Bedrohung der Meere: Wie Überfischung den Ozean zerstört ...

08.06.2009
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Markus Henkel
www.laengsynt.de
  

4. Haie, die Stuarts der Meere

4.1 Haie, alles andere als nur Raubfische

Eine mutmaßliche andere Zeitbombe für den Menschen ist der Hai. Wirklich? Killermaschinen, Menschenfresser, Begriffe die viele mit dem Hai in Verbindung bringen. Kein Tier löst beim Menschen mehr Angst und Schrecken aus als der Hai. Seine Schnelligkeit und das furchterregende Gebiss erwecken den Eindruck eines gefräßigen Jägers.

HaiBereits seit fast 400 Millionen Jahren bevölkern Haie die Weltmeere. Bis heute gibt es über 570 Arten, angefangen von einem 10 cm langen Zwerghai bis hin zum Plankton fressenden Giganten, dem Walhai, der eine Größe von bis zu 14 Metern erreichen kann.

Der größte Teil lebt im Salzwasser, jedoch gibt es auch Süßwasserhaie. Es gibt bereits Haie, die sich an beide Gewässer gewöhnt haben und zwischen beiden Gegebenheiten hin und her wechseln können.

Sie könnten als Mutanten gelten, einige Wissenschaftler sprechen gar von übersinnlichen Kräften. Mit ihren besonderen Fähigkeiten sind sie in ihrem Revier die Könige. Sie steuern und lenken das von ihnen besiedelte Ökosystem. Sie besitzen ein exzellentes Gehör, können damit sogar Bewegungen als Schwingungsmelodien wahrnehmen.

Die meisten Haie können dazu nicht nur gut sehen, sondern weisen auch eine hervorragende Nase auf. Diese erlaubt es ihnen Gerüche bis zu einer Verdünnung von 1:10 Milliarden auseinander zu halten. Das entspricht einem Tropfen in einem 20 x 50 Meter langen und 2 Meter tiefen Becken. Nase und Augen sind sichtbare Sinnesorgane. Einige Haie verfügen sogar über nichtsichtbare Eigenschaften, sie gleichen einer Hightech-Anlage, die selbst James Bond blass aussehen lässt.

Hammer-Haie zum Beispiel verspüren elektrische Felder, die sich von ihrem Kopf aus über den Meeresboden entlang schwingen. Es sind Impulse, die bei der Nahrungssuche besonders hilfreich sind. Damit ist der Hammer-Hai der einzige seiner Art, der Nahrung auch unter dem Sand aufspüren kann – ohne sie zu sehen. Andere Haie haben wiederum kleinere Finnen, mit denen sie etwa in den Riffen schneller und gelenkiger umher schwimmen können (Riffhai).

Allgemein betrachtet, sind Haie die Kameleons der Meere: Sie können sich extrem gut an veränderte Gegebenheiten anpassen. (Quellennachweis 16) Alle Haie sind Knorpeltiere, das heißt, ihr Skelett besteht aus Knorpel und nicht aus Knochen. Die meisten Haiarten leben räuberisch, doch es gibt auch Plankton fressende Arten. Der größte Fisch der Welt, der Walhai, ernährt sich zum Beispiel ausschließlich von Plankton.

Es gibt nicht viele Arten, die dem Menschen potenziell gefährlich werden können und selbst bei diesen Arten, steht der Mensch nicht auf der Speisekarte. Zwischenfälle zwischen Mensch und Hai kommen durchschnittlich 60 bis 100 mal pro Jahr vor. Davon enden 5-10 tödlich. Doch sind es die Medien, die aus diesen Unfällen eine weltumspannende Horrorgeschichte machen, die wochenlang alle Zeitungen füllt.

So würde keine Tageszeitung eine internationale Medienkampagne starten, wenn bei einem Verkehrsunfall einem Beteiligten der Unterarm amputiert werden musste. Wäre jedoch bei diesem Vorfall ein Hai beteiligt gewesen, stürzen sich alle Medien auf die Meldung. Diese einseitige Berichterstattung hat ihre Ursache in der menschlichen Sensationslust, die nicht erst seit dem Stephen-Spielberg-Klassiker „Der weiße Hai“ besteht.

All diese Fakten machen den Hai zu einem der wohl verkanntesten Tiere auf diesem Planeten und verhindern gleichzeitig den Schutz dieser Tiere. (Quellennachweis 17)

4.2 Die Realität: Die Ausrottung der Hai-Bestände

Gegenüber der menschenleeren Speisekarte der Haie, steht das prall gefüllte Hai-Angebot des Menschen. Ob für Potenzmittel, Mittel zum Besänftigen von Geistern oder für angeblich schmackhafte Haifischflossensuppe: Der Hai wird also für “wichtige“ Dinge stark dezimiert.

In den letzten fünf Jahren ist die Population der Haie um über 90 Prozent zurückgegangen. (Quellennachweis 18) Wie konnte das passieren? Die Ursache ist kein Geheimnis, dafür aber umso abstruser: Shark-Finning. Diese Art zu fischen, ist auf jeden Fall keine Seltenheit mehr. Das zeigen die veröffentlichen Fang-Quoten der Umwelt-Initiativen Deepwave e.V. und Sharkprojekt.

Aussterben der HaieJährlich sterben 200 Millionen Haie durch Menschenhand. Aber was ist Shark-Finning? Dem gefangenen Hai wird bei vollem Bewusstsein die Haiflosse (Rückenflosse) abgeschnitten. Der verletzte Hai wird dann einfach wieder ins Meer "geschmissen" - aus Platzmangel sagt man. Im Meer verenden die Tiere dann qualvoll.

Es werden also lediglich die Haiflossen verwertet. Um aber das ganze Problem rund um die Haie wirklich zu verstehen, die möglichen Folgen seiner Abschlachtung einschätzen zu können, schauen wir uns kurz das Aufgabengebiet des Hais an.

Seit über 400 Millionen Jahren bevölkern Haie die Weltmeere. (Quellennachweis 19) Sie sind der wichtigste Faktor für die Erhaltung des biologischen Gleichgewichts im Ökosystem der Meere.

4.3 Populationen in Gefahr

Die größeren Haie halten kleinere Haie und anderer Raubfische auf einem verträglichen und für die Umwelt gesunden Bestand. Desgleichen halten sie Seehunde, Seelöwen und Seevögel, die sonst die kleineren Fische zu sehr dezimieren würden, unter Kontrolle. Haie stehen an der Spitze der Nahrungskette und sind die Kontrolleure dieser Nahrungskette. Ohne Haie würde das Ökosystem im Meer zusammen brechen.

Wenn wir Menschen weiterhin diesen Kontrollfaktor dermaßen zerstören und vernichten wie bisher, machen wir uns einer möglichen Naturkatastrophe schuldig, die von ungeheuren Ausmaßen sein kann. Es ist sozusagen eine ökologische Zeitbombe die leicht zur größten Naturkatastrophe der Menschheit werden könnte. Schon heute ist das Ausmaß erkennbar: So gibt es in einigen Teilen der Karibik so viele Rochen, dass das Gleichgewicht im Meer dadurch schon jetzt empfindlich gestört ist.

Hierbei ist zu beachten, dass der Rochen eigentlich zur Lieblingsspeise des Hais gehört – er aber nicht mehr, eben wegen seiner dezimierten Anwesenheit, andere Fischarten im gesunden Gleichgewicht halten kann. Das Ganze gleicht einer Kettenreaktion. Denn nicht nur Fische sind von der Katastrophe betroffen. Auch andere Fischliebhaber führen, durch ihren Populationszuwachs, zum Kollaps der Meere.

Seehunde und Seelöwen haben sich beispielsweise in anderen Teilen der Welt so stark vermehrt, dass sie einige Fisch- und Hummerbestände schon fast ausgerottet haben. Ohne Haie sind ganze Fischbestände, die für den menschlichen Konsum wichtig sind, in ihrer Existenz gefährdet. Das Gleichgewicht, das für die gesunde Erhaltung der Meere so wichtig ist, ist an vielen Orten bereits gestört. (Quellennachweis 20)

ÜberfischungUnd als wenn das noch nicht ausreichen würde, führt diese Überpopulation zu einem anderen Problem: Dem Sauerstoffmangel. Hört sich komisch an, ist es aber nicht.

Das Phytonplankton, Teil einer wichtigen Nahrungskette, kommt immer mehr reduziert im Meer vor. Das Fischsterben kann man ja noch verstehen. Aber warum ist das Plankton so wichtig für uns? Es produziert Sauerstoff.

Genauer gesagt, produziert es ganze 80 Prozent des Sauerstoffs dieser Welt (Quellennachweis 21) – aber wenn dieser Haushalt ebenfalls aus dem Gleichgewicht gerät, brauchen wir einen langen Atem. Neben dem Sauerstoff ist das Phytonplankton aber noch Futter für das so genannte Zooplankton, die niedrigste Stufe der Nahrungskette.

Dieses wiederum ist die Lebensgrundlage für viele Kleintiere im Meer, aber auch für einige Wale und für die drei größten Haie der Welt, dem Walhai, dem Riesenhai und dem Riesenmaulhai – eine Kettenreaktion die unaufhaltsam auf uns zuschwimmt.

Die Zusammenfassung dieser schwimmenden Katastrophe sieht in etwa so aus: Da es immer weniger Regulierer wie die Haie gibt, werden es andere Fisch- und Säugetierarten schaffen, andere Populationen zu verdrängen. Müll und die Überfischung sorgen dafür noch zusätzlich, dass das Ökosystem Meer sich schwerlich erholen kann. Lebenswichtige Pflanzen und Kulturen, etwa Korallen oder das Sauerstoff-produzierende Plankton, verschwindet dadurch immer mehr.

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