Gut gehütete Geheimnisse der Psychoanalyse

18.02.2003
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Berthold Röth
  

Hundert Jahre nach der Schöpfung durch Sigmund Freud sieht sich die Psychoanalyse vor neue Herausforderungen gestellt, denn stärker wie früher steht sie in Konkurrenz zu benachbarten Psychotherapieverfahren und der biologischen Psychiatrie. Von ihr wird nun die Überprüfung ihrer Verfahrensweisen und ihrer Therapieerfolge durch empirische Wissenschaften erwartet. Der Psychosozial-Verlag will mit einer Bibliothek der Psychoanalyse dem begegnen, indem er ein Forum der Auseinandersetzung schafft, in welchem die verschiedenen Strömungen innerhalb der Psychoanalyse zu Wort kommen und dabei auch den kritischen Dialog mit den Nachbarwissenschaften intensivieren.

In dieser Bibliotheks-Reihe ist nun ein Band "Ein gut gehütetes Geheimnis" erschienen, dessen Inhalt so brisant und zudem recht wenig bekannt ist, dass es sich lohnt, ihn in einem gesonderten Artikel zusammenzufassen. In diesem Buch wird die eigentliche Analyse-Technik behandelt, die bis heute - wie der Titel sagt - im Grunde ein Geheimnis darstellt. Am auffallendsten ist vorweg festzustellen, dass in der Anfangszeit der Umgang mit den Geheimnissen der Patienten und Analysanden - vor allem im Austausch in der Kooperation unter Ärzten und Kollegen - völlig normal zur Tagesordnung gehörte.

Heutzutage gilt das innerhalb der Therapie als unethisch, aber neuerdings fordern vor allem die Vertreter der Systemischen Therapie diese Schweigepflicht im Interesse der Patienten wieder zu durchbrechen. Die vorgelegte Geschichte der heftigen Kontroversen in den Behandlungstechniken richtet sich zwar an Psychoanalytiker, aber sie stellt sich auch für Laien als hochinteressant und spannend heraus.

In den Anfängen gab es keine Lehrbücher und Technik war nur autodidaktisch durch eigene persönliche Erfahrung auf der Basis von Versuch und Irrtum zu erwerben. Auch herrschte kein Klima, um eine Technik-Debatte zu führen, denn jeder hielt sich damit vor dem autoritären "Meister" Freud zurück, in dessen Händen die alleinige Macht lag, "wilde" Analytiker von "freudschen" Analytikern zu unterscheiden. Dabei klafften sogar bei Freud Theorie und Praxis so sehr auseinander, dass es den Anschein macht, als habe er gar nicht über eine eigene Methode verfügt. Damals traute sich allerdings niemand, dies zu thematisieren.

Bis 1962 wurden seine Fallgeschichten innerhalb seiner Anhänger nicht kritisiert. Merkwürdigerweise wurden demgegenüber die Zulassungsbestimmungen immer rigider, bis 1920 dann das Ausbildungssystem etabliert war, das bis heute nicht nur die Psychoanalyse, sondern die ganze Psychotherapielandschaft prägt. Es entstand das Modell der "Dreiteilung" der Ausbildung in:

  • Lehranalyse (Selbsterfahrung)
  • in einen theoretischen Teil und
  • die Kontrollanalyse (praktische Ausbildung und Supervision).

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Beiträge

Neue Perspektiven durch die Hintergründe S. Sperber 20.02.2003 13:09
Sehr interessant! Perry Schmuck 19.02.2003 08:06
  RE: Sehr interessant! T. Kühn 20.02.2003 13:23