Praxis: Gehirngerecht lernen und lehren - Teil 2

01.05.2007
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Peter Schipek - Gerhild Löchli
www.lernwelt.at

Entwicklungsphasen bei Buben und Mädchen

Wie verlaufen die Entwicklungsphasen bei Mädchen und Buben?

Manche Entwicklungen verlaufen bei Buben und Mädchen parallel (z.B. Stehen und Gehen lernen, die Entwicklung der Sprache), manche aber sehr unterschiedlich. Vera F. Birkenbihl unterscheidet folgende Entwicklungsphasen:

1. Fertigkeiten

Mädchen sind im Schnitt ca. 2 Jahre reifer in Bezug auf Fertigkeiten und Handlungs-Kompetenzen - nicht aber in Bezug auf Wissen - als ihre gleichaltrigen männlichen Schulkollegen. Deswegen sind sie nicht unintelligenter – sie lernen einfach „langsamer“ – man muss ihnen Zeit geben. Jedes Kind entwickelt seine Phasen individuell unterschiedlich. Gehen Sie davon aus, dass gleichaltrige Kinder einen unterschiedlichen Wissensstand, Techniken oder Fertigkeiten haben können.

2. Bewegung

fußballWarum bewegen sich Buben mehr als Mädchen? Der vermutete Grund für den vermehrten Bewegungsdrang von Buben ist:

  • Buben entwickeln fast die doppelte Muskelmasse (40% der Körpermasse) als Mädchen (24 %).
  • Notwendige Nervenbahnen für die Koordination der Muskelbewegung müssen dafür angelegt werden.
  • Buben brauchen viele Jahre, um ihren ganzen Muskelapparat aufzubauen. Nicht benutzte Muskeln schrumpfen (atrophieren)

Der Unterschied zu den Mädchen:

  • Mädchen werden neurologisch reifer geboren. Sie haben vorgeburtlich mehr Nervenbahnen für die Muskelarbeit angelegt.
  • Das „Muskeltraining“ bei Mädchen beginnt erst im Zeitabschnitt nach der Pubertät.
  • Das bedeutet aber auch, dass Mädchen mit mehr Muskelmasse auch mehr Bewegung brauchen („burschikose Mädchen“), als „mädchenhafte“ Mädchen.

Es ist für eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung sehr wichtig, dass die Kinder den nötigen Bewegungsdrang ausleben dürfen. Den Kindern fehlt nicht nur oft in den Schulen die Möglichkeit, sich zu bewegen. Ihre Freizeit verbringen sie vor Fernseher, Computer, Spielkonsolen. Besser ist es, in der Natur „Räuber und Gendarm“ zu spielen, als mit dem Zeigefinger auf der Computermaus einem „Räuber“ nachzujagen.

3. Grob und Feinmotorik

Hier gibt es eine „Überkreuzentwicklung“ zwischen Buben und Mädchen. Während Mädchen zuerst, d.h. vor der Pubertät, die Feinmotorik ausbilden, so entwickeln die Buben die Grobmotorik. Nach der Pubertät ist es umgekehrt: Die Mädchen sind grobmotorisch und die Buben feinmotorisch zugange.

Mädchen4. Sprache und Handlung

Mädchen entwickeln zuerst die Phasen des Denken/Sprechens, danach die des Handelns. Prinzipiell wollen sie zuerst genaue Anleitungen und beginnen dann zu handeln. Sie lieben es, gemeinsam laut zu denken. Die Buben bevorzugen vor der Pubertät das Handeln. (z.B. Computer - zuerst wird ausprobiert). Buben haben den Experimentierdrang. Buben wollen sich gleich aktiv einbringen dürfen. Buben/Männer wollen immer und jederzeit ein forschendes Ent - deck- en, Mädchen sind aber genauso daran interessiert, wenn sie davor eine „Gebrauchsanweisung“ erhalten.

5. Befolgen von Regeln

Mädchen haben die Bereitschaft zuerst Anweisungen zu erhalten, bis sie wissen, was genau zu tun ist. Sie brauchen Anweisungen, kreativ etwas Neues auszuprobieren. Buben befolgen Anweisungen seltener, da sie ja von Anfang an herumprobieren wollen. Dadurch können Eltern und LehrerInnen vielleicht verstehen, dass ein unbedingtes Einhalten der Regel die Kreativität beeinträchtigen kann.

6. Selbstwertgefühl

Buben werden weit häufiger für ihre Leistung gelobt. Mädchen werden eher für ihr „Brav sein“ gelobt. Bei ihnen werden die Wesenszüge (Betragen, Fleiß, Hilfsbereitschaft, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit) hervorgehoben. Getadelt werden sie eher für mangelnde Leistung. Bei Buben ist dies umgekehrt. Begeht zum Beispiel ein Mädchen einen Lesefehler, so wird sofort (bis zu fünfmal schneller) eingegriffen („helfend“ korrigierend). Bei einem Buben geben Eltern/Lehrer bis zu 5 Mal mehr Zeit zu überlegen.

Welche Unterschiede kennen Sie? Wie verlaufen die Entwicklungsphasen bei Buben und Mädchen?




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