Praxis: Gehirngerecht lernen und lehren - Teil 2

01.05.2007
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Peter Schipek - Gerhild Löchli
www.lernwelt.at

Lernen im Erwachsenenalter

Früher glaubte man, dass Erwachsene mit zunehmendem Alter immer weniger fähig sind, Neues zu lernen. Heute zeigt die Hirnforschung, dass die Fähigkeit, Neues zu lernen bis ins hohe Alter erhalten bleibt. Allerdings lernen ältere Menschen anders als Kinder.

Erwachsene lernenErwachsene lernen in der Regel nicht schlechter, sondern anders. Ältere Menschen haben bereits ein umfangreiches Wissen erworben und lernen Neues dann besonders gut, wenn sie an Bekanntem anknüpfen können.

Etwas Neues lernen, bedeutet für Ältere aber auch oft umlernen. Das ist oft schwieriger, als etwas neu zu lernen.

Erwachsene lernen nicht schlechter, aber anders. Was bedeutet nun „anders"?

  • Ältere lernen bei sinnlosem, bzw. ihnen sinnlos erscheinendem Lehrmaterial schlechter. Bei sinnvollem Material - bei Einsicht in die Zusammenhänge - sind ihre Leistungen mit denen Jüngerer durchaus vergleichbar.
  • Ältere brauchen teilweise mehr Zeit beim Lösen einer Aufgabe, aber sie lösen Aufgaben nicht schlechter.
  • Meist verfügen sie über weniger Lerntechniken als Jüngere.
  • Wenn das Lernmaterial übersichtlich und gut strukturiert ist, lernen sie besser.
  • Besonders wichtig ist, dass sich Erwachsene selbst etwas aktiv erarbeiten und nicht einfach etwas vorgesetzt bekommen.
  • Schlechtere „Lernleistungen" sind oft weniger ein Zeichen nachlassender Lernfähigkeit, sondern ein Zeichen von Unsicherheit, von mangelndem Zutrauen zu sich selbst.

Welche Fähigkeiten werden vom Alter beeinflusst?

Fähigkeiten, die sich im Erwachsenenalter verringern sind z.B. Wahrnehmungsgeschwindigkeit, Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung und Sinnesleistungen (Sehen, Hören). Andere Fähigkeiten werden vom Alter kaum beeinflusst z.B. Wissensumfang, Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit, Lernfähigkeit und geistige Beweglichkeit. Es gibt natürlich auch Fähigkeiten, die mit dem Alter wachsen. Das sind: Erfassen von Sinnzusammenhängen, Selbständigkeit, Urteilsfähigkeit, Fähigkeit mit Menschen umzugehen und Kontakt- und Konfliktlösungsfähigkeit.

Was bedeutet das für das Lernen im Erwachsenenalter?

  • Lernen Sie nicht nur Fakten - bereiten Sie Lernmaterial sinnvoll auf - lernen Sie in Zusammenhängen.
  • Nehmen Sie sich Zeit - finden Sie Ihr eigenes Lerntempo.
  • Nutzen Sie Lerntechniken - entwickeln Sie Ihre eigenen Lernstrategien. Eine erfolgreiche Lerntechnik hilft Ihnen, den Lernstoff vollständig und nachhaltig zu verstehen und ihn im Langzeitgedächtnis zu behalten.
  • Strukturieren Sie Ihr Lernmaterial.
  • Arbeiten Sie selbst an den Themen, eignen Sie sich selbst aktiv Wissen an. Lernen Sie dabei das eigene Lernen zu lernen.

Was ist die Konsequenz daraus? Jeder ist für sein Gehirn selbst verantwortlich. Jeder ist das, was er aus seinem Gehirn macht.

Damit sind wir mit unserem Kurs zum Ende gekommen. Wir hoffen, dass wir Ihnen neue Anregungen gegeben haben, wie Sie die Vermittlung von Wissen - oder auch das eigene Lernen - optimieren können.

Viel Erfolg!




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