Umgang mit Streß und Prüfungsangst - Kurs "Lernen lernen" Teil 3

06.04.2006
47876 Views
Bewertung 4.5
Petra Sütterlin
www.philognosie.net

Angst und Leistungsfähigkeit

"Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Phantasie." (Erich Kästner)

Angst ist ein Gefühl, wie jedes andere auch - wie Liebe, Freude, Trauer, Wut...

Angstgefühle kennen wir als Aufgeregtheit, Besorgnis oder Beengung. Angst kann sich steigern von Schreck und Entsetzen bis hin zur Panik. Wir fühlen Ungewißheit und erleben eine innere Spannung, die uns zunehmend handlungsunfähig machen kann. Angst kann uns erstarren lassen oder zu extremer Beschleunigung körperlicher oder gedanklicher Abläufe führen.

Ängste können auf bestimmte Objekte gerichtet sein, zwanghaft auftreten (Platzangst, Höhenangst, Hundeangst, Menschenangst) und einen existentiellen Charakter bekommen. Spielarten der Angst sind Scham, Scheu, Verlegenheit, Zurückhaltung und Vorsicht.

Angst als angemessene Reaktion auf tatsächliche oder vorgestellte Bedrohung ist ein notwendiger Bestandteil des Lebens. Ohne die Fähigkeit zur Angstreaktion in Gefahrensituationen wäre der Mensch schutzlos dem Tode geweiht.

Angstreaktionen werden nicht nur biologisch hervorgerufen, sie sind auch sozial vermittelt und kulturell geformt. "Ein Mann darf keine Angst zeigen", "Frauen dürfen ängstlich sein" sind typische Glaubenssätze unserer Kultur.

"Die Angst ist eine Kraft" - sie treibt uns an zur Bewältigung von realen Bedrohungen und dient der Reifung der Persönlichkeit. Angst führt in diesem Sinne zu einem Fortschritt, während Angstvermeidung und Angstverleugnung das Unheil aufrecht erhält. Wer denkt "Es wird schon nichts passieren..." nimmt mögliche Bedrohungen nicht ernst und kann sie nicht verhindern. "Positives Denken" ohne konkretes Handeln ist bei realen Gefahren nicht hilfreich, sondern lebensgefährlich.

Der Zusammenhang zwischen Angst und Leistung entspricht einer Kurve: zu wenig Angst macht uns sorglos und träge. Zuviel Angst macht uns ungeschickt, hemmt oder lähmt uns, während uns ein mittleres Angstmaß zu Höchstleistungen motiviert.

Zu wenig Angst

... bewirkt, daß:

  • ... Sie gleichgültig werden.
  • ... Sie schläfrig werden.
  • ... Sie nur gering motiviert sind.

Zu viel Angst

"Plötzlich ist alles weg" - das berühmte "Brett vor dem Kopf" - wer kennt das nicht. Trotz bester Vorbereitung auf eine wichtige Prüfung ist in der Situation, auf die es ankommt, alles Wissen weg, die Gedanken sind wirr.

Wenn Angst ein Ausmaß annimmt, daß das geordnete Denken und Handeln zusammenbricht, spricht man von Panik.

bewirkt, daß...

  • das Körperprogramm "Flucht oder Kampf" aktiviert wird.
  • das Nachdenken blockiert wird.
  • Sie Gelerntes nicht erinnern.
  • Sie den "roten Faden" verlieren.
  • Sie sich nicht mehr richtig konzentrieren können.

Die richtige Portion Angst

Nützlich ist jene Angst, die uns aufmerksam und wach macht und uns anspornt "unser Bestes zu geben". Blockierend ist jene Angst, die unsere Handlungsmöglichkeiten und unser Können einschränkt.

Angst muß nicht immer ein unangenehmes oder unerwünschtes Gefühl sein, sie kann auch Ausdruck einer lustvollen Anspannung sein, wie bei einem Spiel, einem Horrorfilm oder einer gefährlichen Sportart (z.B. Bungeejumping, Freeclimbing). Dazu gehört auch die prickelnde Anspannung, die entsteht, wenn man nur beobachtend - life oder via Fernsehen - teilnimmt (Formel-I-Rennen, Stierkampf, Boxen usw.).

Angst ist ein Teil des natürlichen Lebensrhythmuses von Anspannung und Lockerung. Folgt auf eine bewußt gesuchte Spannung eine Lösung, wird dies als angenehm erlebt. Spannende Romane, Filme oder Spiele beruhen auf diesem Prinzip. Viele Menschen fürchten sich gerne, wenn sie wissen, daß die Sache letztlich gut ausgeht. Auf der Suche nach Nervenkitzel, Erregung und starken Reizen entwickeln manche Menschen eine ausgesprochene Angstlust, eine Lust am Risiko und der Gefahr.

Ein Mittelmaß an Angst

bewirkt, daß...

  • Sie kreativ denken können.
  • Sie schnell auf Gelerntes zurückgreifen können.
  • Sie die nötige Energie für eine Aktivität haben.
  • Sie sich konzentrieren können.



<< vorherige Lektion nächste Lektion >>
Zum Speichern Ihrer Kursbearbeitung melden Sie sich bitte als Benutzer an: einloggen
Publikationen und Empfehlungen
von Petra Sütterlin

Empfehlungen zu diesem Thema

Gesamtstatistik der Bewertungen

5 Sterne
Wert 4.5
Thema: 4.5 Information: 4.5 Verständlichkeit: 4.5
Stimmen: 2 Legende:
5: super - bis 1: erträglich
Views: 47876

Beiträge

Keine Beiträge vorhanden.