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Ich frage mich, wie Stefan Archinger zu dem Verdacht kommen kann, dass hier eine „völlige Themenverfehlung“ vorliegt.
Als ich seinem Link folgte, bin ich zur Homepage einer Pharma Holding gekommen, die angibt, über ADHS zu informieren. Und wie man über einen Arzt oder Psychotherapeuten zu den verschreibungspflichtigen Medikamenten kommt. Ich verstehe jetzt seine Enttäuschung mit meinem Artikel, der noch dazu im Titel das Wort „heilbar“ enthält, und diese Information nicht geliefert hat
Doch das hängt mit meiner grundsätzlichen Einstellung zusammen, dass ich den Griff zu Pillen in diesem Zusammenhang höchst problematisch finde und das sollte nur der allerletzte Ausweg für eine kurze Zeit sein, und erst dann, wenn man sich auch ein sicheres Ausstiegsszenario aus der Medikamentenabhängigkeit überlegt hat. Das ist meine feste Überzeugung.
Weitere Aussagen oder Vermutungen von Stefan Archinger muss ich zurückweisen bzw. richtigstellen. Ich beschäftige mich mit dem großen Themenkreis „Legasthenie – Lernschwierigkeiten – Aufmerksamkeitsdefizite“ bereits weit mehr als ein Jahrzehnt. Das erste Skriptum zu diesem Thema (zum schulinternen Gebrauch) habe ich 1995 geschrieben. Ich war vier Funktionsperioden lang (jeweils zwei Jahre) stellvertretender Vorsitzender einer Lehrer-Arbeitsgemeinschaft.
Ich kämpfe in meiner Überzeugungsarbeit gegen zwei Tendenzen. Erstens die Meinung, dass alles ganz von allein und ohne Zutun wieder ins Lot kommt, Kinder und Jugendliche keine Unterstützung brauchen und später ohnehin alles wieder aufholen. Das stimmt natürlich nicht.
Zweitens aber kämpfe ich genauso gegen die Geschäftemacherei im Nachhilfewesen, wo den Kindern und Jugendlichen so viel Zusätzliches aufgedrückt wird, dass sie unter dieser Last zusammenbrechen. Bei einer Nachhilfe ist ein verständnisvoller und einfühlsamer Betreuer, der auch auf die Ursachen schaut, von größter Bedeutung. Ein Nachhilfeunterricht, der sich selbst unentbehrlich macht, ist falsch organisiert. Wenn es richtig läuft, macht sich der Betreuer von Stunde zu Stunde mehr entbehrlich, weil der Betreute mit den Anforderungen allein zurecht kommt.
Ratgeber in Buchform gibt es mehr als genug. Damit kann man Regale füllen. Hier ging es darum, in einem gut besuchten Forum auch Dinge zu erwähnen, die sonst eher selten gesagt werden. Und in einem Stil zu schreiben, mit dem ich hoffentlich auch Betroffene erreichen kann. Und ihre Eltern. Und die, die sich um die Betroffenen im besten Sinne annehmen. Dieser Beitrag versteht sich als Handreichung einiger Gedanken mit der Einladung zur Überprüfung, ob ich beim Betroffenen möglicherweise einen Umstand, ein Hindernis, ein problematisches Denkmuster oder eine fragwürdige Lebensgewohnheit übersehen habe.
Wir dürfen in der Schule nicht nur auf die Lernsituation schauen, sondern es ist besser, wenn wir die Gesamtsituation kennen. Fallbeispiel: Wie soll ein Schüler dem Unterricht aufmerksam folgen, wenn daheim die Eltern einen Rosenkrieg führen?
Abschließend noch: Wir sind immer gefordert, neue Wege anzudenken. Mit der Idee, sich die eigene Situation einmal aus einer Meta-Ebene anzuschauen, habe ich damit auch auf Familienaufstellungen nach Hellinger angespielt, diese Methode eventuell weiter zu entwickeln und solche Situationen aufzustellen, in denen wir mit unserer Aufmerksamkeit unzufrieden waren. Wir könnten uns aus dieser übergeordneten Position anschauen, was da genau abgeht, wenn wir uns nicht konzentrieren können.
Günter Wittek
Autor: Günter Wittek
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