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von  Sabrina Ulbrich

Homepage: www.miteinander-reden.de

Datum: 15.09.2003

5. Publikumsnähe

Mit der sachlichen und folgerichtigen Gliederung des Inhalt haben wir uns nun genug beschäftigt. Das ist zwar ein wichtiges Element, aber nur eine Seite der Medaille. Deshalb wollen wir uns jetzt daranmachen den gut strukturierten Inhalt in eine ansprechende Form zu bringen. Zwei Fragen halte ich für zentral, wenn es darum geht ein Publikum auch emotional anzusprechen:

  1. Wie erzeuge ich ausreichende Präsenz des Themas?
  2. Wieviel Aufmerksamkeit kann ich von meinen Zuhörern erwarten?

Beispiel eines anregenden Vortrags

VortragFrau E. will als Abteilungsleiterin ihre Mitarbeiter zu mehr Initiative veranlassen. Die Verkaufszahlen sollen erhöht werden. Sie hat ihren Vortrag auf einen Freitag gelegt, da sie weiß, daß die Leute am Anfang der Woche noch nicht so konzentriert bei der Sache sind, weil sie noch die Nachwirkungen vom Wochenende verarbeiten.

An einem Freitag ist es wiederum wichtiger darauf zu achten, daß die Aufmerksamkeit nicht schon vorzeitig zum freien Wochenende wechselt. Also muntert Frau E. ihre Zuhörer zu Beginn mit ein paar scherzhaften Bemerkungen auf, um für eine lockere Atmosphäre zu sorgen.

Dann stellt sie kurz und bündig - um die Leute nicht zu langweilen - ihre Absichten dar und erkundigt sich anschließend durch Fragen, ob diese auf Zustimmung stoßen. Sie versucht also ihre Zuhörer zu beteiligen und nicht mit einer festgelegten Ansage vor den Kopf zu stoßen. Außerdem hat sie schon oft erlebt, daß in einer Runde mit gleichberechtigten Diskussionsteilnehmern mehr kreative Ideen entstehen als im Kopf eines Einzelnen.

In einem Gespräch kann sie auch direkt auf bestehende Kritik eingehen. Das könnte sie nicht, wenn sie z.B. ein Papier verfaßt und nur verteilt hätte.

Zum Abschluß stellt sie noch einmal zusammenfassend die Vorteile für alle Beteiligten dar und motiviert dadurch zum Handeln. Wenn z.B. neue Ideen entstanden sind, ist dies ein guter Zeitpunkt, um festzulegen, wie die noch ausstehenden Konkretisierungen der Ideen umgesetzt werden können.

Gegenbeispiel

Ein Beispiel, das illustrieren soll, wie man es nicht machen sollte:

LangeweileHerr M. hat eine Rede vorbereitet und zum Teil auswendig gelernt, damit er auch ja nicht anfängt zu stottern. Er stellt sich nun vor sein Publikum und beginnt seine Darbietung zum Teil vorzulesen, zum Teil auswendig vorzutragen. Er ist so vertieft in seinen Text, daß er gar nicht bemerkt, wie die Zuhörer anfangen zu gähnen.

Er war bestrebt, sein Anliegen so sachlich wie möglich darzustellen, hat dabei aber versäumt, die Anliegen und Bedürfnisse seines Publikums zu berücksichtigen. Er macht keine Witze zur Aufmunterung, legt keine Pause ein und bringt auch keine veranschaulichenden Beispiele.

Hinterher klatschen die Zuhörer vielleicht höflich, aber vom Inhalt ist kaum etwas wirklich angekommen.

Prinzipien einer erfolgreichen Rede

Diese beiden Beispiele sprechen für sich. Sicher, sie stellen zwei extreme Situationen dar, aber dadurch kommt das Wesentliche deutlicher hervor, was wir in ein paar Kernsätze wie folgt zusammenfassen können:

  1. Schwungvoller Beginn der Rede
    Die Hauptpunkte werden am Anfang des Vortrags herausgestellt.
  2. Regelmäßige Wiederholungen
    Zwischenzeitlicher Überblick über die Hauptpunkte des Themas lenken die Aufmerksamkeit des Zuhörers.
  3. Ungewöhnliche Betonung
    Durch humoristische Einlagen, herausragende Darstellungen und ungewöhnliche Beispiele bleibt das Vorgetragene im Gedächtnis haften.
  4. Interaktion fördern
    Mitgestaltung durch die Zuhörer fördert die Begeisterung und das Lernvermögen. Dies kann durch ans Publikum gestellte Fragen erreicht werden oder durch Aufforderungen zu bestimmten Handlungen.
  5. Deutlicher Abschluß der Rede
    Eine letzte Zusammenfassung und ein eindrucksvolles Ende faßt das Wesentliche zusammen. Beim Zuhörer bleibt ein prägender Eindruck haften. Den Abschluß kann auch eine Handlungsaufforderung bilden.



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