Theorie: Gehirngerecht lernen und lehren - Teil 1

24.04.2007
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Bewertung 4.6
Peter Schipek - Gerhild Löchli
www.lernwelt.at

Lernen im Schlaf

Die entzauberte Nacht oder Lernen im Schlaf

Wer sein Englisch-Buch unter das Kopfpolster legt, hat zwar hart geschlafen, aber nicht mehr gelernt. Doch neu Gelerntes überschlafen, kann durchaus sinnvoll sein. Denn wir brauchen den Schlaf, um Erlerntes dauerhaft im Gedächtnis zu speichern.

Lernen im SchlafDie Frage, wie das Gehirn Erinnerungen speichert, ist nach wie vor nur in Ansätzen geklärt. Viele Hirnforscher halten die Konsolidierungstheorie für den bislang besten Erklärungsansatz. Diese Theorie besagt, dass frische Eindrücke zuerst im Hippocampus als Kurzzeitgedächtnis abgelegt werden. Der Hippocampus ist dabei unentbehrlich. Im Hippocampus werden sämtliche am Tag gesammelten Eindrücke, Erlebnisse, Informationen - z.B. Lerninhalte - erst einmal „zwischengespeichert".

Da der Hippocampus aber nur eine begrenzte Kapazität besitzt, müssen diese Informationen in die Großhirnrinde (den Sitz des Langzeitgedächtnisses) überspielt werden. Dort werden sie mit bereits vorhandenen Inhalten verknüpft und dauerhaft „gespeichert". Dieser Prozess der Gedächtniskonsolidierung findet vor allem im Schlaf statt.

Schlaf ist aber nicht gleich Schlaf

Schlaf ist kein gleichförmiger Vorgang. Wir durchlaufen abwechselnd unterschiedliche Phasen. Wichtig sind die Tiefschlafphase und die Traumphase (REM-Phase). Man geht heute davon aus, dass im Tiefschlaf die „Verschiebearbeit" vom Hippocampus in die Großhirnrinde erfolgt. Das Ordnen, Sortieren und Strukturieren erfolgt dann in der REM-Phase. Auch Tageserlebnisse werden jetzt bewertet und unbewusst unseren Erfahrungen zugeordnet.

In der REM-Phase werden nicht nur neu aufgenommene Eindrücke verarbeitet, sondern auch jene, die schon länger zurückliegen. Wenn neue Inhalte hinzukommen, werden bestehende Strukturen im Gehirn verändert oder umorganisiert.

Was bedeutet das nun für das Lernen?

Wenn wir uns z.B. für eine Prüfung vorbereiten, ist es nicht ratsam die ganze Nacht vorher noch angestrengt zu lernen. Warum? Weil das unser Gehirn daran hindert, das Gelernte in der Nacht zu konsolidieren. Auch wer am Abend - nach dem Lernen - z.B. Computerspiele spielt, die ihn in den Bann ziehen, bei dem könnte viel von dem verdrängt werden, was er zuvor gelernt hat. Denn wir lernen erwiesenermaßen im Schlaf, möglicherweise aber das Falsche, wenn wir die aufregenden Computerspiele vor dem Einschlafen nicht vermeiden.

Das Wesentliche auf einen Blick:

  • Im Hippocampus werden sämtliche am Tag gesammelten Eindrücke, Erlebnisse, Informationen - z.B. Lerninhalte - „zwischengespeichert".
  • Da der Hippocampus nur eine begrenzte Kapazität besitzt, werden diese Informationen in die Großhirnrinde überspielt.
  • Dieser Prozess der Gedächtniskonsolidierung findet vor allem im Schlaf statt.
  • Im Tiefschlaf findet die „Verschiebearbeit" vom Hippocampus in die Großhirnrinde statt.
  • Das Ordnen, Sortieren und Strukturieren erfolgt in der REM-Phase.

Übung zum Erinnern des Inhalts

Versuchen Sie folgende Fragen aus dem Gedächtnis zu beantworten und schreiben Sie die Antworten auf einen Zettel:

  • Was versteht man unter „kortikalen Karten“?
  • Welche Bedeutung hat der Schlaf beim Lernen?

Vergleichen Sie Ihre Antworten mit dem Inhalt von dieser bzw. der letzten Lektion. Dann bekommen Sie ein Feedback, inwieweit Sie den Inhalt schon memorieren.




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