Grundlagen für erfolgreiches Lernverhalten - Kurs "Lernen lernen" Teil 1

24.03.2006
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Bewertung 4.5
Petra Sütterlin
www.philognosie.net

Fallbeispiel 3 - Prüfungsangst

Prüfungsangst?

LernstressLucy ist als fleißige und strebsame Schülerin in der Berufsschule bekannt. Auf Prüfungen bereitet sie sich gewissenhaft und mit sehr viel Hingabe vor. Solange sie an ihrer Arbeitsstelle ohne Streß arbeiten kann, hat sie alle wichtigen Informationen im Kopf und kann sogar andere Lehrlingen in Fachfragen beraten.

Ihr einziges Handicap sind Prüfungen - besonders mündliche Prüfungen - in der Berufsschule. Meist fängt es einige Tage vor dem Prüfungstermin schon an, daß sie unruhig schläft und davon träumt, daß in der Prüfung irgend etwas schief geht. Sie vergißt etwas, hat etwas Falsches gelernt, bekommt Aufgaben, die sie nicht versteht oder ähnliches.

Obwohl sie sich inhaltlich hervorragend vorbereitet hat, bekommt sie am Prüfungstag Herzklopfen, ihre Hände werden feucht und in ihrem Magen tummelt sich ein ganzes Bienennest. Eine wichtige Prüfung mußte sie schon einmal abbrechen, da sie einen "Black-out" (Gedächtnisblockade) hatte. Alles Gelernte war wie weggeblasen - es blieb nur mehr ein schwarzes Loch. Wie gut, daß ihr damaliger Lehrer ihre Situation kannte und entsprechend auf sie eingehen konnte. Seit dieser Situation ist sie das Lampenfieber vor Prüfungen nie wieder ganz losgeworden.

Aufgabe

Können Sie Lucys Problem verstehen? Was mag in ihr vorgehen, daß sie immer wieder Angst vor dem eigenen Versagen hat? Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Lehrer und Lucy ist eine ihrer Schülerinnen. Versuchen Sie aus dieser Perspektive die folgenden Fragen zu beantworten.

  • Wie würden Sie als Lehrer mit einer Schülerin wie Lucy umgehen? Was würden Sie fragen - was würden Sie ihr raten?
  • Kennen Sie Methoden, die Lucy helfen könnten mit ihren Ängsten besser umzugehen? Wenn ja, versuchen Sie Ihre Erkenntnisse Lucy näherzubringen.
  • Kennen Sie eine ähnliche Situation bei sich selbst? Wie gehen Sie mit Prüfungsängsten um?

Eingabefeld:


Vergleichen Sie Ihre Antworten mit meiner Analyse erst dann, wenn Sie sich im Eingabefeld selbst Notizen gemacht haben!

Lucys Situation

Lucys Situation ist kein Einzelfall. Befürchtungen und Ängste vor Vorträgen, wichtigen Gesprächen und Prüfungen sind weit verbreitet. Meist gehen sie mit einer Erinnerung an ein früheres "Versagen" einher. Auch glauben manche Menschen, daß "Erfolgsmenschen" immer selbstbewußt sind und "über den Dingen (Emotionen) stehend" agieren. Schwächen gestehen wir uns nur ungern ein - Ängste haben nur Verlierer.

Doch kein Mensch ist jemals vollständig frei von Ängsten. Befürchtungen und Ängste gehören mit zu unserem Dasein. Die Angst ist eins der fünf Grundgefühle des Menschen. Es hat keinen Sinn ein Grundgefühl loswerden oder "abtöten" zu wollen. Jeder Mensch hat irgendwann einmal Angst - und das ist gut so! Es kann also nicht darum gehen unsere Ängste und Befürchtungen zu verstecken oder zu ignorieren, sondern vielmehr darum, persönliche Umgangsweisen mit diesem Gefühl zu erlernen.

Auch selbstbewußte Menschen haben Angst - nur - sie haben gelernt mit ihrem "Angst-haben" umzugehen. Sie haben Verhaltensweisen entwickelt, die es ihnen ermöglichen, handlungsfähig zu bleiben, auch wenn sie Angst haben. Es ist kein Naturgesetz, daß man im Angesicht der Angst erstarren muß. Es ist unsere Entscheidung, die wir jedesmal von neuem zu treffen haben - und - jedes Mal haben wir die Chance uns anders zu entscheiden bzw. anders zu verhalten. Erst wenn wir erkennen, daß der Umgang mit "problematischen Situationen" unserer persönlichen Entscheidung unterliegt, haben wir eine echte Wahl, uns beim nächsten Mal anders zu verhalten.

Wir können uns entscheiden, wieviel gedankliche Ressourcen wir unseren negativen Gedanken widmen. Bedenken Sie aber - je mehr sie ihre geistigen Ressourcen für "das sich Sorgen machen" verwenden, desto weniger Ressourcen haben Sie für die Bewältigung der gestellten Aufgaben. Was hindert uns daran uns positive Assoziationen zu Prüfungssituationen zu machen? Unser Ängste können zu selbsterfüllenden Prophezeiungen werden. Dasselbe gilt auch für unsere positiven Gedanken an Erfolg und Freude. Ein gesundes Maß an Angst kann uns sogar dabei helfen aufmerksamer und konzentrierter bei der Sache zu sein und damit zu unserem Erfolg beitragen.

Tips

Lucy kann ihre Angst auf ein sinnvolles Maß reduzieren, wenn sie lernt - sich möglichst lange Zeit vor der Prüfung - mit ihr auseinanderzusetzen, sich zu entspannen und locker zu werden. Sie muß ihre Angst nicht vollständig abbauen. Sie muß nur lernen, wie sie in Streßsituationen mit der aufkommenden Unsicherheit umgehen kann. In abgeschwächter Form kann sie diese dazu nutzen, sich zu motivieren und die nötige Energie für eine Aktivität aufzubringen. Ein erster Schritt könnte für sie darin bestehen, daß sie sich positive Gefühle und Gedanken zu Prüfungen macht. Prüfungen können auch freudige Erfolgserlebnisse für uns werden, wenn wir sie dazu machen. Je mehr wir erkennen, daß wir unsere Gefühle verändern und gestalten können, desto eher können wir uns von negativen Erwartungshaltungen lösen.

(Anmerkung des Autors: Wenn Sie am Ende der Lektion auf den Button "Speichern + Fertig bearbeitet" klicken, werden Ihre Eingaben im Eingabefeld unter Ihrem Usernamen gespeichert. So können Sie auch später auf Ihre Notizen zugreifen!)




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