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Wer glaubt, man können als gebürtiger Deutscher heute seine eigene Sprache verstehen, kann manchmal sein blaues Wunder erleben. Denn das Neudeutsch, Denglisch oder Jugend-Slang bringt vor allem bei der jungen Generation immer neue Stilblüten hervor. Wir machen jetzt mal einen kleinen Excurs. Verstehen Sie beispielsweise folgenden Satz?
"Moin Ellis! Gehe heute mit meinem Entsafter wacken, um beim Cellulitezentrum etwas durchzusumpfen. Kann ich mal euer Achselmoped benutzen, um mich etwas aufzubitchen?"
Kein Wort verstanden? Kein Problem, ich versuche das mal zu übersetzen.
"Guten Morgen liebe Eltern (Ellis)! Ich gehe heute mit meiner Freundin/ Sexualpartnerin (Entsafter) wacken (Freunde treffen), um beim Schwimmbad (Cellulitezentrum) etwas zu feiern (durchzusumpfen). Kann ich bitte euren Deoroller (Achselmoped) benutzen, um mich etwas herzurichten (aufzubitchen)."
Solch kreative Wortschöpfungen machen heutzutage natürlich auch vor dem Thema Beziehungen nicht halt. Die Zeiten, in denen die Ehe als einzige Institution bei länger währenden Partnerschaften galt, scheint heute nunmal veraltet.
In unserer "Single-Gesellschaft" bilden sich immer neue Beziehungsformen heraus, mit denen man versucht das Zusammenleben neu zu ordnen. Ob sich solche Beziehungsformen bewähren, müssen die Beteiligten - oder sollte ich Betroffenen schreiben? - beurteilen.
Aber nicht nur die Beziehungsformen haben sich stark gewandelt, sondern auch der Sprachgebrauch. Früher nannte man ein unverheiratetes Pärchen schlicht "Dauerverlobte" oder wer noch nicht verlobt war, lebte "in wilder Ehe". Ich spreche aus eigener Erfahrung - mit "wilder Ehe" wurde auch meine Beziehung bezeichnet. Nimmt man die Art und den Ausdruck hinzu, mit der solche Bezeichnungen geäußert werden, lässt sich leicht vermuten, dass es sich dabei um eine "ansteckende Krankheit" und nicht um eine "liebenswürdige Bezeichnung" einer "Beziehungsform" handelt.
Heute gibt es natürlich ganz andere Begriffe, um die Art des Zusammenlebens zu beschreiben. Ich habe im Folgenden ein paar Bezeichnungen gesammelt, damit Sie auf dem Laufenden bleiben. Frei nach dem Motto: „Erweitern Sie Ihren Wortschatz um Denglisch!“
Welche Beziehungsformen gibt es?
1.) Cohabs: kommt von "cohabere" (lat: "zusammen wohnen"). Diese Paare leben zusammen, wollen aber nicht heiraten und lösen somit die vorher genannten Bezeichnungen ab.
2.) Mingles (zusammengesetzt aus "mixed Singles"): Dieser Begriff wurde von mir frei übersetzt als "manchmal Singles". Diese Beziehungsform gilt als unbeschwert und locker, denn beide Partner sind sich im Klaren darüber, dass die Beziehung alles beinhalten darf, nur nicht eine Entscheidung für die Ewigkeit. Dieser Beziehungsform habe ich schon einen eigenen Artikel - "Mingles" oder die Kunst, Solo zu bleiben - gewidmet.
3.) Lats (Abkürzung von "living apart together"): Es bedeutet soviel wie, wir haben uns ganz doll lieb, aber wohnen getrennt. Diese Beziehungsform tritt oftmals als bevorzugte Beziehungsart bei geschiedenen Paaren auf. Klappt auch diese Beziehung nicht, kann man sich unproblematisch wieder trennen. Dann behält einfach jeder seine Wohnung inklusive der darin befindlichen Möbel. Immer häufiger hat man den Eindruck, gerade bei den „lats“, sie lebten zusammen „auf der Suche nach dem zukünftigen EX!"
4.) Shuttles: Hier handelt es sich um Paare, die aus beruflichen Gründen weit auseinander leben und meist nur am Wochenende zwischen den Wohnorten hin und her pendeln. Wie bei der Nutzung eines "Space-Shuttles" werden also um der Liebe willen große Entfernungen zurückgelegt. Hartnäckige Shuttles streben manchmal sogar den traditionellen "Hafen der Ehe" an.
Augenscheinlich für die Kultur des Liebeslebens der heutigen Generationen ist doch, dass sie den Eindruck erwecken, nicht auf Dauer angelegt zu sein. Ich kenne Shuttles, die sich erst nach Jahren der Pendelei in einer Stadt zusammen gefunden haben und dort die Ehe schlossen. Da aber bei ihnen oft der berufliche Werdegang - d.h. das Schmieden einer kometenhaften Karriere im Vordergrund steht - bleiben sie oftmals kinderlos.
Wenn sich dann doch der späte Kinderwunsch einstellt, haben wir auch für sie noch neue Wortschöpfungen parat. So werden aus "spät gebärenden Müttern" dann "Momas" (Mischung aus Mutter und Oma) und die dazu gehörigen Väter nennt man "Popas". Zur Erklärung - Sky Dumont ist ein "Popa".
Wenn man nach dem passenden Alter forscht, werden Frauen schneller "Momas" als Männer "Popas". Bei Frauen liegt die Altersgrenze etwa bei 40 Jahren, während Männer eher ab 55 Jahren zu "Popas" mutieren.
Was mir bei diesen Wortschöpfungen noch fehlt, sind die Eltern, die noch selbst bei ihren Eltern wohnen, weil sie beispielsweise schon als Kinder Eltern wurden. Ich schlage vor, wir verleihen ihnen die niedliche Bezeichnung "Kimas" und "Kipas". Immerhin habe ich selbst schon einen Erstklässler-Elternabend miterlebt, bei dem eine Lehrerin zu einem Schüler sagte: "Wieso hast du denn deine große Schwester mitgebracht, hat deine Mutter denn keine Zeit?"
Ob man solche Ansprachen als Kompliment oder Beleidigung auffassen soll, lasse ich mal dahingestellt. Immerhin haben die Kimas bzw. Kipas den Vorteil, dass sie mit ihren Kids in die Disco zum Abfeiern gehen können. Damit bin ich am Ende meiner Aufzählung. Mal sehen, wie sich die Beziehungsformen künftig weiterentwickeln werden und welche Bezeichnungen sich hierfür etablieren.
Habt Spaß alle miteinander, egal welche Beziehungsform ihr für euch gefunden habt!
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