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2.2. Rhetorik & Philosophie
Wir wollen jetzt Rhetorik und Philosophie gegenüberstellen und anhand der Differenz
das Ziel der Rhetorik besser verstehen.
Philosophie
Einen
Menschen, der nach dem Sinn des Lebens oder nach jeder Form von Erkenntnis sucht
und darüber nach allen Regeln des Denkens reflektiert, nennt man einen Philosophen.
Er nimmt die Erfahrungswelt nicht einfach hin, sondern sucht nach Gründen: Warum
existiert etwas? Was existiert hinter den Erscheinungen? Warum leben wir? Das
Streben nach Wissen und Wahrheit ist das höchste Ziel. Es gibt so viele unterschiedliche
philosophische Richtungen wie es Möglichkeiten gibt, den Urgrund des Universums
zu erklären.
Da sich Philosophie auf alles Erkennbare bezieht, ist es schwierig, ein kurzes
Beispiel zu geben. Nach Platon ist Philosophie die Erkenntnis des Seienden oder
des Ewigen und Unvergänglichen. Er faßte die Grundfragen der Philosophie in
drei umfassenden Begriffen zusammen: Das Wahre - Das Gute - Das Schöne.
Nach Aristoteles ist Philosophie die Untersuchung der Ursachen und Prinzipien
der Dinge. Kant formulierte im 18. Jahrhundert vier Fragen, mit denen sich die
Philosophie auseinandersetzt:
- Was kann ich wissen?
- Was soll ich tun?
- Was darf ich hoffen?
- Was ist der Mensch?
"Philosophie ist das Weltbewußtsein, in welchem der Mensch als ein in der
Welt Stehender sich dieser und seiner selbst bewußt zu werden versucht."
Nic. Hartmann
Rhetorische
Wirkung
Betrachten wir im Gegensatz dazu die Rhetorik. Rhetorik ist eine Technik, die
man sowohl zur Wahrheitssuche verwenden kann als auch, um andere zu täuschen.
Werbung zum Beispiel zielt darauf ab, Menschen zum Kauf der angepriesenen Ware
zu animieren. Sie muß rhetorische Mittel verwenden, um wirksam zu sein. Dabei
kommt es nicht so sehr darauf an, ob die Behauptungen der Wahrheit entsprechen,
sondern auf die Wirkung - das Kaufen. Die Behauptungen stimmen sogar meistens
nicht mit der Wahrheit überein. Dem Käufer wird vermittelt, dass dieser spezielle
Artikel besser ist als alle anderen, was rein sachlich meist nicht stimmt.
Im Gegensatz zur Philosophie können wir Rhetorik definieren als eine psychologische
Technik, die auf den Willen des Hörers einwirkt, um seine Zustimmung zu erhalten.
Die Rhetorik will bestimmte Meinungen gegenüber konkurrierenden anderen Meinungen
durchsetzen.
Sophistik
Ihren
schlechten Ruf bekam die Rhetorik vor allem durch die Gegenüberstellung mit
der Philosophie: Philosophie als das Streben nach Wahrheit und Weisheit und
Rhetorik als das Streben nach Macht und Einfluß. Wobei Macht in diesem Kontext
als Herrschsucht und Unterdrückung von anderen zum eigenen Vorteil verstanden
wird. Dieser schlechte Ruf begann schon zu Zeiten Platons und wurde mit dem
Begriff Sophistik geprägt.
Sophistik heißt Bildung, nicht so sehr die Bildung von Weisheit, sondern eher
politische Führerbildung. Sie verwendet rhetorische Techniken, um zu ihrem Ziel
- Propaganda, Durchsetzung, Überzeugung und Eroberung - zu kommen. Die Überzeugungskunst
ist die Arete (Tugend, Vortrefflichkeit) des Sophisten. Wobei die Überzeugung
nicht der Wahrheit dient, sondern was immer man braucht, soll durchgesetzt werden.
"Die Rede ist wie ein Gift, mit dem man alles tun kann, vergiften und bezaubern."
Gorgias
Rhetorische Philosophie
Die Sophisten bezeichneten ihre Kunst als Seelenführung. Platon entgegnete
ihnen, dass nicht die Führung, sondern der Seelenfang, die bloße Streitkunst
(Eristik), ihr Interesse ist - ein subjektives Interesse, dem es nicht um objektive
Wahrheit geht. Auf Platons Kritik kann man antworten, dass die Techniken, die
dazu geeignet sind, ein gebildetes und kritisches Publikum zu überzeugen, eine
Menge auf einem öffentlichen Platz nicht überzeugen könnten, und umgekehrt.
D.h. der Wert einer Argumentation ist nicht nur an ihrer Wirksamkeit zu messen,
sondern auch an der Qualität und Bildung der Zuhörer, an die sie sich richtet.
Schon Sokrates lehrte, dass der Philosoph, welcher die Wahrheit erkannt hat,
die rhetorische Technik einsetzen darf, um diese mitzuteilen und in seinem Publikum
durchzusetzen. Eine Rhetorik, die sich unter Vernachlässigung der Wahrheit mit
der Zustimmung eines Auditoriums begnügt, das es durch Sprachkünste und Schmeichelei
unter dem Bann des Wortes hält, ist nur eine Technik des Scheins. Die auf Gefälligkeit
angelegte Rhetorik, der es nur um die Erscheinungen geht und die die Wirklichkeit
mit "Farben" schminkt, ist eine demagogische Technik, die von allen, denen es
um die Durchsetzung der Wahrheit geht, bekämpft werden sollte.
3 Arten der Überzeugung
Aristoteles teilte die Rhetorik in drei Teile, gemäß drei Arten der Überzeugung:
- Ethos (Verläßlichkeit des Redners)
- Pathos (Emotionale Disponierung oder Vorbereitung des Hörers)
- Pragma (Eingehen auf die Sache)
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