Soziale Kompetenz: Empathie - Schlüssel zu anderen Menschen

30.04.2009
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Cassandra B.
www.aegypten-geschichte-kultur.de/
  

Empathie bei anderen MenschenEmpathie ist ein wichtiger Schlüssel, um andere Menschen zu verstehen. Die Stärke der Empathie zeigt sich insbesondere in Konfliktsituationen. Menschen, die sich uns gegenüber verschließen, nicht mehr zuhören oder unsere Position ablehnen, werden plötzlich wieder zugänglicher, offener, kooperativer, wenn sie mitbekommen, dass wir uns aktiv bemühen, sie zu verstehen.

Was unter Empathie verstanden wird und wie Empathie funktioniert, erfahren Sie in diesem Artikel.

Jeder kennt die Phrase: "Ich kann Sie wirklich gut verstehen ..." oder "Ja, was Sie sagen, kann ich gut nachvollziehen ...". Oft folgt hinter solchen Phrasen das Wörtchen "aber ...", um dann die eigenen Gedanken oder Überzeugungen zu formulieren.

Solche Verstehensphrasen haben nichts mit Verstehen oder Empathie zu tun.

Was ist Empathie?

Empathie wird mit Einfühlen und Mitfühlen übersetzt. Ein wichtiger Unterschied besteht zwischen Empathie und Mitleid. Sie werden nur allzugerne miteinander verwechselt. Doch dazu kommen wir später. Heutzutage wird Empathie oft synonym zum Begriff der Einfühlung verwendet.

Wer einen empathischen Kontakt zu einem anderen Menschen herstellen will, wird nicht nur die Gefühle und Bedürfnisse des anderen nachvollziehen, sondern auch die damit zusammenhängenden Lebensumstände und Überzeugungen des anderen im Blick haben. Es geht nicht darum wild zu interpretieren, wie es dem anderen geht, sondern sich in seine Situation hineinzuversetzen.

Sehen wir uns ein Beispiel eines empathischen Gesprächs an. Es geht um einen Ausschnitt eines Gesprächs zwischen einem Mann und einer Frau, die eine Beziehung miteinander führen. Zur Situation: die Frau kommt von einer Feier, stark angetrunken und spät nach Hause. Ihr Mann hatte sich schon hingelegt.

  • Vorwurf des Mannes: (stinksauer) "Gestern bist du spätnachts schon wieder besoffen nach Hause gekommen."
  • Frau: "Du ärgerst dich, dass ich gestern getrunken habe, weil du lieber mit mir zusammen gewesen wärst?"
  • Mann: "Nein, wenn du etwas sinnvolles tun würdest, hätte ich nichts dagegen, wenn du auch mit anderen zusammen feiern willst".
  • Frau: "Machst du dir Sorgen, dass ich mit dem Trinken meine Gesundheit ruiniere und dir mein Wohlbefinden wichtig ist".
  • Mann: "Das ist mir natürlich auch wichtig, aber ich ärgere mich darüber, dass ich wegen dir nicht schlafen konnte."
  • Frau: "Du konntest wegen meines Alkoholgestanks nicht schlafen?"
  • Mann: "Genau - und gerade heute habe ich noch einen wichtigen Kundentermin, den ich nicht verseppeln will".
  • Frau: "Du machst dir Sorgen, dass du wegen deiner Müdigkeit nicht aufmerksam genug auf die Wünsche deines Kunden eingehen kannst".
  • Mann: "Genau und deswegen lege ich mich jetzt nochmal eine 1/2 h hin".

Streit ohne EmpathieWas an diesem Beispiel auffällt und ein Klassiker ist - das Gespräch beginnt hier mit einem Vorwurf - dass dem Mann das Trinken der Frau stört. Er formuliert mit dem Vorwurf eine allgemeine Aussage über das Verhalten der Frau, durch zwei Wörtchen: "schon wieder".

Am Anfang des Gesprächs gewinnen wir - als Außenstehende - schon fast den Eindruck, dass er eine Beziehung mit einer Alkoholikerin führt. Doch uns wird im Gesprächsverlauf schnell klar, dass das gar nicht der Fall ist.

Die Frau agiert empathisch, d.h. sie formuliert seine Gefühle (Ärger, Sorgen) und versucht herauszufinden, um was genau es ihm geht. Sie fragt nach seinen Bedürfnissen, also nach dem, was ihm in dieser Situation wichtig ist.

Erst durch ihr Nachfragen wird ihrem Mann bewusst, um welche Bedürfnisse es sich handelt (Schlaf und ein erfolgreicher Kundentermin). Nur indem die Frau eine empathische Verbindung zum Mann schafft, indem sie ihn immer wieder paraphrasierend fragt - kommen beide zu einem befriedigenden Gesprächsabschluss, dem sogar noch eine abschließende Handlung folgt (er legt sich eine 1/2 h lang hin).

Was wäre wohl passiert, wenn die Frau sich gerechtfertigt hätte? Was wäre passiert, wenn die Frau sich selbst die Schuld gegeben hätte (z.B. geantwortet hätte - "Bist du unglücklich mit mir?")? In beiden Fällen wäre das Gespräch in eine völlig andere Richtung gelaufen. Im ersteren Fall - wäre höchstwahrscheinlich ein Streit die Folge gewesen - im zweiten Fall ein Gespräch darüber, was die Frau alles falsch macht ... und was alles so schlecht in der Beziehung läuft.

Wie funktioniert Empathie?

Ein empathischer Kontakt kann erst hergestellt werden, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

1. Den anderen ernst nehmen. Hier handelt es sich um eine wichtige Grundeinstellung. Der andere Mensch will uns nicht ärgern, oder beleidigen, sondern es geht ihm tatsächlich um etwas - für ihn Wichtiges. Auch wenn er das womöglich nicht in einer Form ausdrückt, die uns das nahe legt (womöglich in Form eines Vorwurfs oder einer Beleidigung/Bewertung, z.B.: "Sie sind ein sehr schlampiger Mensch").

2. Sich über sich selbst klar sein. Derjenige, der empathisch agiert, ist sich seiner eigenen Situation, Bedürfnisse und Gefühle bewusst. Er überprüft sich selbst: Fühle ich mich derzeit in der Lage, dem anderen auch zuhören und Empathie geben zu können?

Oder bin ich selbst so müde, erschöpft, gestresst, dass ich mich lieber - bevor ich ein Gespräch führe - erstmal hinlege und mich fit mache. Auch sollen hier Vorbehalte gegenüber dem anderen Menschen bemerkt werden, z.B. "der will ja nur, dass ich ihn bemitleide".

Wer solche Vorbehalte hat, ist nicht in der Lage einen empathischen Kontakt herzustellen. Hier besteht der erste Schritt darin, die eigenen Vorurteile als solche zu erkennen und sich klarzumachen, dass der andere ernst genommen werden will (siehe Punkt 1).

3. Die eigene volle Aufmerksamkeit der anderen Person schenken - deren Lebensumstände, Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen (und ggf. zu paraphrasieren), d.h. eigene Werturteile, Ansichten nicht in das Gespräch miteinzubringen. Denn es geht darum, den anderen zu verstehen. Andere Menschen zu verstehen hat nichts damit zu tun, dass man ihnen zustimmen oder ihre Werte und Überzeugungen teilen muss.

4. Sich Zeit für den anderen nehmen. Der andere soll die Möglichkeit bekommen, sein Anliegen vollständig auszudrücken. Geben wir ihm nicht genug Zeit, so kann es schnell passieren, dass er sich gehetzt oder übergangen fühlt. Wenn er nicht all seine Gefühle und Bedürfnisse aussprechen kann, lassen wir ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit unzufrieden zurück.

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