Gut gehütete Geheimnisse der Psychoanalyse

18.02.2003
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Berthold Röth

Alfred Adler wich mit eigenen Vorstellungen von Freuds Lehre ab, er entdeckte Mechanismen, die es zu dieser Zeit in der Psychoanalyse noch nicht gab. 1910 umfasste das Unbewusste noch nicht die Abwehrkräfte des Ich und indem Adler eine Ich-Psychologie entwickelte war er für die Analytiker von der Erforschung des Unbewussten abgewichen. Eigentlich eröffnete Adler mit seinen Formulierungen die Charakteranalyse, die Reich Jahre später in der Psychoanalyse etablierte.

1911 bezeichnete Freud die Adlerschen Lehren als falsch und für die Entwicklung der Psychoanalyse gefährlich. Gegenüber seinen Anhängern erklärte er, er wolle an Adler "die Rache der beleidigten Göttin Libido" vollziehen und dass er den Verdacht habe Adlers Denken habe einen "paranoischen Zug". Wie schon zuvor geschehen nutzte man das Pathologisieren gegenüber Abweichlern der Lehre. Die Psychoanalyse kann zur Aufklärung und Heilung dienen, aber ist genauso als Waffe im Kampf gegen einen Gegner zu verwenden. Adler suchte bis zuletzt die Einigung mit Freud, vergeblich, er trat aus.

Ferenczi begann sich mit okkulten Phänomenen zu beschäftigen, machte Gedanken-Les-Experimente mit Medien. Dafür interessierte sich Freud allerdings auch, bat Ferenczi dennoch über diese Forschungen zu schweigen. Freud hoffte sogar, dass Ferenczi die Existenz der Gedankenübertragung beweisen könne und diese zu einem Hilfsinstrument für den Therapeuten werden könne. Aber als Ferenczi überzeugt war die Gedanken seiner Patienten lesen zu können und dies öffentlich zu vertreten machte Freud einen Rückzieher.

Jung gestand daraufhin allerdings, dass er dieses Phänomen ebenso seit langem studiere und anwende. Er wollte nun den Okkultismus erobern und bat bei Freud für sich und Ferenczi um die Genehmigung den Feldzug ins Reich der Mystik zu unternehmen. Beide arbeiteten am Thema erfolgreich, aber für die Technik der Psychoanalyse spielte Gedankenübertragung keinerlei Rolle.

1911 wurde auch von Brill die amerikanische Psychoanalytische Gesellschaft gegründet, die streng medizinisch ausgerichtet war und in der Psychoanalyse nur eine der Methoden neben Hypnose, Suggestion, Assoziations- und Traumanalyse war. Aber in Europa griffen Freuds Schüler in ihrer Praxis ganz genauso zu zusätzlichen Hilfsmitteln, da sie mit der "reinen Analyse" keine Erfolge erzielten. Abweichende Methoden wurden allerdings nur toleriert, wenn sie nicht von bekannten Persönlichkeiten innerhalb der Psychoanalyse stammten.

Je näher ein Autor dem Machtzentrum war, desto weniger durfte er sich leisten. 1911 schrieb der sowieso unbeliebtere Stekel sein Buch "Die Sprache des Traums". Freund bezeichnete das Werk als "Herumwühlen eines Schweins im Blumenbeet" und ergänzte aber die späteren Auflagen seiner "Traumdeutung" mit einem Kapitel über Symboldeutungen, die er Stekels Buch entnahm.

1912 bekannte Freud, dass er immer noch nach der richtigen Technik suche und an dieser herumprobiere. Seine Patienten betrachtete er nach wie vor als "Narren, denen er am liebsten den Hals umdrehen würde". Ferenczi begann neben seiner Frau auch deren Tochter Elma aus anderer Ehe zu analysieren, verliebte sich immer in diese und wollte sie dann heiraten.

Das brachte diese dann in solche Konflikte, dass sie krank wurde. Ferenczi bestand auf Verlobung, schickte sie aber auch zu Freud in Behandlung. Die beiden Männer verschworen sich gegen Elma, was diese nicht ahnte. Sie wollte daran arbeiten, Ferenczi lieben zu können. Dieser näherte sich in ihrer Abwesenheit aber wieder ihrer Mutter zu und löste sich von Elma.

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Beiträge

Neue Perspektiven durch die Hintergründe S. Sperber 20.02.2003 13:09
Sehr interessant! Perry Schmuck 19.02.2003 08:06
  RE: Sehr interessant! T. Kühn 20.02.2003 13:23