Fanatismus: Krieg oder der fanatische Glaube an die eigene Wahrheit

22.06.2010
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Eire Rautenberg

Egal, ob sie Turbane tragen oder christlich Wiedererweckte sind: Sie bleiben Fanatiker und sind aus diesen Gründen untragbar für ein effizientes Welt-Management. Die Qualität des Lebens darf keinen Schaden nehmen. Emotionale Intelligenz heißt, auch als Chef auf die Bedürfnisse jedes Mitarbeiters zu hören und verständnisorientiert zu handeln, da diese Handlungsweise den nachhaltigen Erfolg des gesamten Unternehmens fördert und festigt.

religionsfanatikerGanz gleich, ob es sich um einen Mitarbeiter in einer großen Firma handelt oder um einen Völkerstaat im internationalen Prozess der Verständigung.

Ein anderes Beispiel: Indem wir ganze Generationen wehrloser Versuchstiere mit tödlichen Krankheiten infizieren, opfern wir das Leben dieser Geschöpfe unserem Glaubenssatz und Ideal der primären Schutzwürdigkeit menschlichen Lebens.

Selbst wenn die Rechtfertigung lautet, Menschen hätten Seelen, Tiere jedoch nicht, oder dass dem tierischen Leben eine geringere Lebensqualität innewohnt, - diese Vorgehensweise ist Ausdruck von Fanatismus.

Und so kommt wieder einmal menschliche Lebensqualität zu Schaden, denn diejenigen, die unterwegs sind auf diesem grausamen Weg und – in welcher Form auch immer – Leben opfern, verlieren letztlich auch alle Achtung vor dem Leben, menschliches Leben mit eingeschlossen!

Der Zweck rechtfertigt die Mittel in keinem Fall. Wir sind genauso weit von Humanismus entfernt heutzutage wie eh und je.

Die Frauen begehen einen schwerwiegenden Fehler, wenn sie ihre Gleichberechtigung mit den Männern dadurch zu beweisen suchen, dass sie den militärischen Streitkräften beitreten. Die Menschheit wird durch die ständigen Kriege allemal herabgewürdigt. Die Frauen haben bisher gesunden Menschenverstand dadurch bewiesen, dass sie es unterließen, in den Krieg zu ziehen.

Obwohl sie durchaus genauso kämpfen können und unter Umständen noch härter als die meisten Männer es vermögen. Das zeigen auch Fälle der Geschichte. Doch hat mein Geschlecht auch ebenso einen Mangel an gesundem Menschenverstand bewiesen, weil es in der Vergangenheit zuließ und immer noch zulässt, dass die Söhne und Liebhaber in den Krieg ziehen.

Das Töten für den Frieden macht uns nur zu besseren Totschlägern! Wir können es drehen und wenden wie wir wollen, so ist es. Christlich? Um Gottes Willen! Allah? Gott ist größer! (… wie der moslemische Gruß behauptet.) Wer meint, ein gläubiger Christ oder Moslem zu sein und Menschen in den Tod schickt, ohne selbst akut bedroht zu sein, der ist höchstens besessen, aber nicht erleuchtet.

Wir Deutschen haben durch unsere Geschichte einen nachhaltigen Eindruck von der verheerenden Wirkung dieses Fanatismus gewonnen. Auch bei Hitler speiste er sich durch das angeblich „Gute und Edle“. Auch bei Hitler kam der Fanatismus religiös-esoterisch-theosophisch daher …

In jedem Krieg entspricht der Fanatismus beider Seiten ihrem Engagement. Mir ist bewusst, dass der Krieg oft die einzige Lösung zu sein scheint. Und zwar wegen dieser unglückseligen Glaubensüberzeugungen, die leider weltweit verbreitet sind. Solange wir diese Glaubenssätze nicht überprüfen, wird es keine Änderung geben.

Fanatiker machen gern große Worte und sprechen in salbungsvollen Sätzen von Wahrheit, Frieden, von Gut und Böse und ganz besonders von Vergeltung dessen, was ihnen angetan wurde. Wer kennt nicht das Gefühl, einmal Rache nehmen zu wollen für ein Leid, das von außen kam?

Dennoch: Wir allein sind es, die Verantwortung für unser Leben tragen und das, was uns geschieht. Aber es fällt Fanatikern nicht ein, sich diese intelligente Frage nach der eigenen Mitwirkung am Leid zu stellen; egal, ob es den Einzelnen oder ganze Völker betrifft. Das entschuldigt natürlich nicht das aggressive Verhalten der jeweils anderen Seite. Aber wenn die Windmühle der Rache nicht aufhört, sich zu bewegen, kann das Rad des Schmerzes nicht stillstehen.

Die Todesstrafe ist ebenfalls ein Vergeltungsakt einer fanatischen Gesellschaft. Indem man dem Mörder das Leben nimmt, stellt sich die Gesellschaft auf eine Stufe mit diesem, und andere werden von solchen Verbrechen nicht abgehalten, wie eindeutige Studien beweisen. Die abschreckende Wirkung erweist sich als Humbug.

Eine echte demokratische und friedliche Gesellschaft stellt das Individuum und die Menschheit vor die größten Herausforderungen, aber auch vor die größten Möglichkeiten, denn sie gestattet den freien Austausch aller Ideen. Sie stellt jedoch wesentlich höhere Anforderungen an ihre Bekenner, denn jedes Individuum muss aus einer Vielfalt von möglichen „Wahrheiten“ und Lebensweisen immer und ständig eine Wahl treffen. Diese bildet dann die Grundlage für das tägliche Handeln.

Es gibt ständig und überall Fanatiker, die als Vertreter der endgültigen Wahrheit auftreten. Nicht nur im politischen Feld der Agitation, auch im spirituellen Kreis der Weltverbesserer und Wahrheitsfinder. Sie bilden sich ein, dem einzelnen Menschen die Mühe persönlicher Leistung und die Verantwortung abnehmen zu können.

Solange wir sie lassen und für uns selbst und unsere notwendigen und gewissenhaften Entscheidungen keine Verantwortung übernehmen wollen, werden sie uns weiter knechten und versklaven. Und als Futter in irgendwelchen irrsinnigen Kriegen verheizen. Fanatiker können keine Toleranz vertragen. Sie erwarten Gehorsam.

Lasst uns ungehorsam sein. Ich trinke in diesen Tagen wieder einmal … "Auf den Weltfrieden!"

Von Eire Rautenberg

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