"Einfach ist oft besser!", heißt hier die Devise. Außer über eine, dem Zweck angepaßte Abstufung, soll das Schaltgetriebe eines Geländewagens über ein Vorgelege (Gelände- Kriechgänge) verfügen. Ansonsten ist es besser, Sie beachten die Litanei der angeblichen Vorteile der modernen High-Tech nicht weiter, die Ihnen vielerorts vorgebetet wird. Altertümliche, oft nicht einmal synchronisierte Getriebe, sind für Geländefahrzeuge immer noch am besten geeignet. Jeder noch so vehement angepriesener Vorteil moderner High-Tech-Getriebe, kehrt sich leicht in sein Gegenteil. Wer beispielsweise irgendwo zwischen Tanger und Tamanrasset hilflos vor solch einem defekten Getriebe steht, wird es wohl kaum mehr instandsetzen können.
Der gröbste Fehler wäre es, sich ein Automatik-Getriebe andrehen zu lassen. Es ist schwierig ein mit Automatik-Getriebe ausgerüstetes Fahrzeug anzuschleppen oder anzuschieben. Außerdem hat diese Art von Getriebe gewisse Eigenschaften, die für einen Geländewagen untragbar sind. Zur Erklärung sei erwähnt, daß es im Gelände viele unterschiedliche Situationen gibt, bei denen auch unterschiedliche Taktiken anzuwenden sind.
In einigen Situationen muß versucht werden das Fahrzeug auf Geschwindigkeit zu bringen und dann: "Mit Schmackes durch!". Bei dieser Gegebenheit wirft das Automatik-Getriebe wenig Probleme auf. Jedoch gibt es auch andere Situationen - beispielsweise das Anfahren in einer Steigung im glitschigen Schlamm, Schnee, Eis oder lockeren Sand. Hier gibt es nur die Möglichkeit die Räder möglichst langsam in Drehung zu versetzen und dies auch noch ruckfrei! So etwas ist mit einem Automatik-Getriebe unmöglich!
Jetzt wird so mancher Einfallspinsel sofort tönen: "Heute gibt es doch Antischlupf!" Sicherlich, so etwas gibt es. Dennoch: Besagter Schlaumeier solle doch bitteschön die Güte aufbringen, mir zu erklären, wie am Hindukusch oder in der Arktis die nötigen Elektronikbauteile ausgetauscht werden sollen.
Hier herrscht ein, durch Werbung und Medien oft geförderter Irrglaube: die Leistung wäre alles. So mancher Zeitgenosse wird glauben an Halluzinationen zu leiden, wenn auf einer schwierigen Geländestrecke ein betagter Gelände-Oldtimer mit lächerlich anmutender Motorleistung seinem PS-Giganten davon fährt.
Natürlich sollte die Stärke der Maschine ausreichend sein, jedoch monströse Motorleistungen sind nicht unbedingt erforderlich. Wesentlich wichtiger ist es, Getriebe-Untersetzung und Gang-Abstufung, optimal dem Motor anzupassen. Es sei noch erwähnt, daß die Kupplung eines Geländewagens besonders starken Belastungen ausgesetzt ist und entsprechend ausgelegt sein muß. Eine Wandler-Kupplung (wie beim Hanomag R455 ATK) wäre empfehlenswert.
Der Motor eines Geländewagens muß folgende Kriterien erfüllen:
Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten, wie uns die Konzerne gerne einreden würden. "Von der Stange" ist so gut wie nichts zu bekommen, was einigermaßen geeignet erscheint. Will man einen wirklich guten Geländewagen, müßte man ihn von Grund auf selber bauen. Da sehr viele allerdings nicht über diese Möglichkeit verfügen, zähle ich jetzt einige der Fahrzeuge auf, die als Basis für einen Umbau zum richtigen Geländewagen in Frage kommen.
Willys MB Jeep
Er ist als sehr leichtes Fahrzeug, einigermaßen brauchbar. Der Anbau eines Überroll-Bügels ist unbedingt erforderlich. Der Einbau eines Dieselmotors (z.B.: /8er DB oder Peugeot) wäre von Vorteil. Spätere Modelle von Jeep sind nicht besser geeignet, nur anfälliger.
Bei dieser Gelegenheit, möchte ich mit der Mär aufräumen, der Jeep wäre der erste Geländewagen gewesen. Sicherlich war er brauchbar. Jedoch brauchbare Geländewagen wurden schon wesentlich früher gebaut.
Der erste Wagen dieser Art wurde schon 1907 (sic) gebaut: Der "Dernburg-Wagen" von der Daimler-Motoren-Gesellschaft. Im 1. WK verfügten schon viele Beteiligte über bemerkenswert einsatzfähige Geländefahrzeuge.
Der Jeep wurde allerdings mit Sicherheit der bekannteste Geländewagen, aber so ein Fahrzeug ist sehr schwer aufzutreiben bzw. sehr teuer. Zumal es wirklich schade wäre, einen solchen echten Oldtimer nicht historisch korrekt zu restaurieren, sondern völlig umzubauen. Es empfiehlt sich daher eher, sein Augenmerk auf diverse Nachbauten zu richten.
Hotchkiss M-201 / JH-102 / JH-102D / HWLD
Dieses Fahrzeug ist klar als französischer Jeep-Nachbau zu erkennen. Ähnlich sind auch seine Charaktereigenschaften. Letztere beiden Versionen sind sogar mit einem Dieselmotor ausgerüstet. Ein nachträglicher Einbau eines robusten Peugeot-Diesel-Motors ist bei allen Modellen auf alle Fälle überlegenswert. Dieser Wagen ist mit etwas Glück, bei Versteigerungen von französischen Armee-Beständen oder bei diversen Ex-Army-Händlern, einigermaßen günstig zu erwerben.
Mitsubishi CJ3B-J10 / CJ3B-J11 / J3R / "Pajero"(1973)
Auch in Japan wurde der Willys MB Jeep kopiert. Diese Fahrzeuge von Mitsubishi unterscheiden sich vom Vorbild, äußerlich hauptsächlich durch eine etwas höhere Motorhaube, da der japanische Motor etwas höher geraten ist. Die ersten Varianten wurden niemals nach Deutschland exportiert, jedoch an einige Länder Centro- und Süd-Amerikas geliefert. Da die japanische Armee diese Fahrzeuge immer noch im Einsatz hat, kann es sogar sein, daß sie noch produziert werden. Eine nachdrückliche Anfrage bei Mitsubishi Japan müßte zum Erfolg führen.
GAZ/66, GAZ/69 M, GAZ/69AM
Diese Fahrzeuge entsprechen am ehestem dem, was man wirklich als Geländewagen bezeichnen kann. Manko: Der russische Benzinmotor hat einen enorm hohen Treibstoffverbrauch. Diese Fahrzeuge kann man jedoch verhältnismäßig einfach, mit dem Benz-Diesel des "Strich-Achters"(/8) umrüsten. Auch sind diese Fahrzeuge noch verhältnismäßig günstig zu bekommen.
HUMVEE (Hummer)
Das ist etwas für denjenigen, der etwas mehr investieren möchte. Die Grundidee der Konstruktion dieses Fahrzeuges hat etwas für sich: Tiefer Schwerpunkt und große Bodenfreiheit zu kombinieren, ist im Gelände sehr vorteilhaft. Oft hat man ja bei derartigen Fahrzeugen das Problem: Große Bodenfreiheit und zu hoher Schwerpunkt (Unimog) oder tiefer Schwerpunkt, jedoch zu geringe Bodenfreiheit (Land Rover).
Abgesehen vom extrem hohen Preis, hat dieses Fahrzeug, trotz der großen Fan-Gemeinde, mehr Nachteile, als Sie sich vorstellen können. Dieser Wagen ist lediglich als Basis für einen Total-Umbau zu gebrauchen. Vor allem muß das Automatik-Getriebe durch ein robusteres Schaltgetriebe und der Motor durch einen wesentlich robusteren und reparaturfreundlicheren Diesel ersetzt werden. Auch die gesamte Elektrik/Elektronik taugt nicht einmal als Fischfutter. In gebirgigen Gegenden oder Wegengstellen ist der Wagen schlicht zu breit.
Sollte man dennoch den Schritt wagen, ein derartiges Fahrzeug umzubauen, empfiehlt es sich, nur die Militär-Version zu verwenden. Die Zivil-Version ist völlig unbrauchbar. Die Militär-Version ist sehr schwer zu bekommen. Das gelingt meist nur mit Hilfe allerlei Tricks, guten Beziehungen und sehr viel Kleingeld.
Mercedes Benz (Wolf) G
Dieser Wagen ist, trotz seines Einsatzes bei der Bundeswehr, leider nicht so gut, wie sein Ruf. Als Geländewagen ist er nur bedingt geeignet: zu anfällig, zu filigran, zu wenig Bodenfreiheit. Für einen Total-Umbau ist er als Basis geeignet, aber wie der Hummer unverhältnismäßig teuer.
Land Rover
Er ist eine Legende und bestimmt so bekannt wie der Jeep. Die Alu- Karosserie bringt zwar Vorteile, jedoch auch Nachteile. Abgesehen von einem Stabilitäts-Manko ist auch an allen Verbindungen zwischen Alu-Karosse und anderen Metallen mit Alu-Fraß zu rechnen. Abgesehen von zu geringer Bodenfreiheit, muß sich der Besitzer auf eine wandelnde Dauer-Baustelle einstellen. Fazit: Nur bedingt tauglich!
Toyota Land Cruiser J4
Dieses Fahrzeug erinnert zwar vehement an den Land Rover, es ist aber wesentlich besser. Im Gegensatz zu ihm, sind seine Nachfolger völlig unbrauchbar! Vor allem in der Diesel-Version ist er ein durchaus verwendbares Arbeitstier und wurde nicht ohne Grund in vielen Ländern der dritten Welt, als "Busch-Taxi" eine Legende. Leider ist er nur noch zu Liebhaber-Preisen zu bekommen.
Lada Niva
Dieses Fahrzeug wird oft nicht einmal als Geländewagen bezeichnet. Dennoch hat er diese Bezeichnung eher verdient, als viele wesentlich großspuriger angebotenen Fahrzeuge. Er ist robust, geländegängig und leicht instand zu setzen. Mit einigen Umbauten hat man ein passables Geländefahrzeug.
Manko: Die Scheibenbremsen sind ein Schwachpunkt. Besser wären etwas größer dimensionierte Trommelbremsen. Der Benzin-Motor hat einen enorm hohen Verbrauch und sollte durch einen Diesel ersetzt werden. Eine späte Version gab es allerdings serienmäßig mit einem Peugeot-Diesel, was keine schlechte Wahl war.
DKW Munga
Das langjährige Arbeitspferd der Bundeswehr ist von der Gesamtkonstruktion her ein brauchbarer Geländewagen. Der einziger Fehler: der Zweitackt-Motor. Hier sollte eine leichte, aber drehmomentstarke Maschine anderer Bauart eingebaut werden. Der Motor des Opel Kadett erwies sich als passend und robust, war aber etwas schwach. Der Motor des 100er Audi paßt recht gut, wenn man den Kühler etwas vorverlegt. Er ist aber etwas zu schwer.
DAF YA126
Dieses Fahrzeug ist zwar hierzulande nicht besonders bekannt, doch sollte man es nicht unterschätzen. Unsere unmittelbaren Nachbarn produzierten mit ihm ein recht brauchbares Geländefahrzeug. Bei diesem Wagen wird mit Hilfe der beiden, auf beiden Seiten etwa mittig, drehbar angebrachten Ersatzräder, ein Aufsetzen verhindert. Dieses Prinzip wurde schon erfolgreich von der deutschen Wehrmacht verwendet. Auch sonst ist der Wagen recht geländegängig und robust. Mit einigen Nachbesserungen kann man daraus einen durchaus verwendbaren Geländewagen machen. In den Niederlanden kann man, mit etwas Glück, so ein Fahrzeug zu halbwegs erschwinglichen Preisen ergattern.
UNIMOG
Dieses Fahrzeug zeichnet sich durch eine durchaus respektable Geländegängigkeit aus, hat jedoch viele Mängel: Zu hoher Schwerpunkt (kippt leicht), zu filigran und empfindlich, völlig verbaut (das heißt: im wirklichen Einsatz, nur sehr schwer mit zur Verfügung stehenden Mittel instand zu setzen). Als Basis für einen Total-Umbau ist er gut zu gebrauchen. Allerdings sind selbst Gebraucht-Fahrzeuge in mäßigem Zustand recht teuer.
ROBUR LO 2002 A
Dieses Fahrzeug war der DDR-Zwilling des Unimog. Er unterscheidet sich dadurch, daß der Motor wesentlich robuster ist, als der Benziner des Unimog. Auch ist er reparaturfreundlicher aufgebaut. Das Umrüsten auf einen Deutz-Diesel ist anzuraten.
Hanomag AL-28
Unter Afrika-Tourern ist dieses Fahrzeug nicht ohne Grund sehr beliebt. Er ist etwas langsam, das Verteiler-Getriebe etwas schwach und Differential-Sperren sollten unbedingt eingebaut werden. Ansonsten ist er extrem zuverlässig, leicht instand zu setzen und mit fast jeder Art von Treibstoff zufrieden. Der Motor ist einer der robustesten dieser Bauart. 2 Millionen km (sic) auf der ersten Maschine sind durchaus möglich. Von Vorteil ist auch der Umstand, daß bei diesem Oldtimer Ersatzteile bei vielen Expeditions-Ausrüstern immer noch zu bekommen sind. Auch ist das Fahrzeug zu vernünftigen Preisen zu haben.
IFA W50 Allrad
Dieses Fahrzeug wird wahrscheinlich, im Laufe der nächsten Jahre, den Hanomag AL-28 in der Szene der Afrika-Tourer ablösen. Er ist robust, zuverlässig, reparaturfreundlich. Manko: Schwaches Lenk-Getriebe (sollte durch MAN-Lenk-Getriebe ersetzt werden), Motor nicht vollgasfest (sollte durch Deutz-Maschine ersetzt werden).
Magirus-Deutz Jupiter, Magirus-Deutz Uranus
Sehr zuverlässige und robuste Geländefahrzeuge. Die Geländegängigkeit ist zwar etwas mangelhaft, der Motor ist jedoch sehr gut, d.h. sehr wartungs- und reparaturfreundlich.
MAN /KAT 8x8
Optisch ein durchaus beeindruckendes Fahrzeug. Nachteil: Etwas zu reparaturunfreundlich und zu anfällig. Nur bedingt geeignet!
Tatra 813
Extrem geländegängiges und robustes Fahrzeug. Leider ist sein Verbrauch, mit 65 bis 250 Liter per 100 km, doch etwas hoch.
Tatra 815/8x8 und /12x12
Dieses Fahrzeug ist, in der 8x8 - Klasse, besser geeignet als der MAN/KAT. Hier sind lediglich viele Kleinigkeiten zu verbessern. Mit ihm wurde wiederholt die Paris-Dakar-Rallye gewonnen. Dieses Fahrzeug ist extrem geländegängig, hat jedoch einen etwas hohen Treibstoffverbrauch.
Ural 375 D 6x6
Das dieser Wagen etwas taugt, erahnt man, wenn man bedenkt, daß deren Fahrer, bei internationalen Truck-Trial-Veranstaltungen, regelmäßig die Sieger-Tribüne zieren. Bei diesem Fahrzeug sind viele Details zu ändern, ansonsten bietet es eine hervorragende Basis für einen wirklich verwendungsfähigen Geländewagen. Die Konstruktion ist genial.
Lediglich die typisch russischen Manko sind zu beachten: Schlampige Verarbeitung und teilweise schlechtes Material. Letzteres wird in vielen Fällen durch die besonders massive Bauart ausgeglichen. Dieser Wagen nimmt einem nicht viel krumm und ist leicht instand zu setzen. Für ein Fahrzeug dieser Gewichtsklasse ist der Preis recht moderat. Allerdings ist auch dieser Wagen recht durstig.
Diese Angaben sollen lediglich eine Orientierung bieten und erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Es gibt immer wieder den Augenblick, in welchen man irgendwo ein Fahrzeug entdeckt und plötzlich weiß: "Das ist es!" Etwas Initiative und technisches Verständnis ist natürlich erforderlich. Wer wirklich ins Gelände will, besitzt so etwas oder sollte es sich zumindest zulegen. Also: "Augen zu und durch!"
Viel Spaß im Gelände!
Wert 4.5 |
Thema: 4.5 | Information: 4.5 | Verständlichkeit: 4.5 |
| Stimmen: 2 | Legende: 5: super - bis 1: erträglich |
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