Story: Die Seelenwanderer

09.04.2004
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Tony Sperber
www.philognosie.net

Der Zauber des TodesEin lautes Pochen an der schweren Eichenholztür unterbrach Laird Duncan Hawkyard der im Turmzimmer auf und ab lief. Er wandte sich abrupt zur Tür und sprach mit donnernder Stimme: "Herein - es ist offen."

Der Heiler mußte sich leicht ducken, um nicht mit seinen Kopf gegen den Türstock zu stoßen. Leichtfüßig trat er ein. Kein Laut drang von den alten Dielen als er sanften Schrittes auf den Laird zuging. Zum Gruß legte er seine dünngliedrige Hand auf eine blutrote Runenfigur, die kunstvoll über dem Herzen in sein Wams gestickt war.

Der einäugige Druide fixierte den Laird mit einem traurigen Blick, als er anhob zu sprechen: "Schlechte Nachrichten Mylord ..." - seine Augen suchten die Gesichtszüge des Laird zu deuten - "Eurer Tochter geht es schlechter als ich erwartet habe."

Der Laird wies den Druiden mit einer weit ausholenden Geste an weiter zu reden. Er nahm auf einer groben Holzbank am Kamin des Turmzimmers Platz. "Eure Tochter ist nicht krank - zumindest nicht im üblichen Sinne des Wortes. Sie wird von einem Todeszauber ans Bett gefesselt."

Duncans große Gestalt schien bei diesen Worten zu gefrieren. Seine rechte Hand schloß sich reflexhaft um das Heft seines schweren Breitschwertes. Er blinzelte den Zauberer ungläubig durch seine buschigen schwarzen Augenbrauen an. Der Laird drehte mit einer fragenden Geste seine Handflächen nach oben.

"Soweit ich das bisher sagen kann, wird dieser Zauber durch einen magischen Gegenstand im Körper eurer Tochter übertragen. Es ist keines der mir bekannten Gifte oder Elixiere - sondern eher eine Art geladener Fetisch, den ihr Körper nicht auf natürlichem Wege ausscheiden kann."

Der einäugige Druide beugte sich vor und stütze sich mit seinen Händen in den Hüften. Der Laird machte eine fahrige Bewegung, als würde er mit sich ringen, was zu tun sei. Sorgenfalten bildeten sich auf seiner Stirn als er mit zitternder Stimme sprach: "Was können wir unternehmen?"

"Ich habe eine Idee ...", erwiderte der weißhaarige Druide nachdenklich, " ... aber wir haben nicht mehr viel Zeit. Eure Tochter kämpft tapfer um ihr Leben, trotzdem bleiben ihr nicht mehr als zwei Tage." Der Druide legte eine Hand bedeutungsvoll auf seinen Runenbeutel als er sagte: "Ich konnte über die Runen-Geistern nicht viel herausfinden. Unser Feind beherrscht sein Handwerk und versteht es zudem sich hervorragend zu tarnen. Das einzige was er nicht verbergen kann, ist der Kraftstrom der den Fetisch ernährt."

Er hielt inne und massierte sich nachdenklich das Kinn. "Ich könnte diese Kraft mit einem Nagual sichtbar machen. Sie würde dann in der Schattenwelt leuchten wie eine brennende Nabelschnur, die Opfer und Täter verbindet. Da wenig Zeit verbleibt, müßte ich sie im Geistkörper durch die Schattenwelt verfolgen und mir in der Nähe der Quelle kurzzeitig einen fremden Körper ausleihen. Wenn mir das Glück hold ist bin ich diesem Bastard dann nahe genug, daß ich ihn töten kann."

Die Nackenhaare Hawksyards sträubten sich unwillkürlich, als er verstand, was der Druide vorhatte. Die Möglichkeiten dieser Zauberer überstiegen die Phantasie seines einfachen Gemüts. Es lief im ein Schauer über den Rücken. Gegen solcherlei Tricks hatte ein einfacher Schwertträger wenig auszurichten.

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