Beziehung: Wie funktioniert ein Beziehungskonto?

27.07.2010
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Cassandra B.
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Bei funktionierenden Beziehungen lässt sich ein ausgeglichenes Verhältnis von Geben und Nehmen aller Beteiligten beobachten. Jeder trägt gleichermaßen dazu bei, dass sich der andere in der Beziehung wohlfühlt. Nach dem Modell von Thomas Gordon spricht man hier von einem Beziehungskonto, das entweder ausgeglichen oder überzogen werden kann.

Was man unter einem Beziehungskonto versteht und welche Vorteile diese Sichtweise für partnerschaftliche Beziehungen hat, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Was ist ein Beziehungskonto?

Jeder hat Erfahrungen mit einem Bankkonto. Zahlt man regelmäßig ein, so schafft man sich die Möglichkeit, materielle Wünsche zu erfüllen. Gerät das Bankkonto ins Minus, werden sich die Rechnungen häufen und negative Konsequenzen drohen.

BeziehungskontoÄhnlich funktioniert auch ein Beziehungskonto. Wir zahlen ein, in Form von Aufmerksamkeiten unserem Partner gegenüber, mit allen Tätigkeiten, die ihm Freude machen, ihn unterstützen und die das Vertrauen untereinander stärken.

Dabei kann es sich durchaus auch um materielle Geschenke handeln, doch den meisten Menschen ist es wichtiger, wenn ihnen zugehört wird, sie ernst genommen werden und sich verstanden fühlen.

Umgekehrt buchen wir vom Beziehungskonto ab, wenn wir insgesamt mehr nehmen als geben, das gegenseitige Vertrauen schädigen oder die Gefühle und Bedürfnisse des Partners verletzen.

Solange das Konto im "Plus" ist, werden solche "Fehler" meist toleriert und eine Entschuldigung oder eine Verhaltensänderung kann ausgleichend wirken. Rutscht es jedoch zu sehr ins Minus sind Konflikte vorprogrammiert.

Das Beziehungskonto ist also als Metapher zu verstehen, wie viel Vertrauen, Zuneigung und Interesse wir einem Menschen entgegenbringen. Es sagt auch etwas über das Gefühl der Verbundenheit aus, das wir einem anderen Menschen gegenüber empfinden.

Letztlich führt jeder - sei es in der Partnerschaft oder Freundschaft - so ein Beziehungskonto. Dies kann bewusst oder unbewusst geschehen. Gerät das Beziehungskonto ins Minus, ist Stress vorprogrammiert und auf längere Sicht die Gefahr, dass die Beziehung in die Brüche geht, sehr groß.

Dabei ist es wichtig zu verstehen, wie man auf diesem Konto einzahlt bzw. abhebt. "Ich zahle auf dein Konto dann ein, wenn ich etwas tue, das dir Freude macht und das dir wichtig ist". D.h. der Partner entscheidet, ob man selbst auf sein Konto eingezahlt hat oder nicht. Umgekehrt zahlt mein Partner auf mein Beziehungskonto ein, das ich für ihn angelegt habe. Nun entscheide ich selbst, ob es sich um eine Einzahlung handelt und wie hoch diese ist.

Normalerweise lernen die Beziehungspartner im Laufe ihres Zusammenlebens, welche Verhaltensweisen eine Einzahlung sind und welche nicht. Gut funktionierende Beziehungen weisen immer ein Plus auf beiden Beziehungskonten auf. Die Unterschiede dürfen nicht zu groß werden, ansonsten wird einer der beiden auf Sicht unzufrieden und es kommt zu Auseinandersetzungen.

Welche Beziehungen führen Beziehungskonten?

Das Modell des Beziehungskontos lässt sich nicht nur auf Paar- oder Liebesbeziehungen anwenden, sondern auch auf Freundschaften, Geschäftsbeziehungen, auf alle Beziehungen gesellschaftlicher oder beruflicher Art, aber auch auf familiäre Beziehungen, zur Mutter, zum Vater und zu den eigenen Kindern.

In diesem Artikel werden Beispiele aus der Paarbeziehung gewählt, da sich enge Beziehungen sehr gut eignen, um das Modell anschaulich zu beschreiben. Doch das Prinzip lässt sich problemlos auf andere Beziehungsformen übertragen.

Welche Vor- und Nachteile hat dieser Sichtweise?

Ein Nachteil dürfte auf der Hand liegen. Vor allem Liebesbeziehungen rechnerisch zu betrachten, dürfte schnell Kritiker finden. Immerhin herrscht hier oft das Ideal, dem anderen etwas zu schenken. Schenken bedeutet aber, dass nichts zurückgefordert wird, dass es nicht zu einem Deal kommt: "Schenkst du mir was, so schenk ich auch dir". Hier ist es passender von einem Tauschhandel zu sprechen, als von einem Geschenk.

Das Modell des Beziehungskontos passt somit eher zu einem Tauschgeschäft, als zum Ideal der Liebe. Doch Erfahrungen zeigen, dass das Modell der Beziehungskonten sehr gut funktioniert. Wenn man jemanden etwas gibt, so gibt auch dieser wieder gerne zurück.

ScheidungUmgekehrt kennt jeder wahrscheinlich auch Beispiele von überzogenen Beziehungskonten, die z.B. in einer Scheidung münden. Beide Seiten werden dann sehr genau erklären können, wie der andere das Konto belastet hat, d.h. welche Abhebungen genau getätigt wurden. Das muss nicht immer etwas "Großes" sein. Viele Kleinigkeiten oder Versäumnisse, Unaufmerksamkeiten, Nervereien können dann auf Sicht zur Trennung führen.

Die Praxis zeigt, dass nicht nur finanziell, sondern auch in Beziehungen gerechnet wird, wenn auch eher im emotionalen Bereich. Nun gibt es Menschen, die aufgrund ihres Glaubens etwas widerstandsfähiger gegen Abhebungen geworden sind und damit scheinbar besser klarkommen. Doch auch bei ihnen funktioniert das Modell des Beziehungskontos sehr gut, wenn auch etwas modifiziert. Sie erwarten sich nach dem Tod eine Belohnung für ihre guten Taten im diesseitigen Leben. Je nach Glauben und Intensität gibt es aber auch bei ihnen gewisse Grenzen, wenn sie auch manchmal höher liegen, als bei anderen Menschen. Vielleicht kommt es nicht zu einer Scheidung oder Trennung, doch das Zusammenleben ist z.B. von Ignoranz und Vertrauensverlust geprägt.

Das Modell des Beziehungskontos kann gut mit Win-Win-Geschäften (Gewinn-Gewinn-Geschäften) parallelisiert werden, wenn Beziehungen gut funktionieren. Dann kommt es nämlich nur dann zur Kooperation, wenn beide (bzw. alle) Seiten davon profitieren. Ist das nicht der Fall, kommt es auch zu keinem Abkommen. Doch das lässt sich in bestehenden Beziehungen, die eine Zeit lang gut funktionierten, nicht mehr so leicht rückgängig machen.

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