Lernen Buben und Mädchen anders?
Ja, sie lernen nachweislich anders. Nach den neuesten Erkenntnissen der Forschung sollten Eltern und Lehrer die geschlechterspezifischen Merkmale unbedingt beachten. Bis zur achten Schwangerschaftswoche sieht das Gehirn bei jedem Embryo weiblich aus. Zu Beginn der achten Woche macht ein riesiger Testosteronschub (= Hormon der männlichen Keimdrüsen) das Gehirn männlich.
Dieses Hormon tötet manche Zellen in den Kommunikationszentren ab und lässt in den Sex- und Aggressionszentren mehr Zellen heranwachsen. Bleibt der Schub aus, geht die weibliche Entwicklung weiter. Im Gehirn des weiblichen Fötus entstehen mehr Verknüpfungen in den Zentren der Kommunikation und Gefühlsverarbeitung.
Schon bei der Reaktion in den ersten Tagen von Neugeborenen sind Unterschiede erkennbar. Mädchen halten einen viel längeren Blickkontakt und hören doppelt so lange aufmerksam Menschenstimmen zu, als Buben.
In Bezug auf die mathematisch-naturwissenschaftliche Begabung gibt es nach dem heutigen Stand der Wissenschaft bis zur Pubertät keinen Unterschied zwischen Buben und Mädchen. In der Pubertät wird das weibliche Gehirn von Östrogen (= weibl. Sexualhormon) „überschwemmt“. Daher konzentrieren sich die Mädchen vorwiegend auf Gefühle und Kommunikation.
Bei der Untersuchung von männlichen und weiblichen Gehirnen hat man eine erstaunliche Vielzahl struktureller, chemischer, genetischer, hormoneller und funktioneller Unterschiede festgestellt. Männer und Frauen reagieren unterschiedlich auf Stress und Konflikte, Reize (Hören, Sehen, Spüren) und Wahrnehmung. Die Gehirnzentren für Sprache und Hören enthalten bei Frauen elf Prozent mehr Neuronen als bei Männern.
Jeder Mensch erkennt an sich aber auch Aspekte, die dem anderen Geschlecht zugeordnet werden können. Es ist niemand 100% weiblich oder 100 % männlich. Es gibt Frauen, die logisch denken können und Männer die „nörgeln“ (typisch „männliche“ und „weibliche“ Eigenschaften).
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