Kinder gehen sehr offen auf Menschen zu, unabhängig von Hautfarbe oder sonstigen Besonderheiten. Besonders gut lässt sich das im Umgang mit Behinderten beobachten.
Wo Erwachsene oft wegsehen, sehen Kinder hin, denn das Ungewöhnliche weckt ihre Aufmerksamkeit.
Kinder bilden sich keine vorgefassten Meinungen. Viele Eltern dürfte die Erfahrung gemacht haben, dass sich ihr Kind für Dinge interessiert, vor denen sich ein Elternteil gruselt, z.B. eine Spinne in die Hand zu nehmen oder Mistkäfer mit nach Hause zu bringen, wegen der "schön-schillernden Farben".
Kinder bieten damit ungewollt ihren Eltern die Chance sich zu beobachten und herauszufinden, wo Vorurteile bestehen. Die Gelegenheit sich als Eltern darüber bewusst zu werden, mag dazu dienen eigene Vorurteile kritisch zu hinterfragen oder sogar abzubauen.
Das hängt in diesem Kontext vor allem mit ihrem momentanen Interesse zusammen, das sehr schnell - zumindest aus den Augen der Erwachsenen - wechseln kann.
Ein Beispiel mag diesen Punkt verdeutlichen: Eltern gehen mit ihrem 5-jährigen Sohn zum Zoo. Sie wollen dem Kleinen die vielen verschiedenen Tiere zeigen.
Schon kurz hinter dem Eingang des Zoos weckt ein Tor, das wie von unsichtbarer Hand gesteuert wird, das Interesse des Kindes. Es will wissen, wer dieses große und schwere Tor bewegt. Nach einer 1/2 h Beobachtung und vielen Fragen ist das Kind zufrieden und setzt mit den Eltern zusammen seinen Weg fort.
Viele Eltern dürften mit ähnlichen Situationen genügend Erfahrungen gesammelt haben. Sie bereiten einen Ausflug vor oder sprechen ein Thema an, doch die Aufmerksamkeit und Fragen des Kindes gehen in eine etwas andere Richtung. Doch sie sind nicht themenverfehlt, sondern eben von seinem individuellen Interesse geleitet. Ihr Interesse lässt sich nur nicht genau vorhersagen.
Kinder lernen an ihren Vorbildern, also Menschen, die sie bewundern. Doch Konkurrenz im Sinne - "ich lerne, um besser als andere zu sein" - oder - "ich muss immer Erster sein" - ist ihnen fremd.
Sie lernen, um sich zu perfektionieren, um etwas selbst - von sich aus - besser zu machen. Kinder beobachten das Verhalten anderer Menschen, nicht aber ihre Defizite. Sicherlich lässt sich beobachten, dass Kinder andere Kinder als "dumm" bezeichnen. Doch das geschieht nicht im Kontext eines Qualitätsurteils, sondern meist im Kontext einer Streitsituation (z.B. wird "dumm" als allgemeines Schimpfwort gebraucht).
Kinder haben noch kein Konzept über Leistung oder Leistungserfolge. Selbst viele Kinder, die schon in der Grundschule sind, v.a. in der ersten Klasse, haben kaum einen Bezug zu Noten.
Sie lernen, weil es ihnen Spaß macht, weil sie Lust haben etwas herauszufinden und sich eigen zu machen. Sie werden Situationen, in denen sie Unlust und Widerwillen verspüren, vermeiden.
Auch wenn Kinder eine gute Beziehung zur Bezugsperson haben, sind sie bereit viel aufzunehmen und sich intensiv zu engagieren.
Kinder haben noch keine Lernziele im Sinne der Erwachsenen. Sie haben ihre eigenen erfüllbaren Zwecke, die sich von denen der Erwachsenen unterscheiden.
Erst in der Schule lernen sie anders zu lernen. Der Wissensdurst von Kindern kommt von der Notwendigkeit, sich in der eigenen Umwelt zurecht finden zu wollen. Erst später werden sie Spezialgebiete wählen, denen sie sich intensiv und geplant widmen.
Belehrbar sind Kinder nicht, doch sie können lernen und andere Erfahrungen machen. Wenn wir Kinder darin unterstützen, ihren eigenen Lernweg zu gehen, können wir beobachten, welche persönlichen Strategien sie einsetzen. Wir können beobachten, wie sie mit Fehlern umgehen, welche Antworten sie finden und wo sie uns brauchen. Eltern haben hier eine einzigartige Chance sich selbst über die vielen wunderbaren Dinge in der Welt wieder bewusst zu werden, andere Perspektiven einzunehmen und wieder mehr zu spielen.
Viel Freude beim gemeinsamen Lernen mit Ihren Kindern!
Wert 4.7 |
Thema: 4.8 | Information: 4.4 | Verständlichkeit: 4.8 |
| Stimmen: 5 | Legende: 5: super - bis 1: erträglich |
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