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ADHS: Sind Aufmerksamkeitsdefizite heilbar?


[kein Betreff] Datum: 11.08.2009 11:57

Es wird vom Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom oder ADHS gesprochen. Mehrere Faktoren wirken hier zusammen, wenn folgendes Ergebnis herauskommt: „Ich kann mich nicht konzentrieren. Ich kann einem Gespräch oder einem Vortrag nicht folgen. Ich habe mir nicht gemerkt, was gesagt wurde.“
Eine Eingangsfrage wird lauten: Ist das heute eine Modeerscheinung oder haben wir früher darauf zu wenig geachtet? Was sind die Ursachen dafür, dass sich die Unaufmerksamkeit derart schnell ausbreitet?
Unser Alltagsleben ist gekennzeichnet von Reizüberflutung. Schon beim Frühstück beginnt die Tagesplanung, wir denken häufig in Aufforderungen an uns selbst und Forderungen an andere Leute. Was muss ich tun, was soll ich tun, was wird von mir erwartet, wer könnte mir heute wieder Stress bereiten?
War es früher die Tageszeitung, die wir beim Frühstück durchblätterten, so kommen heute vornehmlich belanglose SMS-Nachrichten. Mit dem Handy ist der Fluch unserer jederzeitigen Verfügbarkeit verbunden, von jedem, der etwas von mir will.

Bis zu diesem Abschnitt bezieht sich der Autor auf ADHS in einer Sichtweise die darauf schliessen lässt, dass ADHS hauptsächlich eine Erkrankung ist, die Erwachsene betrifft bzw. sich im Erwachsenenalter manifestiert.
Zitat: „War es früher die Tageszeitung, die wir beim Frühstück durchblätterten, so kommen heute vornehmlich belanglose SMS-Nachrichten“

Im nächsten Absatz führt der Autor an, dass Kinder schon lernen mehrere Gespräche gleichzeitig zu führen. Die
Nennung von Tageszeitung, Empfang von sms und im nächsten Absatz die Hervorhebung von Kindern die mehrere Gespräche gleichzeitig führen impliziert, dass diese als Hauptgründe für die Entstehung von ADHS hierin begründet liegen.
Fakt ist jedoch, dass ein Großteil der ADHS-Diagnosen im frühen Schulalter gestellt werden. Zeigen Sie mir hier die Kinder die früher Tageszeitung gelesen haben und durch Austausch dieses Mediums gegen ein Mobiltelefon und Empfang von sms ADHS bekommen haben. Lediglich ca. 1% der Erwachsenen sind überhaupt betroffen. (Quelle: http://www.info-adhs.de/adhs-was-ist-das/haeufigkeit.html)

Die Faszination des technischen Spielzeugs hält uns gefangen. Kinder lernen schon, wie Börsenmakler, drei oder mehrere Gespräche gleichzeitig zu führen. Sie gedeihen im Dunst des Elektrosmogs. Das Essen wird beinahe zur Nebensache. Wir essen gedankenlos. Es wird einfach in den Mund hineingestopft, bis wir das Gefühl haben satt zu sein.
Wir essen nicht mehr die Produkte aus der Natur, sondern aus dem Supermarktregal. Wir essen viel zu süß, viel zu fett, mit vielen künstlichen Geschmacksverstärkern, über deren Wirkung wir kaum jemals nachgedacht haben. Dass manche süße Getränke geradezu süchtig machen, uns dazu verleiten wollen, immer mehr davon zu trinken, gleichzeitig auch unsere Leistungskurve verändern, bedenken wir im Allgemeinen kaum.
Aufmerksamkeitsstörungen haben oft gänzlich unterschiedliche Wirkungen. Da ist auf der einen Seite der Tagträumer, der zwar körperlich bei einem Gespräch und bei einem Termin anwesend ist. Aber in seinen Gedanken schweift er weit ab und ist überall anders, als im Hier und Jetzt, anzutreffen.

Hier wurde der ADS-Patient beschrieben – nicht der ADHS-Patient Die Überschrift lässt aber vermuten, dass ADHS in verschiedenen Formen vorliegt. Hier wäre es nötig gewesen, die verschiedenen Formen aufzuzählen und die Unterscheidung hervorzuheben. Die Aufzählung einzelner undefinierter Symptome die keiner bestimmten Form zugewiesen werden sorgen hier für Verwirrung und lassen vermuten, dass der Autor sich mit dem Thema in keinster Weise auseinandergesetzt hat.

Auf der anderen Seite gibt es den umtriebigen, nicht auf einem Sessel zu haltenden Zappelphilipp, der sich selbst und die gesamte Umgebung mit seinen spontanen Einfällen beschäftigen will, aber in Wahrheit keine Ahnung hat, warum er gerade jetzt etwas sagt oder will.

Hier wird der ADHS-Patient beschrieben. Es wird vom Autor behauptet, dass der ADHS-Patient - Zitat:“sich selbst und die gesamte Umgebung mit seinen spontanen Einfällen beschäftigen will“ – will der ADHS-Patient das wirklich? Hat der Autor an entsprechenden Studien teilgenommen und konnte in die Köpfe eines ADHS-Patienten hineinschauen? Wenn nicht „Quellenangaben“?

Das mag auch damit in Zusammenhang stehen, dass wir stets nach Unterhaltung suchen. Der Wert einer Sendung im Fernsehen wird nach ihrem Unterhaltungswert bestimmt. Alles, was wie eine lange Abhandlung aussieht, wird verdächtigt, langweilig zu sein. Nur in der Kürze liegt die Würze.
In welcher Weise gibt es hier einen Zusammenhang mit ADS oder ADHS – ist er belegt, woher stammt dieses Wissen oder worauf begründet der Autor seine Aussage? Ein unwissender Leser, der verzweifelt nach Rat sucht um herauszufinden was sein Kind hat kann hier leicht annehmen, dass es sich um Aussagen eines Fachmanns handelt. Es handelt sich hier lediglich um haltlose Behauptungen, durch die der Autor aber den Eindruck erweckt als handele es sich um einen kausalen Zusammenhang mit der Entstehung von ADS/ADHS.

Der Witz, den man sich merken kann, kommt an. Wer etwas rasch auf den Punkt bringen kann, wird geachtet. Aber wer etwas kompliziertes erklären will, soll es doch lieber bleiben lassen. So denken zumindest alle, die mit der Aufmerksamkeit ihre liebe Not haben.
Wurden hier alle befragt die „mit der Aufmerksamkeit ihre liebe Not haben“? Quellenangabe?

Wer aber damit seine Not hat, sagt nicht automatisch, dass diese Störung beseitigt werden muss, sondern oft ist die Einstellung anzutreffen: „Ich bin eben so. Meine Umgebung muss sich damit abfinden.“
Für diese Haltung gibt es Auslöser und Verstärker. Sie ist oft in der persönlichen Lebens- und Leidensgeschichte begründet. Im deutschsprachigen Raum liegt eine häufige Ursache im mehrgliedrigen Schulsystem und in der damit verknüpften Annahme, dass sich nur Absolventen, mit dem in Noten dokumentierten besten Schulabschluss, später im Beruf durchsetzen und bewähren werden.
Auch Schulen, die einen ausgezeichneten Ruf haben, werden von Schülern und Schülerinnen besucht, die mit dem sinnerfassenden Lesen nicht zurechtkommen. Die PISA Ergebnisse dokumentieren das eindrucksvoll. In vielen dieser persönlichen Geschichten wird das Problem zunächst einmal zu spät erkannt und dann wird darauf nahezu automatisch falsch reagiert.
Eine Aussage, die hoffentlich auf einer Quellenangabe basiert oder auf eigenen Studien? Im Umkehrschluß liegen also die PISA Ergebnisse daran, dass alle Schüler die im PISA-Test für „schlechte Ergebnisse“ verantwortlich zeichnen an einer Aufmerksamkeitsstörung leiden? Oder weshalb werden hier die PISA-Ergebnisse aufgeführt? Lediglich 3-4% der Grundschüler leiden an ADHS/ADS und lediglich 2% der Jugendlichen sind betroffen. Sind also diese 2% für die PISA-Ergebnisse im „sinnerfassenden“ Lesen verantwortlich? (Quelle: http://www.info-adhs.de/adhs-was-ist-das/haeufigkeit.html)

Dabei sind unpädagogische Vorwürfe der Eltern an die Adresse der Jugendlichen nur der Anfang und noch der kleinste Teil des einsetzenden Übels. Weil die betroffenen Jugendlichen die Erwartungen nicht alleine erfüllen können, wird ihnen allerlei Hilfe aufgezwungen. Statt die Chance zu bekommen, mit der Zeit immer selbständiger zu werden, wird die Kontrolle immer weiter verschärft.
Auf welcher Quelle oder eigenen Studie basiert die Aussage, dass unpädagogische Vorwürfe an die Adresse der Jugendlichen begründend sind. Außerdem: wenn sie der kleinste Teil des „Übels“ sind, warum werden sie dann als erstes aufgeführt? Der Autor trifft hier Pauschalaussagen die nicht begründet sind und auch nicht ausgeführt werden. Wenn der Autor auch nur ansatzweise über die Vorgänge in der Physiologie eines pubertierenden Jugendlichen wüsste, würde er diese Aussage nicht treffen (Bezug: Synaptische Neuordnung im pubertierenden Gehirn, Verlagerung der Entscheidungsfindung in das limbische System)

In der Zeit der Pubertät führt das zu lähmenden Kraftanstrengungen auf beiden Seiten. Wenn die eigene Kontrolle versagt, dann wird oft ein Kontrollorgan (Hauslehrer) engagiert und daran werden wiederum Erwartungen geknüpft, die meist gar nicht erfüllbar sind. Das bewirkt weitere Stufen der Eskalation.
Hier ist nun plötzlich von einer „Eskalation“ die Rede. In wie vielen Fällen wird ein „Kontrollorgan“ oder ein „Hauslehrer“ hinzgezogen um diese Aussage zu rechtfertigen (Quelle?)

Einerseits sollen Jugendliche gleichaltrige Freunde haben, aber weil der Erfolg ausbleibt, (Der Erfolg wobei?) werden die Kontakte strafweise auf ein Minimum reduziert. Statt dem natürlichen Bedürfnis nach Bewegung und Sport freien Lauf zu lassen, werden die dafür reservierten Zeiten eingeschränkt. Umgekehrt wird nicht selten auch das Verhalten der Jugendlichen auffallender, die Lust an der Provokation entsteht aus der Verzweiflung.
Wieder: woher nimmt der Autor diese Aussagen? Quelle? Die getroffene Aussage lässt vermuten, dass Mangel an Sport oder körperlicher Betätigung ursächlich im Zusammenhang mit ADHS/ADS steht. (Studie?)

Jeder Mensch will natürlich Lob und Anerkennung. Aber wenn sich unter unzähligen Mühen herausstellt, dass dieses Ziel ohnehin nicht zu erreichen ist, dann ist es mit dem Selbstwertgefühl leichter in Einklang zu bringen, ein Ziel aufgrund der eigenwilligen Art nicht zu erreichen, als den Stempel des Versagers aufgedrückt zu bekommen.
Denn da bleibt immer noch die Ausrede: Ich könnte ja, wenn ich es nur will. So belastend die Situation für die Beteiligten auch sein mag, Schuldzuweisungen in Form eines Schwarzen-Peter-Spiels, bringen keine Verbesserung.
Wer macht Schuldzuweisungen und wie stehen die im Zusammenhang mit ADS/ADHS?

Wie passt denn das zusammen? Auf der einen Seite: "meine Umgebung muss mich so nehmen wie ich bin", auf der anderen Seite die Angst vor dem Versagen, eine dauerhaft getrübte Stimmung, keine Freude am Leben, kein Antrieb um etwas zu tun - anscheinend keine Perspektive für die Zukunft zu haben.
Eben – wie passt denn dies zusammen? Spätestens hier muß der Autor den Widerspruch in seinen eigenen Aussagen erkennen.

In dieser Situation schlüpfen wir in Rollen, die mit unserem eigentlichen Sein gar nicht viel zu tun haben.

Mit diesem Hinweis auf das schlüpfen in Rollen und wechseln der Persönlichkeit weist der Autor auf „Schizoide-Tendenzen“ hin. Seit wann neigen ADS/ADHS-Patienten zu Schizophrenen Tendenzen oder Episoden? Da ich jedoch glaube, dass der Autor kein Fachmann zu diesem Thema ist, will ich ihm nicht einmal unterstellen, dass er weiß was es bedeutet wenn Personen in “Rollen schlüpfen die mit dem eigentlichen Sein gar nicht viel zu tun haben“. Eben deshalb sind die Aussagen des Autors nicht nur frei erfunden, sondern auch gefährlich.

Wie in einem Experiment sehen wir, was geschieht. Wer sich selbst wenig oder überhaupt keine Aufmerksamkeit mehr schenkt, kommt damit vielleicht in eine Meta-Ebene, in der man die Beliebigkeit der Rolle erkennt und damit die Chance hat, auch weitere Muster zu erproben.
Was versteht der Autor unter einer „Meta-Ebene“
Die bis hierher kommentierten Textpassagen reichen völlig um aufzuzeigen, dass der Autor lediglich haltlose Aussagen als definitives Wissen darstellt.
Sollte der Autor dieses „Schriftstück“ als These aufgestellt haben, wäre ich gerade noch (mit massiven Bauchschmerzen) bereit es zu akzeptieren wenn überall „Ich bin der Meinung, dass….“ stehen würde, und so zum Ausdruck kommt, dass es sich um seine MEINUNG handelt und er eine THESE aufstellt.
Dies muß deutlich werden, denn ein betroffener Elternteil kann leicht zu dem Schluß kommen, dass es sich bei den Aussagen des Autors um definitive handelt.
MEINE Bewertung zu diesem Text ist: Themaverfehlung – in der Schule würde es dafür eine sechs geben. (Pisa lässt grüßen)
PHILOGNOSIE hat eine gewisse moralische Verantwortung (wenn auch keine rechtliche) wenn solchen Autoren zu solchen Themen eine Plattform gegeben wird. Hier wird dazu beigetragen, dass Müll verbreitet wird.

Hochachtungsvoll

Autor: Stefan Archinger

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