Theorie: Gehirngerecht lernen und lehren - Teil 1

24.04.2007
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Peter Schipek - Gerhild Löchli
www.lernwelt.at

Mythen vom Gehirn

Wir nutzen nur zehn Prozent unseres Gehirns

Oft entdeckt man solche Aussagen in Prospekten für Gehirn-Trainings-Programme. Sicher durchschauen Sie, wie nützlich diese Behauptung für Anbieter solcher Seminare ist. Denn wer wäre nicht daran interessiert, die "restlichen" 90 % seines Gehirns zu nutzen?

Mythos GehirnDer Mythos von zwei Gehirnen

Die Vorstellung ist weit verbreitet: die linke Gehirnhälfte arbeite logisch-rational, die rechte dagegen kreativ-emotional. Auf diesem Konzept basieren verschiedenste Lehr- und Lernmethoden, mit dem Ziel, die kreativen Kräfte der rechten Hirnhälfte freizusetzen. Allerdings stehen sie auf wackligem Fundament.

Zweifellos existieren die beschriebenen funktionellen Asymmetrien im Gehirn. Wer aber daraus unterschiedliche Denk- oder gar Persönlichkeitsstile ableitet, der verallgemeinert die wissenschaftlichen Einzelbefunde in unzulässiger Weise.

Für eine kreative, emotionale Denkart der rechten Hemisphäre sowie eine rationale, logische der linken gibt es schlicht keine Beweise. Das Gehirn hat keine „bessere Hälfte“. In dem Maß, wie Hirnregionen differenziert sind, stimmen sie ihre Aktivitäten aufeinander ab.

Der kleine Unterschied

Frauen können nicht einparken, Männer nicht zuhören. Frauen können nicht räumlich denken, Männer lernen schlecht Sprachen. Das alles sei in Gehirnen fest verankert, behaupten Autoren und berufen sich dabei auf scheinbar wissenschaftliche Untersuchungen der Hirnforschung.

Das verkauft sich gut, stimmt aber nicht. Die Forschungsergebnisse sind nicht so eindeutig. Nur wenige Unterschiede sind naturgegeben und unveränderlich. Wissenschaftler suchten nach Beweisen und fanden Unterschiede. Das Gehirn von Frauen ist kleiner und leichter. Das Gewicht sagt jedoch nichts über die Intelligenz eines Menschen aus. Wichtiger sind die Nervenzellen im Gehirn. Und von denen hat das weibliche Gehirn in einzelnen Gebieten bis zu 11% mehr als das männliche.

Mythen vom Gehirn - Das Wesentliche auf einem Blick

  • Falsch: Der Mensch nutzt nur 10 Prozent seines Gehirns und es ist vorteilhaft, möglichst viel Gehirnkapazität zu aktivieren.
  • Richtig: Es gibt sicher keine Areale im Gehirn, die immer stillstehen. Allerdings sind Hirnregionen auf bestimmte Aufgaben spezialisiert. Der Mensch nutzt sein Gehirn so, wie er es sich selbst programmiert hat. Es kommt nicht darauf an mit welcher Kapazität es arbeitet, sondern wie es verschaltet ist.
  • Falsch: Die beiden Gehirnhälften beherbergen völlig getrennte „Aufgaben“. Menschen unterscheiden sich danach, welche Gehirnhälfte bei ihnen bevorzugt aktiviert wird.
  • Richtig: Beide Gehirnhälften ergänzen sich bei der Erfüllung unterschiedlicher Leistungen und können im Bedarfsfall auch die Aufgaben der anderen Hälfte übernehmen.
  • Falsch: Die Gehirne von Frauen und Männern sind komplett verschieden. Männer lernen schlecht Sprachen, Frauen können nicht räumlich denken. Das alles ist von Geburt an im Gehirn fest verankert.
  • Richtig: Das Gehirn einer erwachsenen Frau wiegt fast 100 Gramm weniger als das eines Mannes (durchschnittlich 1240 Gramm und 1375 Gramm).
    Das Gewicht sagt jedoch nichts über die Intelligenz eines Menschen aus. Wichtiger sind die Nervenzellen im Gehirn. Von denen hat das weibliche Gehirn in einzelnen Gebieten bis zu 11% mehr als das männliche.

Haben Sie die beiden letzten Lektionen noch im Gedächtnis?

Wenn Sie sich selbst prüfen wollen, wieviel Sie von den letzten beiden Lektionen noch im Gedächtnis haben, dann können Sie jetzt einen Stift und einen Zettel nehmen und folgende Fragen beantworten:

  • Das menschliche Gehirn setzt sich im wesentlichen aus 5 Teilen zusammen. Beschreiben Sie diese stichwortartig und erläutern Sie deren Funktionen.
  • Hippocampus & Amygdala - Beschreiben Sie die wichtigsten Funktionen.
  • Was wissen Sie über „Mythen“ vom Gehirn?

Wenn Sie mit Ihren Notizen fertig sind, vergleichen Sie die Notizen mit den letzten beiden Lektionen. So bekommen Sie schnell heraus, was Sie bereits erinnern bzw. schon nach kurzer Zeit vergessen haben.




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