Buchpflege: Umgang mit Büchern und Tipps zum Reparieren

21.04.2010
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Bewertung 4.3
Thorsten Boose
thorstenboose.wordpress.com

8. Gebrochenes Rückgrat

Das Schlimmste, was man seinem Buch antun kann, ist das Brechen seines Rückgrats.

Jedes Buch hat einen Buchrücken, an dem alle Seiten befestigt sind.

Je breiter der Buchrücken, desto stabiler muss er sein; das ist vor allem bei Taschenbüchern schwierig.

Eben bei diesen Taschenbüchern sieht man oft, dass der Buchrücken nach hinten geklappt ist; der Einband leidet auch darunter.

Schnell können so alle Seiten die Haftung – bei Klebebindung wie Fadenheftung – verlieren und aus dem Einband herausfallen.

Tipp: Auch hier gilt der Ratschlag: Vermeiden Sie das Brechen des Rückgrats eines Buches generell! Erstens zahlen Sie für ein einwandfreies Produkt, welches es dann nicht mehr wäre, und zweitens sehen unversehrte Buchrücken im Regal einfach schöner aus und nehmen weniger Platz in Anspruch.

9. Risse & fehlende Seiten

Natürlich kann es passieren, dass man aus Versehen Seiten einreißt. Bücher sind nämlich auch Gebrauchsgegenstände, weshalb viele Leute sagen, dass sie mit einem Buch genauso umgehen wie mit einem Spaten. Mutwillig sollte man dennoch keine Seiten herausreißen, um jemandem z.B. darauf etwas zu zeigen. Das Produkt ist dann defekt.

Tipp: Wollen Sie z.B. eine Seite jemandem zeigen oder auf Postergröße kopieren, dann nutzen Sie doch am besten die Scanner-Technik. Risse, je nach Größe, müssen nicht repariert werden, können es aber mit natürlichem Holzleim. Aber Vorsicht, dass nicht mehrere Seiten zusammenkleben!

10. Gebrauchte Bücher kaufen

Die schlimmste Sünde im Umgang mit Büchern ist – neben dem Wegwerfen – das Kaufen von gebrauchten Büchern. Viele Leser und Literaturliebhaber sind der Ansicht, dass jedes einzelne Buch bei einem Kauf etwas Persönliches vom Käufer annimmt. Sie fühlen sich mit gebrauchten Büchern nicht wohl und denken „Das wurde schon benutzt“, „Die Magie ist dahin“ oder auch „Es ist nicht wirklich meines“.

Tipp: Es gibt unzählige Bücherflohmärkte, auf denen gebrauchte (Schul-) Bücher und uralte Raritäten angeboten werden. Historische Fundstücke dienen oft als Ausstellungs- oder Schmuckstück für die private Sammlung und können ruhigen Gewissens gekauft werden. Tun Sie aber bei neuen Büchern sich selbst, dem Autor, dem Verlag und dem Markt etwas Gutes und greifen Sie auf Ihr persönliches Original zurück.

Die Meinung von Schriftstellern ist gefragt!

Bücher werden letztendlich immer für ihre Leserschaft geschrieben. Was sagen aber Autoren zum Umgang mit ihren Kunstwerken? Ich habe einige Autoren befragt und bin dabei auf die unterschiedlichsten Aussagen gestoßen. Lesen Sie hier interessante Stellungnahmen und weitere Tipps direkt aus der Schriftstellerriege.

Dr. Hilmar Alquiros („Das Tao der Weisheit“; www.dao-de-jing.com)

„Wie sollten Leser Ihrer Meinung nach Bücher guten Gewissens behandeln?“ „Bücher sind Wesen voller Geist – daher verdienen sie Respekt und … Liebe: Wesen voller Geist soll man nicht brechen, nicht bespucken, nicht missbrauchen, nicht einmal vernachlässigen. Wesen voller Geist soll man achten, sie gut behandeln, von ihnen lernen – und manchmal kann man in ihnen lesen wie in einem Buch …“

g. c. roth („Fluffige und andere Zeiten“)

„Was ist Ihrer Meinung nach das Schlimmste, das man einem Buch antun kann?“ „Es in den Papier- oder Sperrmüll entsorgen. Bei Haushaltsauflösungen habe ich gesehen, dass kistenweise Bücher in den Sperrmüll wandern. Wer Bücher nicht behalten will, kann sie an Büchereien oder soziale Einrichtungen verschenken.“

Barbara Schilling („Meine Berliner Kindheit“; www.angenehme-vorstellung.de)

„Was ist für Sie der schlimmste Umgang mit einem Buch?“ „Es ignorieren! Denn wie jede Kunstform lebt das Buch davon, wahrgenommen zu werden. […] Ich wünsche mir, dass der Leser sich aktiv damit beschäftigt. Auf welche Art und Weise er das tut, ist für mich zweitrangig; ob still und zurückhaltend, wie die meisten – oder eher wild und "interaktiv" … “

Sylvia B. („ForenTroll“)

„Ihrer Meinung nach sind Bücher nicht nur zum Lesen da; was tun Sie sonst noch damit?“ „Wenn ich ein Buch lese, stelle ich immer wieder fest, dass mir der Rücken ein wenig schmerzt. Es mag daran liegen, dass ich ein Krimifan bin und sich der Spannungsbogen bis zu meiner Wirbelsäule fortsetzt. Für mich hat es sich als durchaus positiv erwiesen, mir das Buch auf den Kopf zu legen, aufzustehen und damit herumzulaufen. Übrigens, wer diese Übung täglich probiert, wird seine Haltung verbessern.“

Rita Hajak („Tränen der Verzweiflung“)

„Was ist für Sie die schlimmste Sünde im Umgang mit Büchern?“ „Ich hasse es, wenn man mit Büchern nicht sorgfältig und liebevoll umgeht. Da bin ich sehr eigen. Aus diesem Grunde verleihe ich meine Bücher nur an absolut Gleichdenkende. Bücher sind mehr als nur Papier mit Worten. Ihr Innenleben ist lebendig. Deshalb sind sie es wert, gut behandelt zu werden.“

Gaby Gawlitza („Brodelndes Eis“)

„Welchen Umgang mit Büchern können Sie nicht tolerieren?“ „Für mich ist die schlimmste Todsünde, die man einem Buch antun kann, wenn man Fettflecke hinterlässt. Diese drücken sich über viele Seiten durch und verwischen zuweilen die Druckerschwärze.“

Heinz W. Pahlke („Buchsatz für Autoren“; www.pahlke-online.de)

„Was ist Ihrer Meinung nach eine Buchsünde?“ „Ich weiß nicht, ob es eine Sünde ist, Bücher durch Eselsohren, eingerissene Seiten, abgerissene Einbände und gebrochene Buchrücken zu verunstalten. Ein Armutszeugnis ist es dagegen sehr wohl. Mehr als die malträtierten Bücher tun mir jedoch die Menschen leid, die Bücher so misshandeln: Für sie scheinen Bücher lediglich Wegwerfartikel zu sein, nicht wert, ein zweites oder gar drittes Mal in die Hand genommen zu werden. Andererseits: Demonstrieren nicht manche Verlage und Autoren mit ihren schludrig geschriebenen und publizierten Büchern genau die gleiche Lieblosigkeit?“

Fazit

Wir halten fest: Das Buch ist sowohl ein Kunstwerk als auch ein Konsumprodukt. Es wird benutzt und in Ehren gehalten – wie man aber mit seinen erworbenen Büchern selbst umgeht, steht zum Glück in keinem Gesetz und ist Sache jedes Einzelnen.

Die hier präsentierten „Buchsünden“ dienen vor allem als Hinweis auf einen respektvollen Umgang mit dem geistigen Eigentum anderer. Ich hoffe, auch im Namen meiner Autorenkolleginnen und -kollegen, Ihnen einige wichtige Tipps präsentiert zu haben und wünsche Ihnen weiterhin viel Spaß beim Lesen!

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Beiträge

Bücher Birgit Spitzner 22.04.2010 09:42
Nun ja, im Prinzip stimme ich mit fast allem dieses Artikels überein. Nur die Geschmäcker sind verschieden, d.h. es gibt Bücher, die man aus gewecktem Intresse gekauft hat und dann nicht halten, was man sich von ihnen versprochen hat. Und dann ist das Antiqariat doch ein Segen - ebenso für Haushaltsauflösungen und Umzüge und wenn das Fassungsvermögen der Wohnung erreicht wurde. Auserdem gibt es eben auch manche Bücher nur noch antiquarisch. Und ich glaube auch nicht, daß die Seele eines Buches an seiner Hülle hängt. Aber das ist eben alles Ansichtssache. :o)