Bedrohung der Meere: Wie Überfischung den Ozean zerstört ...

08.06.2009
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Markus Henkel
www.laengsynt.de
  

2.3 Politik im Einklang

Die endlosen Weiten der Hochsee liegen außerhalb der Rechtsprechung der Küstenländer. Hochseegebiete machen 64 Prozent der Ozeane aus und repräsentieren den größten Lebensraum auf der Erde. (Quellennachweis 8) Menschliche Aktivitäten wirken sich inzwischen immer stärker auf die Hochsee aus. Obwohl erhebliche Gelder für die Bewertung der Risiken und Folgen der globalen Fischerei aufgebracht werden, ist die weitere Betreuung der Meereswelt aus politischer Sicht nicht zufriedenstellend.

Gerade der Politik fehlt es an Druck von öffentlicher Seite aus. Besonders lähmend agiert die Politik immer, wenn es um die riesigen Gebiete geht, die so schnell aus dem Auge und damit aus dem Sinn sind. Ein weiterer Punkt, der schlechtes Licht auf unsere Politiker wirft, ist der Umgang mit dem so genannten Beifang.

Dieser unerwünschte zusätzliche Fang macht rund 80 Prozent der Beute aus. (Quellennachweis 9) Dieser Abfall umfasst Fische, die unter einer gesetzlichen Mindestgröße liegen oder der falschen Art angehören. Muss dieser Überschuss zur nationalen Kontrolle nur in Norwegen und Island an Land gebracht werden, erlaubt die Europäische Union, den größten Teil dieses Beifangs gleich über Bord gehen zu lassen – tot versteht sich.

Die Trawler erlangen dadurch weniger unnötigen Ballast, somit weniger Gewicht in den Büchern und mehr Geld. Auf der hohen See muss ein Kapitän dazu lediglich Gesetze beachten, die der Flaggenstaat seines Schiffes unterzeichnet hat. Das Problem: Zahlreiche Fischfang-Nationen haben sich an keines der Völkerrechtsabkommen zum Schutz der Meere gebunden – und lassen der Überfischung auf der Hochsee damit freie Hand.

Wie aber sieht die Zuständigkeit der einzelnen Regionen aus? Von wem werden diese kontrolliert? Die Politiker gelten ja in Sachen Meeresschutz weniger als Fachpersonal – nur wenige in Brüssel sind Meeresbiologen. Die Vereinbarung über die Nutzung und den Schutz gemeinsamer Ressourcen und über die Rechte und Grenzen für die Küstenländer bleiben die wichtigsten Doktrinen, die in der UN-Seerechtskonvention eingetragen sind.

In den Gebieten, die nationaler Rechtsprechung unterliegen, fällt die Verantwortung für Schutz und Management der Ressourcen an den Küstenstaat zurück, der auch befugt ist, die marine Umwelt zu schützen und die wissenschaftlichen Untersuchungen am Meer zu kontrollieren.

In den Zonen jenseits der nationalen Rechtssprechung, wo kein Land die Souveränität oder Exklusivität der Rechte beanspruchen kann, müssen alle Staaten kooperieren, um die Erhaltung und den Schutz der Umwelt zu garantieren.

Die gültige Seerechtskonvention der Vereinigten Nationen autorisiert alle Länder, das Management für die Ressourcen bis zu einer Grenze von 200 Seemeilen – innerhalb der so genannten Ausschließlichen Wirtschaftszone – zu übernehmen, in bestimmten Fällen auch darüber hinaus.

Man weiß, dass ungefähr 70 Prozent der weltweiten Fangerträge innerhalb dieser Zone erbracht werden und dass fast 80 Prozent der Meeresverschmutzung von Gewerbebetrieben an Land kommen. (Quellennachweis 10) Ein Grund mehr, die nationale Rechtssprechung nicht nur als Herausforderung zu sehen, sie vielmehr tatkräftig umzusetzen.

3. Müll im Meer

3.1 Wie kommt der Müll ins Meer?

Eine dieser Herausforderung sind die fast 80 Prozent der Meeresverschmutzung, die von Gewerbebetrieben an Land ausgeht. Heutzutage sollte es selbstverständlich sein, seinen eigenen Müll mitzunehmen und ihn richtig zu entsorgen. Doch für einige ist die Umwelt noch nicht geschädigt genug.

Müll am StrandJeder hat schon einmal die Situation erlebt: Man liegt am Strand und bevor das Handtuch ausgebreitet ist, muss man leere Flaschen, Zigarettenkippen und anderen Müll zur Seite räumen.

Geht man anschließend ins Wasser, schwimmt einem der Müll sogar entgegen. Jedem Besucher sollte klar sein, dass der Müll von den Stränden aus letztlich im Meer landet.

Der Müll wird liegen gelassen und die nächste Böe schiebt den Unrat ins Meer. Die gleichen Reste gibt es natürlich auch bei Anglern, nur kommen bei denen noch alte Netze, Nylonschnüre und Anglerhaken hinzu, die im Meer verbleiben.

Ein weiteres Problem ist die Privatschifffahrt, da landet schon mal der komplette Schiffsmüll im Meer und die Fäkalientanks werden ungeklärt ins Meer gepumpt.

Es gibt aber auch große Verschmutzungen, die auf einen Schlag passieren. So hat zum Beispiel der Frachter „Hansa Carrier“ 1990 etwa 71.000 Schuhe verloren. (Quellennachweis 11) Laut einer Studie der Meeresschutzorganisation “Oceana“ sollen weltweit jede Stunde rund 675 Tonnen Müll direkt ins Meer geworfen werden – die Hälfte davon aus Plastik. (Quellennachweis 12)

3.2. Müll als Nahrungsmittel

Hier angekommen, bedroht es das Ökosystem und birgt eine große Gefahr für seine Bewohner: Schildkröten verfangen sich in Plastik und verenden qualvoll, Albatrosse verhungern, weil ihre Mägen mit kleinen Plastikteilchen voll gestopft sind. Schätzungsweise eine Million Seevögel, 100.000 Meeressäuger und unzählige Fische sterben jährlich an der Verschmutzung. (Quellennachweis 13)

In diesem Zusammenhang wurde schon mal ein totes Seevogeljungtier seziert, in dessen Körper hundert Plastikteile gefunden wurden. Je nach Kunststoffart dauert es zwischen 100 und 500 Jahren (Quellennachweis 14) bis es sich zersetzt und selbst dann kann es noch gefährlich sein, wenn es beispielsweise giftige Substanzen enthält.

Einer Studie zufolge, die von der UNO in Auftrag gegeben worden ist, befinden sich heute bis zu 18.000 Plastikteile auf jedem Quadratkilometer der Meeresfläche. (Quellennachweis 15)

3.3 Müll und seine Folgen

In dreierlei Hinsicht birgt der Plastikmüll ein riesiges und meist tödliches Problem für die Meeresbewohner. Sie verfangen sich nicht nur in den Müllteppichen, sie ersticken an den Verletzungen, die der Müll an ihnen verursacht. Ob die Tiere erdrückt, stranguliert oder zu lange über und unter der Meeresoberfläche gehalten werden – ein Entkommen gibt es für das Gros kaum.

Weiter bergen Plastikteile für Seevögel, Delfine und andere Tiere eine große Gefahr, da sie die Plastikteile für Nahrung halten. Plastik allerdings kann vom Magen nicht verdaut werden. Es füllt den Magen nur aus und versperrt herkömmlicher Nahrung den Zugang. Die Tiere verhungern qualvoll.

Planktongroße Granulatbildung und Auslaugungen, die als mikroskopische Kunststoffteilchen von den Meeresbewohnern im Nahrungszyklus mit aufgenommen werden, bilden Anreicherungen von Schad- und Giftstoffen in den Tieren selbst. Fische beispielsweise erfahren so eine erhöhte Sterberate und eingeschränkte Fortpflanzung. Zusätzlich bedroht der Fisch damit auch uns Menschen, stehen wir doch ganz oben an der Nahrungskette.

Starke Meeresströmungen bewirken, dass größere Teile, wie beispielsweise Autoreifen, wieder in Richtung Strand getrieben werden. Hierbei kann es passieren, dass sie mit Korallenriffen kollidieren und diese dadurch zerstören. Selbst kleine Dinge, wie beispielsweise Kronkorken, können fatale Folgen für Meeresbewohner haben. So fand man in der Kehle eines verendeten jungen Jubarte-Wals drei Kronkorken – an denen der Jung-Wal verhungerte.

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