Story-Fortsetzung: Schwanger mit 16

02.02.2004
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Bewertung 4.7
Simone Schloos
  

Erster Teil

Hochzeit

HochzeitDie standesamtliche Trauung sollte am 19.6.86 sein. "Wollen wir nicht mal nach Ringen schauen gehen?", schlug ich mal wieder völlig naiv vor. "Aber wir können uns das Geld doch sparen, wir nehmen einfach die Verlobungsringe, die sind doch erst knapp 2 Jahre alt!" Ja klar, wir konnte ich bei einem so romantisch veranlagten Menschen wie Daniel auch nur annehmen, dass ich einen neuen Ehering bekommen würde. "Aber dann lass uns ein Brautkleid aussuchen gehen." Neuer Versuch. "Hat deine Cousine nicht erst geheiratet? Ihr habt doch die gleiche Figur, das kannst du dir doch leihen!" Ich drehte mich weg, er musste nicht sehen, dass mir diese Worte die Tränen in die Augen trieben. Wieder einmal hielt ich den Mund und willigte ein. Das Kleid war auch hübsch und passte wie angegossen. Nur gehörte es irgendwie nicht zu mir, als ich es abholte und anprobierte.

Am Donnerstag fuhren wir mit der ganzen Familie zum Standesamt. Daniel hatte sich doch überreden lassen und sich in einen schnieken schwarzen Anzug geschmissen. Aber ich musste lachen, als ich ihn sah.

Nicht nur, dass er neuerdings Vollbart trug, welcher ihn nicht wie 21, sondern wie 50 Jahre aussehen ließ. Nein, dieser Mann hatte stämmige kurze Beine und eine Wo-stehen-die-Klaviere-Figur. Er war eben Judoka, dann sieht man eben so aus! Aber ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, als er so vor mir stand.

"Basti, Mama und Papa gehen jetzt mal eben schnell heiraten" erklärte Daniel unserem Sohn vor dem Trauzimmer.

"Will mit" tönte der Kurze auch gleich.

O. k., Basti kam eben auf den Schoß von Papa.

Die Familie saß völlig gerührt hinter uns. Zum Glück blieben mir so Omas feuchte Augen erspart. Kaum hatte der Standesbeamte den Raum betreten, fing der Kurze auch schon an zu schreien. Naja, der Mann sah in seinem schwarzen Talar auch wirklich nicht vertrauenerweckend aus. Also wurde Basti runter von Papas Schoß gehievt und ab auf Omas Schoß. Schon war er ruhig.

Mir blieb nichts anderes übrig, als dort auszuharren und zu warten, dass alles bald vorbei war. Wie gerne hätte ich noch die Flucht ergriffen. Nach langen 15 Minuten war alles vorbei.

Ich versuchte den neuen Nachnamen, der mich nun viele Jahre begleiten sollte, unter das Papier zu setzten.

Wir traten vor das Rathaus und plötzlich piekte es überall. Im BH, im Slip, die Haare juckten. Warum nehmen die Leute ihren Reis nicht zum Kochen? Müssen sie mich darin baden?

Nachdem wir alle Glückwünsche entgegengenommen hatten, fuhren wir endlich essen.

Mein Magen neigte sich schon Richtung Kniekehle. Heute weiß ich nicht einmal mehr, was es eigentlich zu essen gab. Es kann also nicht wirklich so gut gewesen sein, dass man sich auch 17 Jahre danach noch dran erinnert.

Zu Hause holte mich dann gleich der Alltag wieder ein. Bastian was zu essen machen, in aufs Töpfchen gesetzt, von dem er immer runter krabbelte, um dann mit blankem Popo durch die Wohnung zu toben. Danach musste das Treppenhaus gewischt werden, dann noch schnell unter die Dusche, den Babysitter in Empfang nehmen und los ging´s zum Poltern.

Das Vereinsheim schien aus allen Nähten zu platzen. Obwohl wir beide eine große Verwandtschaft hatten, so hatten wir nicht mit 200 Leuten gerechnet. Es war jeder da, dem wir in unserem Leben bisher auch nur die Hand geschüttelt hatten! Daniels Eltern hatten ein riesen Büfette kommen lassen und aus dem Jugendzentrum spielte die Band zum Tanze. "Aber dich gibt's nur einmal für mich", stöhnte der Sänger gerade ins Mikro und orderte Daniel und mich damit zum Eröffnungstanz auf die Tanzfläche.

"Wozu um Himmelswillen haben wir einen Tanzkurs gemacht, wenn du immer nur auf meinen Füßen stehst?" raunzte ich Daniel ins Ohr und versuchte aus einem schmerzverzerrten Gesicht etwas Lächelndes zu machen. Nach diesem einen Tanz beschlossen wir mit Rücksicht auf meine Füße dann doch, den anderen bei dieser fragwürdigen Art der Belustigung, den Vortritt zu lassen.

Um 24 Uhr entriss Daniel dem Sänger angeheitert das Mikrofon und forderte zum allgemeinen Nacktbaden auf. Wie bitte? Ich habe mich anscheint verhört. Baden war ja geplant, aber bitte doch angezogen!

Peinliche Stille machte sich im Saale breit, bis plötzlich 20 Leute aufsprangen, raus rannten und sich die Klamotten vom Leibe rissen.

Ich zog es doch vor, meine gar nicht mütterliche Figur im Bikini zur Schau zu stellen. Eh ich mich versah, wurde ich auch schon in das lauwarme Wasser geschubst. Es war auch um diese Zeit noch unheimlich warm und über uns leuchtete der Vollmond. "Wenigstens etwas Romantik an diesem Tag", dachte ich bei mir.

Als wir alle aus dem Wasser stiegen um wieder zu den anderen zurückzukehren, hatten sich schon so gut wie alle verabschiedet - nur leider nicht von uns. Aber wenn man satt war und genug getrunken hatte, dann konnte man diese gastliche Stätte auch ruhig wieder verlassen.

Und ich wollte eigentlich auch nur noch ins Bett. Morgen stand ein Gespräch mit dem Dorfpfarrer an, der uns übermorgen trauen sollte.

Am Morgen des 21. Juni weckte uns Basti früher, als es wirklich nötig war. Vielleicht spürte er, dass wir heute alle noch einmal ganz brav sein und heilig gucken mussten.

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