Geschichte: Kennen Sie die Hexenverfolgung in Europa?

13.02.2007
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Aris Rommel
www.philognosie.net
1. Wie lange wurden Hexen in Deutschland verfolgt und hingerichtet?
Der sogenannte Hexenwahn tobte etwa von 1350 bis 1756 durch Deutschland - also etwa 400 Jahre!
Die Hexenverfolgung war nur ein relativ kurzlebiges Phänomen in Europa, das weniger als 50 Jahre andauerte.
Nach der Anerkennung des Christentums als Staatsreligion des Römischen Reiches war es mit der Toleranz gegenüber Heiden vorbei. So wurden Ketzer über 1000 Jahre lang von der Kirche verfolgt und hingerichtet.
Die Verfolgung von Hexen ist ein Mythos aus Märchen und Fabeln, der in der Realität so nie stattgefunden hat.

Verfolgt man die Daten aus den Geschichtsbüchern, so wurden Hexen ab etwa 1350 bis zum Ende des 17. Jahrhunderts verfolgt und hingerichtet. Auf deutschem "Reichsboden" fand die letzte nachweisliche Hexenhinrichtung 1756 in Landshut - Niederbayern - statt. Als letzte Hexe Europas wird oft Anna Göldi genannt, die in der Schweiz 1782 den Tod fand.

Aus Großbritannien ist sogar noch eine Hexenverurteilung von 1944 überliefert. Dort wurde Helen Duncan zu 9 Monaten Gefängnis wegen Hexerei verurteilt. Aber immerhin verließ sie das Gefängnis lebendig.

2. Wie viele Menschen fielen der Hexenverfolgung in Mitteleuropa zum Opfer?

Was schätzen Sie?

Es gibt keine exakten Zahlen - Schätzungen schwanken zwischen 60 000 bis hin zu über einer Million Opfern.
Die meisten der angeklagten "Hexen" wurden lediglich mit geringfügigen "Bußen" belegt oder mit "Wallfahrten" bestraft. Todesopfer sind daher so gut wie keine zu beklagen.
Die Hexenverfolgung entvölkerte in Europa ganze Landstriche und übertrifft die Zahl der Opfer des "Holocaust" bei Weitem.
Hexen wurden nur in stark römisch-katholisch geprägten Landstrichen verfolgt.

Wenn man nach der Anzahl der Opfer der Hexenverfolgung in verschiedenen Geschichtsbüchern forscht, wird man keine exakten Zahlen finden. Da man damals weder genau Buch führte, noch davon ausgegangen werden kann, dass alle Aufzeichnungen über die Jahrhunderte erhalten geblieben sind, schwanken die Schätzungen zwischen ca. 60000 bis über eine Million Opfer.

Interessant ist, dass fast 80% der aufgezeichneten Hexenprozesse Frauen betrafen. Letztlich war jedoch niemand vor der Verfolgung sicher, denn unter die restlichen 20% fallen auch Männer, Kinder und Tiere.

3. Unter welchem Namen wurde die von Papst Innozenz VIII. 1484 unterzeichnete "Bulle" bekannt, welche die Hexenverfolgung offiziell legitimierte?
Es handelt sich um die sogenannte "Hexenbulle" (lat. Summis desiderantes).
Die päpstliche Anweisung zur Hexenverfolgung wurden unter dem Namen "Todesbulle" bekannt.
Da Hexen vor allem auf Scheiterhaufen verbrannt wurden, nannte man sie die "Brennerbulle".
Papst Innozenz VIII. verfasste keine derartige "Bulle" - im Gegenteil - er gilt heute noch als stärkster Gegner der Hexenverfolgung.

Im Jahre 1484 verfasste Heinrich Institoris die berühmt berüchtigte Hexenbulle (Summis desiderantes), die Papst Innozenz VIII. unterzeichnete. Damit gab es endgültig eine von höchster Stelle sanktionierte Legitimation für die Verfolgung von Hexen. Den größten Einfluss übte die Hexenbulle zwar in katholischen Ländern aus, wurde aber auch von allen anderen westlichen Kirchen akzeptiert.

So brannten die Scheiterhaufen der lutherischen, reformierten, anglikanischen und puritanischen Kirchen nicht weniger hoch, als die der katholischen Kirche. Einzig die Ostkirchen lehnten eine Beteiligung an der Hexenverfolgung ab. Die Bulle erlangte ihre enorme Bekanntheit vor allem durch das Buch "Hexenhammer".

4. Was ist in diesem Kontext mit dem Begriff "Hexenhammer" gemeint?
Der Hexenhammer (lat. Malleus Maleficarum) ist ein Buch, in dem die Regeln für die Verfolgung und Vernichtung von Hexen detailliert beschrieben wurden.
Der Hexenhammer ist ein besonders grausames Folterinstrument, das beim "Verhör" einer Hexe zur Anwendung kam.
Als "Hexenhammer" wurde im Volksmund die Bruderschaft der Dominikaner bezeichnet, die als Inquisitoren besonders grausam vorgegangen sind.
Ein Hexenhammer bezeichnet ein unheiliges Werkzeug der Hexenzunft, das angeblich zur Durchführung satanischer Rituale benötigt wurde.

Mit dem Begriff "Hexenhammer" (lat. Malleus Maleficarum) ist ein Buch des Dominikaners Heinrich Kramer gemeint. In diesem Buch sollen mit einer vermeintlich "wissenschaftlichen Argumentation" Vorurteile gegenüber Hexen belegt werden. Es wurden klare Regeln für die systematische Verfolgung und Vernichtung von Hexen festgelegt. Mit den dort aufgeführten "Beweisen" und "Rechtfertigungen" konnten die Inquisitoren ihre grausame Praxis offiziell legitimieren.

Der Hexenhammer zählt heute zu den bestialischen Machwerken der Weltliteratur, dessen Blutspur sich fast 400 Jahre lang durch die Geschichte und Kultur Europas zog und bis heute bleibende Spuren hinterließ. Leider haben es viele westliche Kirchen bis heute versäumt, sich von dessen Inhalt zu distanzieren und sich dadurch ihrer eigenen dunklen Vergangenheit zu stellen.

5. Mit welchen Bibelzitaten rechtfertigte man die Hexenverfolgung?

Mehrere Antworten können richtig sein!

Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen. (Ex 22,17)
Ihr sollt nicht Wahrsagerei noch Zauberei treiben (Lev 19,26; Dtn 10,10)
"... Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn ..." - Talionsformel (Vergeltungformel) vom Buch Mose
"Verschone sie nicht, sondern töte Mann und Frau, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel." (1.Samuel 15,3)

Wenn man nach einer Rechtfertigung für die Hexenverfolgung sucht, welche die Kirche aus der Bibel ableitete, so trifft man häufig auf die beiden Zitate:

Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen. (Ex 22,17)
Ihr sollt nicht Wahrsagerei noch Zauberei treiben (Lev 19,26; Dtn 10,10)

Wenn man bedenkt, dass in ca. 600 Bibelstellen von Gewalt (Vergewaltigung, Mord etc.) durch Menschen die Rede ist und in ca. 1000 Stellen Gewalt durch Gott thematisiert wird - scheint uns heute diese Auswahl der Zitate recht willkürlich zu sein. Hinzu kommt, dass die Bibel nicht an allen Stellen Zauberei oder Magie verteufelt. So sucht König Saul Rat bei der "Hexe von Endor" (1. Buch Samuel, 28,5-25) oder die hl. drei Könige (Magi) (Mt 2,1-2) huldigen dem Christuskind.

Hexen im Sinne der Hexenbulle oder des Hexenhammers kennt die Bibel nicht. Diese Tatsache hinderte die "Hexentheoretiker" jedoch nicht, die genannten Zitate als "Beweis" für den Hexenkult anzusehen bzw. harte Strafen zu fordern.

6. Welche Haltung nahm Martin Luther zur Hexenverfolgung ein?

Mehrere Antworten können richtig sein!

Martin Luther war ein klarer Befürworter der gerichtlichen Verfolgung von Hexen und Zauberern.
Er hielt die Todesstrafe für "Schadenszauberei" für angemessen. In einer 1526 aufgezeichneten Predigt kommen zudem stark frauenfeindliche Akzente zum Tragen.
Als Kirchenpolitiker und Seelsorger war ihm die Verfolgung von unschuldigen Gläubigen ein Dorn im Auge.
Luther hat selbst zu diesem Thema nie klar Stellung bezogen. Da er sich selbst jedoch nie aktiv an der Verfolgung von Hexen beteiligte, vermutet man, dass er ein Gegner des Hexenwahns war.

Sowohl Martin Luther als auch Calvin waren aktive Befürworter der Hexenverfolgung. Luther sprach sich nicht nur für eine gerichtliche Verfolgung von Zauberern und Hexen aus, sondern forderte auch eindeutig die Todesstrafe für jede Art der "Schadenszauberei".

In einer vom 6.Mai 1526 aufgezeichneten Predigt kommen zudem stark frauenfeindliche Akzente hinzu. So fordert er alleine in dieser Predigt fünfmal dazu auf, dass "sie zu töten sind" (Predigt 6.Mai.1526, WA 16, 551f). Zugute halten kann man ihm lediglich, dass er sich selbst infolge der Ereignisse nicht als eifriger Hexenjäger erwiesen hat.

7. Welche Anklagepunkte mussten vorliegen, um einen Hexenprozess zu rechtfertigen?

Mehrere Antworten können richtig sein!

Es bedurfte keiner eindeutigen Beweise - oftmals reichte schon ein hartnäckiges Gerücht aus, um einen Menschen anzuzeigen.
Man konnte von einer bereits inhaftierten "Hexe" als Mitschuldiger denunziert werden.
Es waren dem Gericht eindeutige Beweise vorzulegen, wie der Beschuldigte sich als "Schadenszauberer" betätigt hatte. Erst wenn dessen Fürsprecher (Anwalt) diese nicht widerlegen konnte, kam es zum Prozess.
Man musste mindestens ein Todesopfer im direkten Umfeld des Angeklagten benennen können, damit der Aufwand einer Untersuchung gerechtfertig werden konnte.

Um einen Hexenprozess in Gang zu setzen, bedurfte es keiner eindeutigen Beweise. Manchmal reichte ein hartnäckiges Gerücht oder man wurde von einer bereits inhaftierten "Hexe" denunziert. Ein Recht auf eine Verteidigung - also einen Fürsprecher oder Anwalt - hatte man nicht.

Die Inquisitoren gingen davon aus, dass Hexen nicht alleine agieren, sondern in einer Art Geheimbund organisiert waren. Daher wurden von der Angeklagten unter Folter verlangt, die Namen von weiteren "Hexen" preiszugeben. Verständlicherweise waren aufgrund der Folter solche Denunziationen sehr wahrscheinlich.

8. Was verstand man unter einer sogenannten "Hexenprobe"?

Mehrere Antworten können richtig sein!

Bei der Wasserprobe wurde die Angeklagte gefesselt und ins Wasser geworfen. Ging sie unter, war sie unschuldig, schwamm sie oben, war sie schuldig.
Bei der Feuerprobe musste die Angeklagte beispielsweise über 12 rot glühende Pflugscharen gehen. Blieb sie unverletzt - bzw. eiterte die Wunde nicht - war ihre Unschuld bewiesen.
Bei der Nadelprobe wurde in ein sogenanntes Hexenmal gestochen. Wenn die Wunde nicht wie erwartet blutete, war sie als Hexe überführt.
Die Angeklagte musste über fundierte Kenntnisse von satanischen Ritualen verfügen, um überführt zu werden.
Unter einer "Hexenprobe" verstand man eine demokratische Abstimmung unter den Richtern, die entscheiden mussten, ob die Anklagepunkte stichhaltig waren.

Unter einer Hexenprobe verstand man eine Art "Gottesurteil", das die Angeklagte belasten bzw. freisprechen konnte. Obwohl Hexenproben für offizielle Gerichtsverfahren verboten waren, kamen sie dennoch immer wieder zur Anwendung.

Neben den bereits in den Antwortoptionen genannten Wasser-, Feuer- und Nadelproben gab es noch die Tränen- bzw. Wiegeprobe. Bei der Tränenprobe wurde die Angeklagte aufgefordert zu weinen, da man davon ausging, dass Hexen nicht weinen können.

Bei der Wiegeprobe wurde die Frau gegen ein vorher festgelegtes Gewicht gewogen. Wenn sie zu wenig wog, konnte das als Indiz für ihre Schuld ausgelegt werden.

Allerdings konnte man bei keiner dieser "Proben" vorher sagen, ob das Ergebnis für das Urteil relevant war. Da es oft schon bei der "Hexenprobe" selbst zum Tod der Angeklagten kam, kann man allein den Titel "Probe" in diesem Kontext als ziemlich sarkastische Wortwahl bezeichnen.

9. Welche Rolle spielte die Folter in einem Hexenprozess?
Für eine endgültige Verurteilung war ein "Geständnis" der Schuldigen nötig. Die Folter erhöhte die Wahrscheinlichkeit, ein solches "Geständnis" zu erlangen.
Die Folter war in jener Zeit ein "übliches" Mittel Gefangene zu verhören oder zu bestrafen. Die Art des Vergehens spielte dabei keine Rolle.
Folter kam in Hexenprozessen kaum zum Einsatz. Die Angeklagten mussten ihre Verbrechen freiwillig gestehen, damit eine Verurteilung "rechtmäßig" war.
Die Folter wurde als Mittel angesehen, die "Seele" der Angeklagten (analog zur Passion Christi) zu reinigen, damit sie von Satan abließ und in den Himmel kommen konnte.

Die Phase im Hexenprozess, in der die Folter zur Anwendung kam, bezeichnete man als "peinliche Befragung". Normalerweise war die Folterung von Schwerverbrechern auf eine Stunde begrenzt, was bei den Hexenprozessen jedoch wegfiel, da man es als "crimen exceptum" (Ausnahmeverbrechen) ansah.

Ebenso fiel die sonst übliche Regel - einen Angeklagten für ein "Geständnis" nur 3 Mal foltern zu dürfen - weg. Der Grund für diese Tortur war in der frühen Neuzeit die Regel, dass kein Angeklagter ohne ein Geständnis verurteilt werden durfte. Insofern erhöhte die Folter die Wahrscheinlichkeit ein solches Geständnis zu bekommen erheblich.

10. Warum wählte man bei Hexen hauptsächlich den Scheiterhaufen als Hinrichtungsmethode?

Mehrere Antworten können richtig sein!

Nach damaliger Auffassung der Kirche hatte das Feuer eine "reinigende Wirkung". Dadurch sollte die Seele gerettet werden.
Da Hexerei als besonders schweres Verbrechen galt, sollte der Körper der Hexe ganz vom Erdboden getilgt werden.
Bei der Hinrichtung der Hexe spielte es überhaupt keine Rolle, welche Methode zur Anwendung kam. Der Scheiterhaufen ist lediglich die bekannteste - aber nicht die häufigste - Hinrichtungsmethode gewesen.
Da man Schwerverbrecher nicht auf dem Friedhof begraben durfte, mussten ihre Leichen vorsorglich eingeäschert werden.

Nach der damaligen Auffassung der Kirchen hatte das Feuer eine reinigende Wirkung. Man versuchte dadurch die Seele der Hexe zu retten, weshalb diese Todesart von den Inquisitoren auch als "Akt der Liebe" angesehen wurde.

Ein anderer Grund diese Todesart zu wählen, ist eine Textstelle aus der Bibel. Dort wird die Stadt Sodom erwähnt, wo die Sodomiten in den Flammen umkamen. Darin sah man ein Gleichnis zur Sündhaftigkeit, die in einem Regen aus Feuer und Schwefel vertilgt wird.

Da man die Hexerei als besonders schweres Verbrechen ansah, hielt man es für angebracht, den Körper des Delinquenten vollständig vom Erdboden zu tilgen.

11. Werden Hexen auch heute noch verfolgt und getötet? Was denken Sie?
Ja
Nein

Leider kommt es in unserer Zeit immer noch zur Verfolgung von Hexen. Im Norden Südafrikas werden jedes Jahr Hunderte Menschen der Hexerei angeklagt und durch den Mob getötet. In Tansania werden heute noch Frauen der Hexerei bezichtigt und getötet oder verstümmelt. Es gibt sogar einige afrikanische Staaten, die ausdrücklich strafrechtliche Verfolgungen gegen Hexerei vorsehen. Aber auch in Südamerika wurden in jüngster Zeit noch Fälle von Hexenverfolgung bekannt. (Quelle Wikipedia - Artikel "Hexenverfolgung")

Die Hexenverfolgung in Europa mag endgültig in den Analen der Geschichte begraben sein, aber weltweit gesehen, sind leider immer noch Ausläufer dieser grausigen Tradition zu beklagen.

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