Bei der Integration darf eine Frage nicht fehlen. Wer nutzt denn überhaupt Buzz? Es gibt doch schon Facebook, Twitter, Xing. Wozu da noch ein anderes Netzwerk nutzen?
Liebes Gros, nehme es mir nicht übel. Doch sind die Nutzer bei Facebook weniger Technik-affin als bei Buzz. Will die Masse bei Facebook alte Klassenkameraden ausfindig machen, aus dem Single-Leben abtreten oder irgendwelche Farmen bewirtschaften, setzt man bei Buzz eher auf Themenfindung, Diskussionen und Meinungen.
Meine Buzzer beispielsweise sind Medienberater, Journalisten, Informatiker, Wissenschaftler oder einfach interessante Internetjunkies. Sie alle sind heiß auf Informationen unterschiedlicher Streams und nehmen fleißig teil an informativen Diskussionen. Allein durch die Teilnehmer und deren Tun ist Googles Netzwerk ein unglaublich intelligentes.
Die Konversationen, die dort geführt werden, sind bei Facebook oder Twitter nicht denkbar - auch weil die Netzwerke einfach für unterschiedliche Nutzer geeignet sind. Viele User der anderen Netzwerke haben wahrscheinlich nicht einmal was von Googles Buzz gehört, geschweige denn gelesen.

Jo Jmatic, Blogger und meines Erachtens Internet-Philosoph (http://blog.jmatic.eu/), bringt es auf den Punkt: "Wo Buzz ein Facebook-Killer sein soll, ist mir nicht klar? Facebook ist ein Kinderhort. Dort soll es bekanntlich zwar auch schön sein. Doch mit Buzz hat der große Bruder allerdings nur wenig gemeinsam"!
Buzz ist also eher was für Informationsgeile? Wie auch ich sieht Jo Jmatic in Twitter die Nachspeise. "Jetzt kann ich per Buzz ausführlich berichten und per Twitter Informationen weitergeben - als Werbetafel also aufzeigen, wo es sich für Mitlesende lohnt zu reagieren, um die chronologisch geordneten Informationen zu erweitern."
Also nicht Twitter oder Buzz, vielmehr machen beide zusammen erst einen Sinn. Ich selbst denke ähnlich. Gehöre ich doch auch zu denen, die versuchen die vielen Netzwerke zu verknüpfen. Hinsichtlich dieser Vernetzung muss Google aber noch etwas nachbessern.
Gerade die besagten Warteschleifen per Twitter zu Buzz regen unzählbare User auf. Aber wie schon erwähnt, ist die Baustelle nicht nur bei Google zu suchen.
Doch nicht jeder hüpft erregt und freudestrahlend durch die digitale Buzzwelt, oder vielmehr nicht mehr. Nina Galla, Kommunikationsberaterin aus Hamburg, war nach dem ersten Testlauf enttäuscht.
"Ich habe mit Twitter, Facebook und Co. doch schon alles. Ich sehe da einfach keinen Sinn." Und Nina legte noch einen drauf: "Dass Google Buzz entwickelt hat, zeigt mir zudem ein geringes Selbstbewusstsein und ein "Ich-will-auch-mitspielen"-Verhalten des Konzerns. Anstatt Twitter einfach zu gratulieren und selbst etwas wirklich Innovatives zu gestalten, hat Google sich auf das Trittbrett gestellt und versucht nun über eine Hintertür User zu generieren. Das gibt dem Ganzen einen faden Beigeschmack".
Denn schaut man sich die vielen Buzzes an, steht sie mit ihrer Meinung nicht alleine im Netz.
Egal welcher Runde man beitritt. Irgendwann fragt immer jemand: Buzz oder Twitter?
Ist das nun Innovation?
Warum hat man nicht einfach Wave weiterentwickelt?
Zur Erinnerung: Googles Wave ermöglicht ebenfalls ein Bearbeiten von Projekten im Stil von Buzz, auch in Realtime.
Das Projekt ist jedoch in den Hintergrund geraten. Einen allgemein faden Beigeschmack hatte auch Stefan Keuchel.
„In meiner 6-jährigen Zeit bei Google habe ich noch keinen Launch erlebt, der so schlecht verlaufen ist wie der von Google Buzz. Wir haben Fehler gemacht, aus denen wir aber gelernt haben. Insgesamt ist das Feedback der Nutzer weltweit sehr motivierend und vielversprechend. Man darf halt aber auch nicht vergessen, dass Google Buzz gerade mal einen Monat alt ist - da gibt es noch vieles, was wir noch besser machen können.“
Er riskiert damit schon jetzt einen Blick in die Zukunft. Denn nach Googles Ansichten gibt es ein paar allgemeine Trends, in welche Richtung sich das Internet entwickeln wird.
„Wir sind beispielsweise fest davon überzeugt, dass die mobile Nutzung des Internets in wenigen Jahren stärker sein wird, als die stationäre Nutzung über einen PC. Und es ist klar, dass soziale Netzwerke eine wichtige Rolle spielen werden. Wir beabsichtigen unseren Nutzern attraktive und innovative Dienste in diesem Bereich anzubieten. Google Buzz ist ein erster und wichtiger Schritt dorthin“, sagte Keuchel vorausschauend.
Google hat eine Riesenwelle losgeschlagen, ohne wirklich aufbrausend zu wirken. Seit dem Start haben sich alle Buzzer beruhigt und der massige Fluss an Infos ist sichtbar zurückgegangen. Der Mix aus Google Reader, Google Profiles, Google Maps, Google Latitude, Google Kontakte und Google Wave - hoffentlich habe ich keinen Dienst vergessen - hat mich und viele andere zwar überzeugt, die Masse wohl aber nicht.
Sich mit einer E-Mail extra bei einem Dienst anzumelden, ist out. Buzz ist nichts Innovatives. Es ist nur ein weiteres Feature für Medieninteressierte, welches sich aus anderen Dingen heraus entwickelt hat.
Zugegeben, es macht mir Spaß am Buzz-Netzwerk mitzuwirken. Schon nach kurzer Zeit habe ich interessante Themen besprochen und sehr schöne Ansichten kennenlernen dürfen. Diese Ansichten und Meinungen resultieren nicht selten aus komplett veröffentlichten Artikeln anderer Magazine - eine Sache, in der Google aufklärend vorpreschen muss. Ein vorgeschaltetes Video könnte hinsichtlich des Urheberrechts einiges Unwissen eliminieren.
Nutzer von Buzz sind eindeutig identifizierbar. Sind es bei Facebook in der Masse noch die alten Schulkameraden, bei Twitter die Masse an sich, sind es bei Buzz eher intellektuelle Medienverrückte, die mehr wollen als nur Links und ein paar Bilder verbreiten.
Buzz ist nichts für gelegentliche Twitter- oder Facebook-User. Zu speziell sind dort die Nutzer. Wer auf Diskussionen rund um Politik und Netzkultur steht, ist zum Anmelden verpflichtet. Doch bevor er das wirklich tut, sollte er sich das Folgende durchlesen.
Ein Dank geht an die Diskussionsrunde von Markus Angemeiert, der in einem Selbstversuch einen seiner vielen Buzzes gelöscht glaubte. Hätte er die Google-Buzz Datenschutzbestimungen gelesen, hätte er den Versuch sein lassen können.
Google: "Wenn Sie auswählen, dass Ihr Google-Profil gelöscht werden soll, werden Ihre Buzz-Posts gelöscht, aber die Kommentare, die Sie zu den Posts anderer Nutzer gemacht haben, und Ihr Name unter "Gefällt mir" werden nicht gelöscht.
Sie haben die Möglichkeit, Ihre Kommentare zu den Posts anderer Nutzer einzeln zu entfernen, wenn Sie möchten. Restliche Kopien von gelöschten Elementen werden unter Umständen erst nach 60 Tagen von unseren aktiven Servern gelöscht und verbleiben eventuell in unseren Offline-Sicherungssystemen".
Schließen möchte ich mit einem aktuellen Buzz, der sich ebenfalls um das Thema Buzz und andere Netzwerke dreht. Um die Unterschiede der verschiedenen Netzwerke wirklich zu verstehen, passt die Policy des Tim O´Reilly sehr gut: Im Tweet muss der Link gepusht werden, im Buzz wird dazu dann kommentiert, warum der Link so interessant ist.
Von Markus Henkel
Wert 4.8 |
Thema: 4.8 | Information: 4.8 | Verständlichkeit: 4.8 |
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