Traumdeutung - in Theorie und Praxis

17.02.2003
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Philognosie Team
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Weshalb sollte ich meine Träume deuten?

Die allererste Frage in diesem Zusammenhang ist natürlich: wieso überhaupt unsere Träume deuten?

Für ein illustratives Beispiel mag die Erfahrung einer Freundin von mir herhalten, die sich, während sie im Auto saß und gen Süden in den Urlaub fuhr, wieder an ihren Traum der vorigen Nacht erinnerte. Sie träumte, daß sie mit genau diesem Auto fuhr, sich während der Fahrt der Kofferraum öffnete und das ganze Urlaubsgepäck auf die Autobahn flog.

Trotz hartnäckiger Zweifel ihrer Mitfahrer ("das ist doch nur ein blöder Traum") setzte sie einen Halt durch und siehe da - in der Tat war der Kofferraum nicht richtig verschlossen gewesen.

Mal abgesehen von der Ärgerlichkeit, seine Klamotten von der Autobahn aufsammeln zu müssen, hätten ein paar durch die Luft fliegenden Koffer mit hoher Wahrscheinlichkeit auch einen Unfall verursachen können. Solche direkten und prophetischen Träume sind allerdings recht selten. Aber auch ein ganz allnächtlicher Traum kann uns wichtige Hinweise für unser Leben in der Wachen Welt geben - wenn wir ihn richtig zu deuten wissen.

Darüberhinaus lernen wir unsere Traumwelt durch das Deuten genauer kennen, was dazu führt, dass unsere Träume intensiver werden und wir uns besser an sie erinnern - beides Vorraussetzungen für weiterführende Traumarbeit. Theorien, wie Träume zu deuten seien, bzw. was Träume nun wirklich bedeuten, gibt es unzählige - ebenso wie dazu passende Methoden der Traumdeutung. Wie so häufig im Leben, gibt es auch hier nicht die einzig wahre oder richtige.

Solch eine Theorie oder Methode ist ja immer nur ein ganz bestimmter Blickwinkel. Und bei der phantastischen Vielfalt unsere Träume können wir ohne besonders viel Mühe immer wieder einen neuen überraschenden Einblick erhalten. Während der eine mit einer jungianisch-analytischen Traumdeutungsmethode gut klarkommt, kann ein anderer damit gar nichts anfangen. Hier hilft nur: ausprobieren, experimentieren und die Methoden an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Das bringt mich gleich zu den beiden wichtigsten Kriterien, mit dem wir die Qualität einer Traumdeutungsmethode beurteilen können: sie macht dem Träumer/Deuter Spaß (er wendet sie gerne und regelmäßig an) und ermöglicht es dem Träumer, sinnvolle Aussagen über sich selbst, seine Umwelt und sein Leben zu abzuleiten.

Die in diesem Artikel vorgestellten Arten, wie man Träume deuten kann, sind aus den praktischen Erfahrungen und Experimenten einer ganzen Reihe von Menschen entstanden. Trotzdem sind sie eher als Anregungen oder Vorschläge zum selber kreativ tätig werden zu verstehen. Wenn Du mit Ihnen zufrieden bist - prima. Wenn Dir etwas fehlt, oder Du mit Ihnen nicht so recht schlau aus Deinen Träumen zu werden vermagst, dann solltest Du Deine eigenen Methoden entwickeln (oder in der unüberschaubaren Literatur zur Traumdeutung nach für Dich geeigneteren Wegen forschen).

Wichtig ist nur: wenn Du Dich für eine Methode entschieden hast, dann solltest Du auch eine ganze Weile dabei bleiben (oder nur kleinere Details verändern) - ich halte hier 4 bis 6 Wochen für eine akzeptable Zeit. Denn erst, nachdem Du einige Erfahrungen mit einer Methode gemacht hast, kannst Du begründet sagen, das sie Dich nicht weiterbringt. Vermeiden solltest Du auf jeden Fall jede Form von "Methoden-Hopping". Das ist ungefähr so erfolgversprechend wie alle paar Tage die Meditationsform zu wechseln.

Wie kann ich meine Träume deuten?

Aus der Sicht der Traumarbeit kann man zwar sagen: je mehr, intensiver und länger ich mich mit meinen Träumen beschäftige (also auch: je intensiver und ausführlicher ich sie ausdeute), desto besser. Leider haben die meisten Menschen entweder nicht die Zeit und/oder nicht die Lust, sich jeden Tag ein paar Stunden mit ihrer Traumwelt zu beschäftigen.

In Anerkennung dieser Problematik und der Tatsache, das man möglichst trotzdem jeden seiner Träume deuten sollte, finde ich es sehr praktisch, eine eher kurze Methode der Traumdeutung für die stressigen Tage zur Verfügung zu haben.

Einer der besten Wege, sich die Freude an der Traumdeutung zu verleiden, ist es nämlich, sich auf eine sehr tiefgründige und elaborierte (also eigentlich sehr gute) Traumdeutungsmethode festzulegen, dann unter Zeitdruck nicht dazu zu kommen, diese anzuwenden oder die Deutung in Eile und Hektik runterzuschreiben und sich in Folge dessen dann am Besten noch ein schlechtes Gewissen zu machen, weil man sich wieder nicht richtig um seine Träume gekümmert hat.

Für Tage, an denen man keiner solchen zeitlichen oder motivationalen Einschränkung unterliegt, stelle ich eine etwas ausführlichere Methode vor. Mit diesen beiden kann ich flexibel auf Tagesanforderungen reagieren und brauche trotzdem den Kontakt mit meiner Traumwelt nicht zu vernachlässigen.

Noch ein kurzes Wort zur Form des Traumtagebuchs: wenn Du mit ausführlicheren Deutungen arbeitest, ist es sinnvoll, die Traumaufzeichnungen jeweil auf die linke Seite zu schreiben und auf der gegenüberliegenden rechten Seite die Assoziationen und Deutungen zu notieren. So hat Du beides immer in direkter Gegenüberstellung.

Obwohl diese Methode recht kurz und knapp ist, gilt auch hier: sei nicht zu (vor-)eilig! Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst dafür; nur dann wird diese Methode (wie übrigens jede Traumarbeitsmethode) von Nutzen für Dich sein:

Titel

Gib Deinem Traum immer einen Titel, so als wäre er eine Kurzgeschichte oder ein Zeitungsartikel. Dies hat 2 Vorteile: erstens kann man Träume leichter wiederfinden oder referenzieren; zweitens sagt der (möglichst spontan gewählte Titel) schon einiges über die Bedeutung des Traumes aus.

Thema/Handlungsfaden

Fasse den Inhalt des Traumes möglichst in einem Satz zusammen. Dieser Satz sollte möglichst abstrakt formuliert sein, um die Grundstruktur besser erkennen zu können. Also nicht "Peter nimmt mir meine Schokolade weg und ich hasse ihn dafür", sondern "Jemand, den ich gut kennen, nimmt mir etwas weg das mir lieb und teuer ist und ich bringe ihm deswegen negative Emotionen entgegen."

Die Grund für diese auf den ersten Blick etwas gestelzt wirkende Umformulierung ist recht einfach. Erfahrungsgemäß thematisieren unsere Träume häufig persönliche Probleme oder Aufgaben, indem sie diese von anderen Personen ausagieren lassen (im obigen Beispiel könnte z.B. das Problem angerissen sein, zu schnell mit negativen Emotionen auf andere zu reagieren). Der Logik des Traumgeschehens liegt es meist ziemlich fern, das wir im Traum einen Weisen oder Therapeutenten treffen, der uns erzählt "Du hast da ein Problem mit Deinen Emotionen" (obwohl so etwas bei erfahrenen Traumreisenden um einiges wahrscheinlicher wird).

Normalerweise führt uns der Traum solch ein Problem exemplarisch vor, indem er uns solch eine Situation durchleben läßt. Jetzt daraus zu schließen, dass man ein Problem mit Peter hat oder klären sollte, kann zwar richtig sein (und sollte auf jeden Fall durchdacht werden) ist häufig jedoch ein voreiliger Schluß. Im übrigen: was macht man dann mit Träumen, in denen keine aus der Wachen Welt (oder den von Dir häufig besuchten Astralwelten) bekannten Personen auftreten?

Emotion

Schreibe am Besten schon bei der Traumaufzeichnung auf, wie Du emotional auf das Traumgeschen reagiert hast. Ich persönlich unterstreiche alle "emotionsgelanden" Worte und schreibe sie zwecks besserer Übersicht in eine Liste (dabei kommen häufig schon spannende Deutungsansätze heraus, etwa wenn ich feststelle, das ich die Abfolge der emotionalen Reaktionen aus der Wachwelt von mir gut kenne, z.B. "Langeweile - Unruhe - Ärger") Beschreibe darüber hinaus auch die emotionale Grundstimmung des Traumes sowie außergewöhnlich starke und bewegende Emotionen. Eine unterschiedliche emotionale Färbung kann zwei Träumen mit dem selben Inhalt eine vollständig andere Bedeutung geben.

Frage

Jeder Traum stellt den Träumer eine Frage. Das bewußte Ausformulieren dieser Frage erschließt uns die Bedeutung des Traumes. Für ein Beispiel komme ich noch einmal auf den Schokoladendieb Peter zurück. Mögliche Fragen wären hier z.B.: "worauf sollte ich besser achtgeben, damit es mir nicht weggenommen wird?" oder aber "wie sollte ich auf Vorfälle, die ich als ungerecht beurteile, reagieren?" Welche Frage in diesem Zusammenhang die "richtige" ist (oder die richtigen - manchmal erschließt sich der Bedeutungsgehalt eines Traumes auch erst durch mehrere solcher Fragen) zeigt sich meiner Meinung nach darin, dass ihre Formulierung mit dem bekannten "Aha"-Gefühl einhergeht.

Natürlich läßt sich auch diese Methode noch abkürzen, indem man z.B. nur einen Titel vergibt oder nur den Handlungsfaden aus dem Traum herauszieht. Hier muß jeder selbst erforschen, in wieweit er es schafft, auch mit solchen sehr kurzen Deutungen noch sinnvolle Anregungen und Tipps zu bekommen. Je kürzer und knapper die Deutung, desto leichter ist es nämlich, sich auf das Niveau von Tageszeitungs-Horoskopen zu begeben (so allgemein, das es irgendwie immer "stimmt" - zumindest hinterher) oder einfach die bewußte Meinung, die man von sich/den Anderen/der Welt sowieso schon hat, noch einmal zu bestätigen.

Zusätzliche Aspekte

Symbole Etwas unscharf möchte ich hier unter Symbolen das verstehen, was uns in einem Traum besonders bedeutsam erscheint. Nachdem Du Deinen Traum aufgeschrieben hast, lese ihn Dir noch einmal durch und unterstreiche alle Worte oder Formulierungen, die für Dich in diesem Traum besonders wichtig sind. Hier ist die einzige Leitlinie wiederum das eigene Gefühl oder besser noch die eigene Intuition. Beschäftige Dich im Geiste mit diesen "Symbolen". Schreibe - auf einem Extrazettel - Deine Assoziationen dazu auf.

Ein Beispiel: "Kabel: Verbindungen, Festbinden; auch eine lange Leitung. Zum einen also Bekräftigung (festmachen), zum anderen Fesselung, Unfreiheit..."

Das sieht jetzt nicht von ungefähr so ähnlich aus wie ein herkömmliches "Traumdeutungslexikon". Der wichtige Unterschied ist, dass es sich hierbei um Deine ganz persönlichen Assoziationen handelt. Im Laufe der Zeit kann man - wenn man solche Traumsymbole sammelt - sein ganz eigenes Symbollexikon erschaffen (ich kann das nur empfehlen). Verbinde dann die Deutung der Symbole mit Deinen Traumgefühlen und dem Handlungsfaden.

Drama

In vielen Träumen findet sich die klassische Dreiteilung, welche auch das Drama ausmacht. Zuerst wird die Situation beschrieben und die handelnden Personen eingeführt.

Beispielsweise: "ich stehe auf einem hohen Berggipfel, fühle mich fröhlich und beschwingt. Ein dunkel gekleideter Mann steigt zum Gipfel und mir empor...".

Danach folgt gemeinhin eine Art der Konfrontation, ein Schwierigkeit muß überwunden, ein Problem gelöst werden - in allgemeinster Form beginnen die "Darsteller" zu handeln

"... in mir steigt leise Furcht auf, denn der Mann ist sehr groß, sieht sehr kräftig aus und hat ein unerfreuliches Grinsen auf dem Gesicht. Er verlangt, das ich den Gipfel verlasse. Ich weigere mich, wir kämpfen und schließlich werfe ich ihm vom Berg herunter..."

Schließlich folgt die (Auf-)Lösung:

"...ich sehe ihn fallen und fliege hinterher, fange ihn auf und lande wieder auf dem Gipfel. Schließlich holt er einen großen Käse aus der Tasche und wir teilen uns eine Mahlzeit."

Versuche, in Deinen Traumaufzeichnungen diese 3 "Akte" ausfindig zu machen. Diese Einteilung in "das ist die Situation", "so reagiere ich darauf" und "das wird dabei herauskommen" eignet sich hervorragend, um den Traum auf das eigene Handeln in der Wachen Welt abzubilden.

Leider reicht der begrenzte Platz solch eines Artikels nicht, um viel mehr Methoden vorzustellen, aber ein paar seien zur Anregung der Kreativität noch angerissen:

  • Rollenspiele (beliebt z.B. bei den Gestalttherapeuthen):
    Versetze Dich in die Rolle einer Traumpersonen; argumentiere und agiere aus ihrer Perspektive (am interessantesten ist dies meistens mit Traumgestalten, die Du ablehnst). Versetze Dich abwechselnd in zwei gegensätzliche Charaktere und lasse sie miteinander diskutieren.
  • Weiterführen des Traumes / Visualisierungen
    (Besonders hilfreich bei Träumen, aus denen man herausgerissen wurde und nicht zur Auflösung gekommen ist) Spinne in Deiner wachen Phantasie das Traumgeschehen weiter. Was hätte noch geschehen können? Was wäre gewesen, wenn Du oder eine andere Traumfigur sich anders verhalten hätte? Erfahrene luzide Träumer können diese Übung auch im Traum durchführen...
  • Statistische Untersuchungen
    Schreibe über die Nächte hinweg auf, welche Farben, Zahlen, Personen, etc. in Deinen Träumen vorkommen und beschäftige Dich mit denen, die besonders häufig vorkommen (bei mir sind es derzeit schmutzige Socken...). Hier kannst Du mit dem ganzen Apparat kabbalistischer Nachforschungen, mythologischer Bezüge, Orakelmethoden wie Tarot, etc. arbeiten

Zum Schluß will ich noch einmal betonen, das all diese schöne Traumdeutung nicht viel bringt und auch von kaum jemand längere Zeit betrieben wird, wenn es nicht gelingt, die Traum- und Wachwelt näher zusammen zu bringen. Dafür muß man seine Träume ernst nehmen, Ratschläge für sein Handeln ableiten und sich dann auch - so weit es eben geht - daran halten.

Hierfür ist es übrigens sehr ratsam, sich in regelmäßigen Abständen die Traumaufzeichnungen der letzten Zeit noch einmal durchzulesen. Ich bin häufig überrascht, wie sehr das, was ich vor einiger Zeit aufgeschrieben habe und damals als relativ banal oder unwichtig betrachtete, in einem längeren Zeitrahmen an Bedeutung gewonnen hat.

Blumige Träume wünscht allen Lesern - Ramgar

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von Petra Sütterlin

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Immer wenn wir träumen, begeben wir uns auf die Reise in eine geheimnisvolle Welt voller Spannung und Abenteuer.
Nach einer Einführung in das Thema erfahren Sie was es heißt, kreativ zu träumen. Es folgen Methodentips, wie Sie sich besser an Ihre Träume erinnern und diese planen können. Wie Sie Traumfreunde finden und was luzides Träumen bedeutet. Mit luziden Träumen kommen Sie in einen engen Kontakt mit Ihrem Unbewußten und Ihren inneren Kraftquellen.

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