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Am
17.8. landeten wir früh um 9:15 Uhr in Antalya. Unser "Freund" Duran holte uns
wie immer ab und tuckerte dann mit Tempo 60 mit uns die 120 km nach Alanya.
Er hatte gerade einen Tag vorher einen neuen Motor in seinen 21 Jahre alten
Golf bekommen und durfte nicht schneller fahren. Machte ja nix, wir waren ja
erst seit über 24 Stunden ( waren schließlich nachts um halb 3 schon am Flughafen
in Hannover) auf den Beinen, sehnten uns weder nach einer Dusche noch nach leichteren
Klamotten. Also tuckerten wir knapp 3 Stunden über türkische Landstraßen.
Nach einigen Beinahe-Unfällen endlich angekommen, empfing uns ein smokiges,
heißes, feuchtes Alanya. Unsere Klamotten konnten wir zwischenzeitlich schon
auswringen. Ok, Helmut vom Koffer gehoben (mußte er leider drauf sitzen, im
Kofferraum war der Platz für die Lautsprecher der Stereoanlage ausgefüllt),
Koffer rausgezerrt und endlich ins Haus.
"Uuuiii, super, Duran hat ein Haman auf zwei Etagen eingebaut, das sehen wir
uns gleich mal an."
Das Haman war wirklich schön, sehr heiß und auch schön feucht. Leider zog sich
dieses tolle Klima durch das ganze Haus, die Isolierung dagegen wurde aus Kostengründen
mal eben weggelassen. Aber so ein Treppenhaus mit abblätternden Putz an den
Wänden hat doch auch was, besonders schön waren diese verschiedene Farbschattierungen
vom Grün zum Blau - ich glaube man nennt das Schimmel. Endlich hatten wir unsere
2 x 15 kg Koffer /Tasche die Wendeltreppe hoch in den 3. Stock geschleppt und
standen in unserem Zimmer. Sagte ich eben Zimmer?? Naja, jedenfalls nennt Duran
die 20 qm , "Bad" schon mit gerechnet, so.
"Super, eine nachgeholte Hochzeitsnacht in getrennten schmalen Betten hatten wir noch nie! Mal was anderes." Also den Tisch zwischen den Betten erst mal auf den Balkon (der war größer als das Zimmer)verfrachtet, Betten zusammen geschoben.
"Hm, hoffentlich falle ich nicht in die große Lücke dazwischen." meinte mein
Mann so als dürrer Hering.
Es
klaffte eine ungefähr 40 cm breite Spalte zwischen den Betten, die Füße daran
wollten wir mangels Werkzeug nicht abbauen. Nach 3 Stunden Flug und 3 Stunden
Tuckerfahrt drücke die Blase und ich stürzte ins Bad. Bad? Heee, es ist toll,
wenn man beim Pipi machen auch gleichzeitig duschen kann!!! Duran - so als praktischer,
alter Architekt- hat nämlich die Toilette genau unter die Dusche gebaut. Spart
enorm Zeit wenn man sich abends fertig machen will. Die Beulen, die wir uns
beim Zähneputzen geholt haben, verheilten auch relativ schnell. Die Ablage über
dem Waschbecken war leider etwas zu groß geraten und wir konnten wählen zwischen
Wir-bekleckern-uns-mit-Zahnpasta- oder Wir-holen-uns-eine-beulige-Stirn. Also
erstmal die Koffer auf, Badeklamotten raus, ab in 45 Grad Hitze und los zum
Strand. Ein Freudensprung ins Wasser...aber was ist das? Aua.....da waren auf
einmal riesige bemooste Felsbrocken drin....hm, komisch, vor 2 Jahren waren
die noch nicht da. Naja, macht ja nix, im Market nebenan gibt es ja Pflaster.
Die erste Nacht lief ab wie alle 12 weiteren. Haben Sie schon einmal in einer
Sauna geschlafen? Ist ein echtes Erlebnis. Und bestimmt gar nicht so ungesund,
schließlich schwitzt man sich ja die ganzen fiesen Schlackstoffe aus dem Körper.
Und ein Ventilator im Zimmer ist natürlich auch viel gesünder als eine kühle
Klimaanlage. Trotzdem zogen wir den Balkon eigentlich für Nachts dann vor. Nicht
unbedingt zum schlafen, das konnte man eh nicht, aber wir haben viel über Dänen,
Schweden und Norweger gelernt! Denn, oh Freude, es wurde an die feierfreudigen
Skandinavier gedacht, die sich nebenan im Hotel einquartiert hatten und jede
Nacht open air Disco am Pool bis morgens um 5 Uhr feierten. Wir wissen aber
nun, das Skandinavier ein wirklich lustiges und trinkfreudiges Völkchen sind.
Wo lernt man denn sonst so viel über andere Völker?
Und die Türken machen sich bekannterweise auch keinen Streß bei der Arbeit. Wenn es tagsüber zu heiß ist, dann holen sie den Müll eben nachts um 2 Uhr ab, die Touris sollen sich mal nicht so haben wegen dem bisserl Krach und Gestank. Nach so einer durchwachten Nacht freuten wir uns dann auf ein leckeres Frühstück auf der luftigen Dachterrasse.
"He, wo sind die denn alle? Warum ist hier nur Dreck und Sperrmüll? Duuuuraaaan.....wo bleibt das Frühstück?"
"Hab ich euch unten im Keller aufgebaut!"
"Nett, da ist es wenigstens noch nicht so warm."
Dort herrschten angenehme 34 Grad und die gewohnte Saunafeuchtigkeit. Gerne
hätten wir uns ja etwas unterhalten, aber das war leider nicht möglich. Neben
uns stand der Brenner für das Haman und der sprang verläßlich alle 2 Minuten
an. Dafür war das Frühstück super lecker. Jeder bekam doch tatsächlich 5 Oliven,
6 klitzekleine Gurkenscheiben, eine halbe Tomate, einen Fitzel Schafskäse, 22g
Schmierkäse und ein halbes Ekmek. Dazu eine Tasse Kaffee, die einem die Fußnägel
hochklappte. Da es uns am ersten Morgen so gut geschmeckt hat, beschloß Duran,
uns diese Leckerei auch an den anderen 11 Tagen zu servieren. Am 4. Tag war
der Schafskäse dann besonders lecker, er schmeckte etwas säuerlich. Aber es
gibt da ja auch so viele Sorten, konnte ich ahnen, dass ich nach dem Genuß 3
Tage lang mit Brech-Durchfall das Bett hüten konnte?
Haustiere hat Duran übrigens auch. Wenn man abends seine Getränke aus dem Kühlschrank
im Keller holte, dann sagten einem noch die Kakerlaken "Gute Nacht Freunde".
Es sind wirklich possierliche Viecher. Ich habe sie fast liebgewonnen, so verläßlich
begrüßten sie uns täglich.
Im Zimmer gab es außerdem so nette, klitzekleine rote Ameisen, fühle sich immer
lustig prickelnd an, wenn sie über einen rüber marschierten und auch mal pipi
machten. Aber auch wenn ich wirklich ein Tierfreund bin, ich entschloss mich
dann doch dazu, mich permanent mit Insektenschutz einzunebeln.
So lief jeder der 12 Tage ab. Obwohl - nach 5 Tagen, genau auf meinem Geburtstag,
hatte ich die Nase voll, sah mir in einem schönen Hotel ein super App. an......aber
ich konnte Helmut nicht zum Umzug bewegen. Somit hatte ich neben einem wunderschönen
Urlaub auch noch einen supertollen Geburtstag.
Einge
Restaurants sind auch sehr zu empfehlen, oder stört es Sie etwa, wenn das Glas
beim letzten Schluck sofort verschwindet ( "finish?") und Sie ein neues bekommen?
Oder das man eine Mülltonne an Ihrem Teller vorbei karrt, während Sie gerade
an der türkischen Pizza laben? Wir können wirklich nur jedem empfehlen, der
mal raus aus seiner ruhigen, langweiligen Umgebung möchte, nach Alanya zu fliegen
und dort privat unterzukriechen! Dort haben Sie alles, was Sie sonst vermissen:
Abgase, laute knatternde Autos, Ampeln die zur Zierde da stehen, man kann nachts
den Müllmännern bei der Arbeit zusehen.....und das alles zu Preisen wie in Deutschland!
Natürlich ließen wir uns davon nicht im geringsten abschrecken und unternahmen
wie gewohnt unsere Touren. In Manavgat erwies sich mein Göttergatte als wahrer
Retter in der Not. Weil das Wasser an den Wasserfällen wunderbar kühl ist, ließ
ich meine beschuhten Füße ins Wasser baumeln. Leider hatte ich die enorme Strömung
unterschätzt und einer meiner Trekkingsandalen verselbstständigte sich.
"Helli, mein Schuh! Ich kann doch nicht barfuß oder mit nur einem Schuh wieder
nach Alanya zurück!"
Wie ein Märchenprinz hechtete mein Herzallerliebster in die Fluten. Mir wurde
Angst und Bange, er konnte doch nicht schwimmen. Unter einer kleinen Brücke
bekam er meinen Schuh zu fassen, kletterte mit nassen Klamotten aus dem Wasser
und zog ihn mir an. Ich kam mir in diesem Moment vor wie Aschenputtel.
"Was habe ich doch für einen heldenhaften Ehemann!" strahlte ich ihn an.
Am nächsten Tag stand ein Besuch des Aquaparkes auf dem Programm. Sie wissen
schon, diese Wasserlandschaften mit unzähligen Becken und haushohen Wasserrutschen.
Wir testeten erst einmal die kleineren Rutschen aus und bewunderten den Mut
Einzelner, die sich auf diese riesigen Dinger trauten.
"Würde ich auch gerne mal ausprobieren" dachte ich laut.
"Du? Du Angsthase? ich lach mich weg!" kam von Helmut das spöttische Kommentar. Ich mag es nun überhaupt nicht gerne, wenn man mich Angsthase nennt. Nun war mein Ehrgeiz erst richtig geweckt. Ich schaute mich um.
"Die weiße da, da will ich runter!"
"Merkst du die Einschläge noch? Da ist bisher kaum einer gerutscht. Hast du dir mal angesehen, wie hoch das Ding ist"
"Ich schätze so gute 70 Meter werden es wohl sein, ich will trotzdem!" Ich beäugte die Rutsche noch eine Weile und fing langsam an, die vielen Treppen hochzusteigen. Etwas mulmig war mir ja nun doch. Aber ein Rückzieher kam nicht in Frage. Endlich oben angekommen empfing mich ein junger türkischer Bursche, dem es sichtlich schwerfiel, sich das Lachen zu verkneifen.
"Are you sure that you want?" fragte er mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
"Yes,I´m sure" Natürlich war ich mir sicher. Oder doch nicht? Ich werde doch
jetzt nicht wieder vor allen Leuten die Leiter herab steigen.
Der Junge war immer noch am grinsen und gab mir Anweisungen, wie ich denn zu
rutschen habe. Ich sollte die Beine verkreuzen, eine Hand in den Nacken legen
und mir mit der anderen die Nase zuhalten.
"Na wenn das alles ist, nichts leichter als das!"
Ich hockte mich auf den Rand, stützte brav meinen Nacken mit der einen Hand
ab, hielt mir die Nase zu und kreuzte meine Beine. Und schloß ganz fest die
Augen.
Dann bekam ich einen leichten Stoß in den Rücken und rutsche erst ziemlich langsam
davon. Langsam war es allerdings nur die ersten paar Meter. Dann ging es plötzlich
im 90 ° Grad Winkel hinunter und ich flog erst einmal gegen die Bande. Krampfhaft
versuchte ich weiter, den ganzen Anweisungen Folge zu leisten. Was aber ein
Ding der Unmöglickeit war, ich bekam immer mehr Geschwindigkeit und wirbelte
nur noch von rechts nach links und zurück.
Mit
einem riesigen Plumps landete ich ziemlich unsanft im Wasser. Mein Oberteil
vom Bikini hatte ich um meinen Hals gewickelt. Beim richten des Slips fiel mir
dann auf, dass die Anziehungskraft des Wassers mir einen Hygieneartikel aus
dem Körper gerissen hatte. Sie wissen schon, dieses Ding mit den zwei Buchstaben
und blauen Bändchen dran. Das war nun doch ziemlich peinlich und ich hoffte
nur, dass das Ding nicht auch noch aus der Hose rutscht und im Becken umherschwimmt.
Aber ich war stolz auf mich.
"Ha, doch kein Angsthase, nun bist du dran!" Aber Helmut grinste nur über das ganze Gesicht und lehnte dankend ab. "Feige Socke" schmollte ich.
Die Tage verstrichen und wir warteten auf den Tag, an dem wir endlich wieder Richtung Deutschland durften. Endlich! Schon gleich nach dem Frühstück hatte ich die Koffer gepackt und nun saßen wir auf heißen Kohlen. Unser Flug ging erst um 21 Uhr, das heißt, wir bräuchten erst gegen 19 Uhr am Airport sein. Um 15 Uhr setzten wir uns vor das Haus zu Duran und fingen an zu quengeln.
"Duran, was ist, wenn die Straßen verstopft sind? Nicht das wir zu spät kommen!" Aber wir hatten die Rechnung ohne die südländische Langsamkeit und Gelassenheit gemacht.
"Haben noch so viel Zeit, fahren gleich los" Gleich - in der Türkei ein sehr dehnbarer Begriff. In diesem Fall hieß "gleich", dass wir uns noch über eine Stunde gedulden mußte, bis Duran endlich seine Kanne schwarzen Tee ausgetrunken und in aller Ruhe seine Zigaretten geraucht hatte. Dann ging es endlich los. Wir fuhren mit der gleichen gemütlichen Geschwindigkeit wie schon bei der Anreise. Nach anderthalb Stunden endlich angekommen, verabschiedeten wir uns schnell von Duran, stellten uns brav in die Schlange der Mitreisenden und warteten auf unsere Abfertigung. Da wir noch über 3 Stunden Zeit hatten bis zu unserem Abflug, besorgten wir uns erst einmal ein schönes kühles Efes-Pils und machten es uns in der Wartehalle gemütlich. Anschließend stöberten wir noch im Duty free Shop, beschlossen aber, dass die angebotenen Artikel in Deutschland auch nicht teurer sind.
"Die Passagiere des Fluges HJ 3452 nach Hannover bitte zu Gate 14" hallte es von oben.
"Los Männe, das sind wir, ich will endlich nach Hause!"
Der Rückflug war super. Mit über einer Stunde Verspätung sind wir gegen 22:30
doch noch endlich gestartet. Uns erwartete ein lustiger Hoppelflug mit Turbulenzen
und Luftlöchern. War wirklich spaßig, auch wenn man nicht aufs WC durfte und
der Bordservice eingestellt wurde. Mum und Dad erwarteten uns schon in der Ankunftshalle
und ließen sich unterwegs einen Urlaubsbericht geben. Ich wollte nur noch in
mein Bett. Endlich wieder in Ruhe schlafen, ohne das nächtliche Wecken von feierfreudigen
Skandinaviern oder arbeitswütigen Müllmännern.
(C)Simone Schloos
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