| Peter Schipek: | Viele Kinder sprechen gar nicht mit den Eltern über ihre Ängste. Wie können denn Eltern ihren Kindern mögliche ängstigende Erfahrungen aus der Schule entlocken? |
| Rabea Rentschler: | Das ist von Kind zu Kind natürlich sehr verschieden. Eltern sollten sich regelmäßig Zeit nehmen über den Schulalltag zu sprechen. Nur wenn sie auch sonst am Schulleben ihres Kindes Interesse zeigen, wird es in Konfliktsituationen mit ihnen reden. Besteht Grund zur Sorge, sollten Eltern ihr Kind beobachten:
Meidet es plötzlich bestimmte Klassenkammeraden, den Sportunterricht oder verliert es die Freude an einem bestimmten Fach – dann sollte einfühlsam genauer nachgeforscht werden. Druck hilft hier nicht weiter. |
| Peter Schipek: | Manche Lehrer entmutigen oder kränken sogar ihre Schüler und verstärken damit die Unsicherheit und Ängste der Kinder. Was können Eltern dagegen unternehmen? |
| Rabea Rentschler: | Das ist eine schwierige Situation. Es nützt nichts, die Fronten zwischen Schüler und Lehrer noch zusätzlich zu verhärten.
Eltern sollten das angeschlagene Selbstwertgefühl ihres Schützlings durch viel Lob gezielt wieder aufbauen. Hält die angespannte Situation zwischen Schüler und Lehrer an, sollten sie darüber mit dem betreffenden Lehrer sprechen. Am besten ist jedoch, wenn das Kind das zunächst selbst versucht. Traut es sich das nicht, kann es dem Lehrer einen Brief schreiben, in dem es erklärt, wie er seine Gefühle verletzt hat. So hat der Lehrer die Chance ein Verhalten, das ihm vielleicht gar nicht bewusst ist, zu ändern und sich zu entschuldigen. |
| Peter Schipek: | Wie tolerant sollen Eltern sein, wenn ihre Kinder aus Angst die Schule schwänzen? |
| Rabea Rentschler: | Beim Schuleschwänzen hilft nur eins: Null Toleranz. Auch wenn anfangs oft nur Abenteuerlust dahinter steckt, sollten Eltern und Lehrer hier keine Ausnahmen machen. Derzeit nimmt die Zahl der Schulschwänzer in Deutschland ständig zu, und zwar in allen Altersgruppen. Kinder und Jugendliche müssen da von Anfang an lernen, das Schwänzen kein harmloser Streich ist.
Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass regelmäßiges Fehlen nicht nur Folgen für den beruflichen Werdegang hat: Etwa die Hälfte der regelmäßigen Schwänzer entwickelt mit der Zeit auch psychische Störungen wie etwa soziale Ängste oder Depressionen. Kinder, die aus Angst schwänzen, brauchen Hilfe. Doch die Angst können sie nur da wieder verlernen, wo sie entstanden ist – in der Schule. |
| Peter Schipek: | Viele Kinder und Jugendliche nehmen Medikamente gegen Angst, Stress und Hyperaktivität. Behandeln wir damit nur Symptome? Liegt darin nicht die nächste Gefahr? |
| Rabea Rentschler: | Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Medikamente sind jedoch gewiss nicht der erste Schritt. Zunächst müssen Eltern gemeinsam mit spezialisierten Therapeuten die Ursachen der Angst klären. Meist hilft eine ambulante Verhaltens- oder Familientherapie schon viel weiter.
In den allermeisten Fällen ist eine medikamentöse Behandlung bei Schulangst oder Schulphobie nicht nötig. |
| Peter Schipek: | Viele Eltern fragen sich, was sie tun können, um diese Schulängste zu vermeiden. Welchen Rat können Sie diesen Eltern geben? |
| Rabea Rentschler: | Im Wesentlichen sollten Eltern vier Punkte beherzigen:
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| Peter Schipek: | Frau Rentschler, herzlichen Dank für das interessante Gespräch. |
Rabea Rentschler bringt seit September 2006 ihr vergleichsweise "exotisches" Hintergrundwissen als frischgebackene Theologin und Philosophin in die Redaktion ein. Ihr liegt die Sorge um die Seele natürlich besonders am Herzen, auch im Dialog von Glaube und Wissenschaft. Gemäß ihres Lieblingszitats: »Nicht Gott ist relativ, und nicht das Sein, sondern unser Denken« (Einstein).
Gehirn&Geist – Oktober 2007
"Wenn die Schulbank drückt"
Gerd Lehmkuhl und Rabea Rentschler
Bauchweh, Unlust - oder Schulangst? -
Wie man Warnsignale richtig deutet und Kindern die Furcht vor dem Unterricht nimmt
Helfen Sie Ihren Kindern!
Peter Schipek
Wert 4.8 |
Thema: 4.8 | Information: 4.8 | Verständlichkeit: 4.8 |
| Stimmen: 4 | Legende: 5: super - bis 1: erträglich |
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