Große Worte

02.06.2002
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Knut Gierdahl
www.wohin-auswandern.de/
Viele Aussprüche prominenter Persönlichkeiten sind in die Geschichte eingegangen als "geflügelte Worte". Im folgenden stehen solche Aussprüche im Mittelpunkt.
'Nebenbei' werden Ihnen Fragen zum Umfeld und zur Entstehungsgeschichte dieser Äußerungen gestellt. Viel Spaß bei dieser Reise durch die Geschichte.
1. Folgender Satz stammt von einem sprichwörtlich genügsamen Mann, der ihn im 4. vorchristlichen Jahrhundert geäußert haben soll:
"Geh mir aus der Sonne!" Wem wird dieser Ausspruch zugeschrieben und wer sollte aus der Sonne gehen?
Sokrates, gerichtet an Platon
Diogenes, gerichtet an Alexander
Platon, gerichtet an Sokrates
Cäsar, gerichtet an einen Bettler vor dem Senat

Der Satz stammt von dem griechischen Philosophen Diogenes von Sinope (412-323 v.Chr). Seine Geringschätzung materieller Güter drückte er u.a. dadurch aus, daß er eine Tonne als Wohn- und Schlafplatz wählte. Sein Besucher war kein Geringerer als Alexander der Große (356-325 v.Chr).
Grund für die Aufforderung Diogenes' soll Alexanders Aufforderung gewesen sein, sich etwas zu wünschen. Als Alexanders Antwort ist überliefert, "Wenn ich nicht Alexander wäre, möchte ich Diogenes sein".

Wer tat diesen Ausspruch?

2. Folgendes Große Wort wird ebenfalls auf das 4. vorchristliche Jahrhundert datiert und hat - überraschenderweise - eigentlich etwas mit Kunst zu tun. Es war die Reaktion eines heimlichen Lauschers auf Kritik.
Sie kennen es sicherlich: "Schuster, bleib bei deinen Leisten!"
Kyprianos von Antiochia
Hippolyt
Apelles
Mohammed

Apelles (356-308 v.u.Z), der berühmte Maler des Altertums und Hofmaler Alexanders des Großen. Er hatte die Gewohnheit, seine Bilder öffentlich auszustellen und sich hinter diesen zu verstecken. So konnter er umbemerkt die Urteile der Vorbeigehenden hören.

3. Bleiben wir noch bei der Situation aus der vorigen Frage... Was kritisierte der Schuster?
die schlechte Wirtschaftslage
ein Gemälde
ein neues Gesetz
eine allgemeine Mobilmachung
einen neuen Kult

Nachdem Sie wissen, daß der Schuster Apelles Werk bemängelte - natürlich handelte es sich um ein Gemälde des Apelles. Genauer bezog sich die Kritik darauf, daß die Schuhe des gemalten Menschen eine Öse zu wenig hatten und außerdem die Schenkel anatomisch nicht korrekt wiedergegeben wurden.

4. Begeben wir uns nach Rom ins Jahr 390 v.u.Z. Hier entstand der Ausspruch "Wehe den Besiegten!" Was geschah zu dieser Zeit?
Rom wurde von den Galliern belagert und eingenommen.
Rom eroberte Kleinasien.
Die Langobarden bedrohten Rom.
Die Macht der Senatoren wurde beschränkt.

Der Satz, "Wehe den Besiegten!" stammt von Brennus, dem Fürst der Senonen und Anführer der gallischen Armee. Die Römer hatten sich geweigert, den Tribut an die Eroberer nach den schwereren gallischen Gewichten abzuwiegen, statt nach römischen. Daraufhin droht Brennus damit, daß Widerspruch den Tribut in die Höhe treiben würde.

5. Von wem stammt die bemerkenswerte Feststellung, daß Geld nicht stinkt?
Pompeius
August der Starke
Roosevelt
Vespasian

Der römische Kaiser Vespasian (9-79 n. Chr.) richtete sich damit an seinen Sohn Titus. Vespasian hatte, um seine Geldprobleme zu mindern, eine ganze Reihe neuer Steuern eingeführt. Darunter war auch eine Steuer für öffentliche Toiletten. Auf die starke Kritik Titus` an eben dieser Steuer konterte der Kaiser, "Geld stinkt nicht."

6. "Wasch mir den Pelz, aber mach mir ihn nicht naß!" - von wem stammt dieser Satz?
Herzog Georg von Sachsen
Giovanni Boccaccio
Kaiser Barbarossa Friedrich I. von Hohenstaufen
Ludwig Erhard
Joseph Goebbels

von Herzog Georg von Sachsen (1471 - 1539) Der Herzog war ein erklärter Gegner der Reformation. In einem Disput mit Erasmus von Rotterdam (ja genau, der bekannte Humanist) kritisierte er eine in sich widersprüchliche Äußerung seines Gesprächspartners.

7. "Hier stehe ich, ich kann nicht anders." Dieser Luther zugeschriebene Ausspruch ist ist zwar historisch nicht verbürgt. Doch er drückte die Grundhaltung der Reformationsbewegung aus. Wo soll Martin Luther diesen Satz geäußert haben?
auf der Kanzel zu Wittenberg
vor dem Konzil zu Avignon
auf dem Reichstag zu Worms

Luther war 1521 auf den Reichstag zu Worms zitiert worden, um seinen unorthodoxen Glauben zu widerrufen. Dort stand der mit dem Kirchenbann Belegte gegen die Kirche und den Kaiser. Einige deutsche Fürsten unterstützten Luther, um den politischen Einfluß Roms zu schwächen.
Zweimal wurde Luther im Reichstag gehört. Er soll sich mit den Worten verteidigt haben:
"wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, daß sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!"

Von wem, falls nicht von Luther, der Satz "Hier stehe ich,..." zitiert ist, ist nicht bekannt.

8. Der Sonnenkönig Ludwig XIV. äußerte folgenden Satz: "Der Staat bin ich!" Was war der Anlaß für diesen Ausspruch?
ein Wohltätigkeitsball für die Armen
eine Unterredung mit dem Parlamentsvorsitzenden
die hohe Staatsverschuldung

Dieser Satz gilt als der vollkommene Ausdruck des absolutistischen Herrschaftsbildes. Als in einer Besprechung der Präsident des französischen Parlamentes vom Staatsinteresse sprach, kürzte Ludwig XIV. die Diskussion mit seiner Replik entscheidend ab.

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