.
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Die Kampfkunst, die angeblich von den Ninjas gelehrt und praktiziert worden sein soll, wird heute als Ninjutsu bezeichnet. Durch die Vermittlung von Ninjutsu berühmt gewordene Schulen sind beispielsweise Togakure Ryū, Gyokushin Ryū und Kumogakure Ryū. Diese Schulen sind zusammen mit sechs Schulen der Samurai unter dem Namen Bujinkan Dojo zusammengefasst. Man könnte hier noch eine Reihe weiterer Schulnamen anfügen, die allesamt den Anspruch erheben authentisches Ninjutsu“ zu lehren.
Viele dieser Ninja-Schulen berufen sich heute darauf, daß die ursprüngliche Ninja-Ausbildung bei ihnen durch mündliche Überlieferung und geheime Aufzeichnungen die Jahrhunderte überdauert hat. Bei einigen populären Ninja-Schulen liegt jedoch die Vermutung nahe, daß es sich um selbst erfundene „Eigenkreaktionen“ handelt. Eine Ausbildung zum "Kundschafter", "Spion", "Saboteur" oder "Meuchelmörder" bekommt man heutzutage wohl am ehesten beim Militär (Geheimdienst) und nicht in einer Kampfkunstschule. Eine solche Schule würde wohl mit Recht als verfassungswidrig erklärt und verboten werden.
Damit sei jedoch nicht gesagt, daß das heutige Ninjutsu als Kampfkunst wertlos ist – im Gegenteil – jede Kampfkunst wurde einmal erfunden und muß ihren Wert in der Praxis erweisen.
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Historisch ist man sich einig, daß die Blütezeit der Ninjas in der Kamakura-Periode (1192-1333) anzusiedeln ist. Diese Zeit war in Japan durch verheerende Bürgerkriege geprägt, in denen sich die Daimyos erbittert bekämpften. Dies erklärt auch die enorme Nachfrage nach Kundschaftern, Spionen, Saboteuren und Attentätern. So entstanden angeblich allein in den Iga- und Kōga-Provinzen zwischen 25 und 75 verschiedene Ryū (Ninja-Schulen). Aber nicht nur Daimyos warben Ninjas für Feldzüge an, sondern auch „Privatpersonen“ erkauften sich deren Dienste.
Die Ninjas arbeiteten lange Zeit mit den Samurais der Daimyos zusammen und kämpften teilweise auch in offenen Feldschlachten an deren Seite. Daraus kann man schließen, daß das Bild des „guten Samurais“ und der „bösen Ninjas“ - bzw. die Ansicht, daß diese beiden Kriegerkasten sich nur verfolgten, verachteten oder bekriegten - ein moderner Hollywood-Mythos ist.
Auch wenn die Ninjas dem Bushido nicht verpflichtet waren, sind dennoch Beispiele wie Hattori Hanzō bekannt, bei denen Ninjas zu Ruhm und Ehren gelangten.
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Historisch ist kein Ehrenkodex der Ninjas bekannt. Sicher ist lediglich, daß die Ninjas den Regeln des Bushido nicht folgten. Gerade diese „Regellosigkeit“ erlaubte es den Ninjas absolut pragmatisch vorzugehen, d.h. jedes geeignete Mittel wählen zu können, das für ein bestimmtes Ziel notwendig war. Deshalb mußten sie sich auch bei der Wahl ihrer Waffen und Werkzeuge nicht durch formelle Regeln beschränken. Es konnte alles eingesetzt werden, wenn es nur dabei half, ein Ziel effektiv zu erreichen. Das bezeugt heute noch das riesige Arsenal an Waffen und Werkzeugen, welches bei der Ausführung der Aufträge zum Einsatz kam.
Dies besagt nicht, daß Ninjas keine Loyalität kannten. Immerhin gibt es Berichte, daß Ninjas sich selbst verstümmelten oder töteten, um ihren Clan zu schützen. Aber diese Art der Loyalität ist auch in anderen „Geheimbünden“ wie der Mafia oder der Yakuza verbreitet, wenn auch nicht unbedingt in derselben Intensität. Auch wenn uns Kinofilme oder manche Ninja-Schulen ein verklärtes Bild dieser Kriegerkaste vermitteln. Die historischen Ninjas waren Söldner und Auftragsmörder und keine japanischen „Robin Hoods“.
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Es gibt viele geheimnisvolle oder okkulte Kräfte, die den Ninjas bis heute nachgesagt werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß die japanische Bevölkerung von je her sehr abergläubisch war. So war es kein Wunder das auch die Ninjas, in deren magisches Weltbild, Einzug hielten. Götter, Dämonen und magische Fähigkeiten waren ein natürlicher Bestandteil der Welt. Es gibt viele Beispiele dafür, daß sich in Erzählungen geschichtliche Ereignisse mit der okkulten Welt vermischten.
Daß Ninjas als Tengu-Dämonen oder als unbesiegbare „Unterwasserwesen“ beschrieben werden, ist von daher nicht verwunderlich. Dieser geheimnisvolle, magische Flair dürfte einiges zum modernen Ninja-Boom beigetragen haben.
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Die Waffen und Werkzeugkammern der Ninjas genießen einen legendären Ruf. Besonders aus der Edo-Zeit sind jede Menge technischer Spielereien und Erfindungen erhalten geblieben. Hier waren die Japaner ähnlich kreativ wie die Europäer in der Renaissance.
Da die Ninjas pragmatisch veranlagt waren, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, daß sie alles nutzten, was bei der erfolgreichen Erledigung eines Auftrags hilfreich sein konnte. Erfindungen haben immerhin den Vorteil, daß man damit den Gegner leicht überrumpeln kann, d.h. den Überraschungsmoment auf seiner Seite hat. Den Gegner mit einer Situation zu konfrontieren, auf die er sich nicht vorbereiten kann, ist ein erheblicher Vorteil.
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Der Tokugawa-Familie gelang es erstmals (1603 bis 1868) den lang andauernden Bürgerkrieg zu beenden und die Daimyos unter ihrer Regentschaft zu vereinigen. Neben den Daimyos waren ihnen die in der Kamakura-Periode entstandenen Ninja-Clans in den Provinzen Iga und Koga ein Dorn im Auge. Die Clans wurden verboten und die Ninjas verfolgt und getötet.
Einigen gelang es in entlegene Provinzen zu fliehen. Andere arbeiteten vereinzelt sogar weiter für den Shogun. Es folgte eine fast 250 Jahre andauernde Periode des Friedens. Und eben dieser Frieden machte die Ninjas als Kampfeinheiten überflüssig. Seitdem fand man nur wenige Aufzeichnungen, die darauf hinweisen, daß es Ninja-Aktivitäten weiterhin gab. Die drei bekanntesten sind das Bansenshukai, das Shoninki und das Ninhiden.
Wert 4.2 |
Thema: 4.7 | Information: 3.8 | Verständlichkeit: 4.1 |
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