Story-Fortsetzung: Schwanger mit 16

02.02.2004
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Simone Schloos

Endlich

Ich genoss den Urlaub in vollen Zügen! Er gab mir neue Kraft für das, was mich zu Hause wieder erwarten würde. Denn mir war bewusst, dass es nicht besser werden würde, wenn ich wieder zu Hause bin. Die 17 Tage gingen viel zu schnell vorüber. Auf dem Weg zum Flughafen war ich den Tränen nahe. Ich wusste nicht, wie es zu Hause weitergehen sollte, wie ich das Ganze meistern sollte. Ich hatte einfach psychisch keine Kraft mehr auf noch mehr Terror. Zudem die Angst, Jürgen könnte wieder handgreiflich werden.

Zu Hause angekommen schlief Jürgen zum Glück schon. Ich schloss mich in meinem Zimmer ein. Ich würde ihn frühestens morgen Abend sehen. Wenn ich Glück hatte, dann kam er auch wieder erst sehr spät und volltrunken nach Hause und schlief gleich ein. Am nächsten Morgen kam auch Bastian aus Griechenland wieder. Auch ihm hatten die 3 Wochen Urlaub gut getan. "Mensch, was 3 Wochen ausmachen", dachte ich bei mir "er sieht so erwachsen aus." Braun gebrannt und bester Laune stand er vor mir. "Mum, wenn es irgendwie geht, dann würde ich da nächstes Jahr gerne wieder hin!" Mir zog sich der Magen zusammen. Diesmal hatte ich es geschafft, uns beiden einen Urlaub zusammen zu sparen. Aber wie sieht es für nächstes Jahr aus? Sicher, ich verdiente und Jürgen zahlte wenigstens die Miete, wenn in der letzten Zeit auch nicht mehr regelmäßig, sodass ich immer öfter einspringen musste. Ich hatte vor mir mit Bastian eine eigene Wohnung zu suchen, aber dafür würde mein Verdienst nicht reichen. Also war ich wieder einmal auf der Suche nach etwas Neuem.

Ich fand eine Anstellung am Empfang der Bank eines großen Autokonzerns. Zwar war der Verdienst nicht so hoch, wie ich ihn zuletzt hatte, aber wenn ich genug Stunden im Monat arbeiten würde, dann könnten wir es schaffen. Nach 4 Wochen war es mir am Empfang zu langweilig und ich wechselte innerhalb der Firma in den Werksschutz. Das war es, was ich mochte. Nicht mehr alleine am Empfang sitzen und die Leute weiterleiten, sondern Wachdienst.

Und ich konnte mehr Stunden arbeiten. Meist hatte ich an die 200 Stunden im Monat, aber endlich konnten wir uns eine eigene Wohnung leisten und raus aus dem Terror kommen. Sicher, Bastian sah ich in der Zeit selten. Manchmal kam er in der Spätschicht bei mir vorbei. Wenn er Probleme mit der Interpretation Brechts hatte, dann mailte er mir das Stück rüber und ich half ihm so bei den Hausaufgaben.

Abends schlossen wir uns immer öfter bei ihm oder bei mir im Zimmer ein und freuten uns auf unsere neue Wohnung, die wir im kommenden Januar beziehen konnten. Wir schmiedeten Pläne, wie schön ruhig es sein würde, dass uns kein Mann mehr ins Haus käme, der uns stören würde. Bastian war mir in dieser Zeit eine sehr große Stütze. Manchmal war ich so verzweifelt, dass ich nach dem Sinn des Lebens suchte. Er gab ihn mir. Ohne ihn hätte ich manches Mal das Handtuch geschmissen. Aber Bastian hatte in den letzten Jahren eine Lebenseinstellung entwickelt, an der konnte ich mir in Vielem ein Beispiel nehmen. Seine Versuche mich zu trösten, werde ich nie vergessen. Es war irgendwo eine hilflose, naive Art, aber doch sehr durchdacht.

Neuanfang

Silvester 2000/2001 war ich zum Feiern bei anderen Arbeitskollegen eingeladen.

FeuerwerkWirklich Lust dorthin zu gehen hatte ich nicht gerade, aber ich wusste, es kommt auch dieser nette Jan. Jan war ein Kollege von mir, der mir in der letzten Zeit auch sehr zur Seite stand, der mir zuhörte, mich heulen ließ, mich bekochte und der nachts stundenlang Rammstein mit mir auf dem Fußboden hörte. Ich mochte ihn wirklich gerne. Und ich wusste, er wollte gerne mehr von mir, als nur eine kollegiale Freundschaft. Mir stand der Sinn allerdings nicht nach noch mehr Schwierigkeiten, ich wollte nicht aus der einen schlimmen Beziehung raus sein und in die nächste reinschlittern. Konnte er mir garantieren, dass es nicht genauso werden würde?

Ich machte es ihm wirklich nicht einfach. Aber ich erkannte andererseits schnell, dass er genau der Mann ist, den ich immer gesucht habe! So ließ ich mich auf ihn ein. Ich gebe zu, am Anfang dachte ich eher an eine lockere Affäre, die irgendwann im Sande verlaufen würde. Dann half er uns beim Umzug. Irgendwie wollte ich danach nicht mehr ohne ihn sein. Er blieb von da an immer öfter bei uns. Und auch Bastian war begeistert von ihm. Sie verstanden sich blendend.

Nachdem Jan und ich gemeinsam den Urlaub verbracht hatten, war ich mir sicher, dass ich nicht mehr ohne ihn leben wollte. Im Oktober zog er richtig bei Basti und mir ein. Endlich hatte ich meine kleine Familie. So wie ich sie mir immer gewünscht habe. Aber noch immer hatte ich dieses Gefühl im Hinterkopf "es ist wieder nur für eine bestimmte Zeit!"

Endlich lief alles, wie es immer erträumt war. Wir drei verstanden uns super. Eine harmonische Familie und jeder blühte auf. Vergessen waren die letzten Jahre. Es ging neu von vorne los. Endlich!!!

Ostern 2003 kam dann wieder ein Einschnitt. Ich hatte damit gerechnet, aber nicht, dass er so schnell kommen würde. "Du, Mum, Nils hat doch nun seine eigene Wohnung. Und die ist ihm alleine zu groß. Es wäre da noch ein Zimmer frei für mich. Hättest du was dagegen, wenn ich ausziehe?" So eröffnete mir Bastian am Karfreitag, seinen Wunsch auszuziehen. Ich musste schlucken. "Basti, du bist noch mitten in der Ausbildung. Von was willst du denn leben?" Hörte ich mich da die gleichen Worte sagen, wie sie meine Eltern vor knapp 20 Jahren zu mir gesagt haben?

"Papa kann doch mir den Unterhalt überweisen, dann das Kindergeld und ich verdiene ja auch. Die Miete ist nicht teuer. Ich schaffe das - versprochen! Ich will dir beweisen, wie selbstständig ich bin!"

Wir debattierten. Irgendwo war ich verletzt. Nach den ganzen Jahren, wo wir ein eingeschworenes Team waren, wollte er so einfach gehen.

Ich hätte mir gewünscht, dass er anders anfangen konnte. Nicht mit so vielen Schwierigkeiten wie sein Vater und ich damals. Er sollte seine Ausbildung machen, sich etwas zusammen sparen können, Reisen machen können. All das, was uns in der ersten Zeit versagt war. Aber ich konnte ihm nicht verbieten, zu gehen. Ich konnte ihn nicht anbinden. Er war 18 Jahre - erwachsen! Und er wollte ja nur 2 km weit wegziehen, gleich in das Nachbarhaus seines Vaters. Ergeben stimmte ich zu. "Sollte es dort drüben mit euch nicht klappen, du kannst jederzeit nach Hause zurückkommen, Bastian!" schärfte ich ihm ein. "Mum, ich pack das schon, du wirst sehen!" Die Ostertage verbrachte ich nahezu im Trance, irgendwie im Schockzustand.

Wenn ich alleine war, dann war ich nur am Heulen. Vielleicht wollte ich auch einfach nicht wahr haben, dass Basti nun erwachsen war. Vielleicht sah ich noch immer den kleinen weißblonden Jungen vor mir, für den ich eigentlich immer viel zu wenig Zeit hatte und der mir so unendlich viel gegeben hat. Wieder einmal kam mir der gleiche Gedanke wie damals, als ich von der Schwangerschaft erfuhr: "Er ist die Liebe meines Lebens!"

Aber Kinder gehören einem nicht, man muss sie ziehen lassen, auch wenn es einem das Herz bricht.

Ich stand im leeren Zimmer, welches ich auch heute noch Bastis Zimmer nenne. Seine Möbel waren weg, es roch abgestanden. So beschloss ich das Beste draus zu machen. Ich bestellte mir einen PC, einen neuen Schreibtisch, schob das Sofa in eine andere Ecke und versuchte mir ein kleines Reich zu schaffen. "Irgendwie auch nicht schlecht. Endlich hast du mal eine Ecke, wo du deine Ruhe haben kannst!" dachte ich still bei mir. Traurig bin ich trotzdem immer noch.

Jan und ich haben im Mai darauf geheiratet. Es war wunderschön. Still und leise, ganz alleine während eines Urlaubes.

Heute sehe ich mein Leben - bis auf kleine Ausnahmen - als perfekt an.

Ich habe einen Mann, den ich über alles liebe und einen wunderbaren Sohn. Und eine wundervolle Familie.

Basti meldet sich zwar nicht täglich, aber wenn ich mich mal nicht melde, dann ruft er an und fragt ob alles o. k. ist. Wir verstehen uns noch besser als früher und vertrauen uns.

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