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Wer schreibt eigentlich das Aussehen von Frauen vor? Mit mittlerweile fast 40 Jahren und als Mutter von zwei Kindern habe ich da so meine eigenen Erfahrungen gemacht. Bei einer Körpergröße von 1,63 hatte ich, von Konfektionsgröße 34 bis hin zur XXL-My-Line und einem Körpergewicht zwischen 51 und 89 kg, die unterschiedlichsten Ausformungen meines Körpers.
Ich war immer schon, auch in der Pubertät - wie man(n) sagt - gut bestückt, konnte das aber wahrhaftig nie so richtig genießen.
Auch kennt mein Körper die Statur sportlich, drahtig, bei 51 kg mit flachem Bauch, Rippen - die unter der verkleinerten Brust hervorlugten - sowie einem Brustbein, das hervor trat - bis hin zu: „ ich habe auch einen Hals, aber irgendwo unter meinem Doppelkinn vergraben.“
Wann ich mich mal so richtig sexy gefühlt habe? Das weiß ich genau. Es war in meiner ersten Schwangerschaft im siebten Monat, mit einem Bauchumfang von ca. 105 cm - ich war ja so schön, es ging mir gut.
Dass andere mich vielleicht nicht schön fanden und unter anderem auch nicht heiratenswert, bedachte ich damals nicht. Das machte sich aber dann in vielen Brautkleidergeschäften, anhand der Reaktionen der Verkäuferinnen, bemerkbar.
„Nein, wir führen keine Umstandsbrautkleider, wir können aber eins entsprechend ändern“, flötete mir die Verkäuferin ins Ohr und fragte noch nach meiner regulären Konfektionsgröße. Das beantwortete ich mit 38/40 und dachte mir währenddessen, "wen interessiert das denn jetzt noch, bei meiner derzeit undefinierbaren Körpergröße?"
Sie kam zurück mit einem Kleid, nötigte mich es anzuziehen und meinte, man könne da, wo es am Rücken nicht zu geht, einen kleinen Keil einsetzten. Nicht, dass ein Keil in Form eines Gelenkdrachens ausgereicht hätte. Damit hat sie mich nicht schon genug gefrustet - nein - eine frustrierte schwangere Frau reicht nicht.
Wenn Frauen gemein sind, dann muss immer noch eine Demütigung folgen. Frei nach dem Motto: „Warum soll ich ihr das auch gönnen, sie sieht gerade so glücklich aus!“, riss sie den Vorhang der Garderobe auf und zeigte ihren Vorschlag meinem entsetzt glotzenden, zukünftigen Ehemann. Diesen Blick vergesse ich nie! Verständnisvoll wie Frauen, wie ich nun mal sind, habe ich ihm dann doch noch mal vorgeschlagen, sich das mit der Hochzeit zu überlegen.
Nein, er war felsenfest davon überzeugt: „Wir finden schon noch was Hübsches für dich!“ Um es abzukürzen, ich fand auch etwas, aber hübsch war es nicht, es war einfach das einzige, was ich fand.
Aber damit nicht genug, ich wollte dann noch ein blaues Strumpfband kaufen. So betrat ich frohen Mutes ein Dessousgeschäft. Die Verkäuferin starrte auf meinen Bauch, nachdem ich meinen Kaufwunsch bekundet hatte und sagte: „ In Ihrer Größe führen wir keine Strumpfbänder!“ Ich war geschockt, drehte mich um, ging zur Tür und hörte mich, wie in Trance noch sagen: „ Tschüß und schönen Tag noch.“
HALLO!!!
Strumpfbänder trägt man nicht um den Bauch! Und außerdem haben sie einen Gummizug. Warum ich der Verkäuferin nicht gleich mit meinem dicken Babybauch ins Gesicht gesprungen bin oder ihr ein: „ Hilfe ich verliere mein Fruchtwasser!“ entgegnete, um währenddessen einfach auf den Teppichboden zu pinkeln, kann ich mir nur mit der Teilung des Gehirns während der Schwangerschaft erklären.
Trotz dieser massiven Anfeindungen gegen meinen Körper, habe ich mich in meiner Haut wohl gefühlt. Wie soll ich das beschreiben? Es war mehr, als ein: „ Ich fühl' mich wohl in meiner Haut“ oder ein „Ich will so bleiben, wie ich bin."
Ich wusste, dass mein Körper, der bis dahin nur Hülle war, einen ganz wichtigen Part in meinem Leben erfüllt. Er war für etwas nützlich - in mir wuchs ein menschliches Leben heran. Meine Brust konnte später dann meine Kinder mit Nahrung, Liebe und Geborgenheit nähren.
Was hat das mit dem, was Männer da manchmal am und mit dem Körper einer Frau veranstalten, zu tun. Gar nichts!
Kein Orgasmus kann einer Frau dieses Gefühl bescheren, das ein Baby, das an der Brust trinkt oder sich tröstet, ihr gibt. Heute, wo ich selber Kinder habe, schaue ich nicht verachtend auf stillende Frauen in der Öffentlichkeit. Ich freue mich für sie. Auch möchte ich ihnen manchmal sagen: „ Herzlich willkommen im Club des neuen, anderen, wertvollen und erfüllenden Lebens.“
Jetzt, nach der zweiten Schwangerschaft wäre es für mich an der Zeit mal wieder Konfektionsgröße 38 anzustreben und dafür auch etwas zu tun. Aber will ich das wirklich oder nur meine Umwelt?
Wieso muss ich das denn eigentlich, wenn nicht für mich und mein Wohlbefinden? Vielleicht hänge ich im wahrsten Sinne des Wortes noch manchmal an meinem schwangeren Bauch. Vielleicht ist da doch noch ein Kinderwunsch, ganz weit vergraben. Da bin ich mal gespannt auf eure Reaktionen ...
Wert 4.7 |
Fun: 4.7 | |||
| Stimmen: 6 | Legende: 5: super - bis 1: erträglich |
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