Ganzheitlich leben: Das Kopf-Herz-Hand-Prinzip (Pestalozzi)

12.12.2007
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Petra Sütterlin
www.philognosie.net

Herz (Emotionalität - Distanzierung und Reifung - Löwenherz)

Rabäääähhh ... Wir weinen hemmungslos, wenn uns danach ist. Und solange wir noch nicht sprechen können, bleibt uns auch nichts anderes übrig als zu schreien, wenn uns der Bauch bläht oder wir Hunger haben. Ganz natürlich reagieren wir auf unsere Sinneswahrnehmungen und Gefühle - unser Eis wollen wir jetzt und sofort.

Gefühle können sich schnell ändern. Wer sich schon mal 1 Minute lang vor dem Spiegel angelächelt hat, weiß, dass man dabei nicht lange sauer, verärgert, traurig bleiben kann. Doch wir entwickeln auch Gewohnheiten - "iiiii Spinat mag ich nicht".

Spätestens in der Schule lernen wir, dass wir nicht jedem Gefühl sofort nachgehen können. Wir lernen still zu sitzen, am Unterricht teilzunehmen und erst in der Pause herumzutoben.

"Hand aufs Herz: Wenn das Herz "online" geht, wird der Verstand meist auf "Stand-by" geschaltet." (Andrea Koßmann - 1969)

Wir können Hitzkopf sein, wir können aber auch unsere Gefühle entwickeln, wie wir unseren Verstand entwickeln oder anders gesagt: Unsere Gefühle, bzw. unser Gefühlsausdruck kann reifen. Aggressionen z.B. können primitiv, durch Zerschlagen des Mobiliars oder konstruktiv, durch engagiertes Verfechten der eigenen Meinung ausgelebt werden.

Ein paar Empfehlungen zu anregenden Texten zum Thema "Gefühle":

Gefühle können wir sofort ausleben. Wir können aber auch lernen uns von ihnen zu distanzieren, ohne sie zu unterdrücken, d.h. uns mit ihnen entwickeln. Erst kommt die Arbeit, dann das Vergnügen. Wir können mit uns verhandeln, dass wir erst das Notwendige tun oder den Abwasch machen und uns danach etwas gönnen. Denn:

"Das Herz ist der Schlüssel der Welt und des Lebens." (Novalis 1772 - 1801)

Richard Löwenherz

Gefühle machen unser Leben bunt. Sie sind der Motor unserer Handlungen. Durch Vernunft lenken wir unsere Gefühle, bestimmen wir die Richtung unseres Handelns und damit unseres Lebens.

Gefühle sind unabdingbar für jeden, der sein Leben bewusst gestalten, oder auch nur ein verständnisvolles Gespräch führen will. Um uns in einen anderen Menschen einfühlen zu können, müssen wir uns von unseren Gefühlen distanzieren, um die Gefühle unseres Gegenübers wahrnehmen zu können. Gelingt uns das nicht, fühlen wir nur uns selbst.

Um Großes zu erreichen, um uns unseren Lebenstraum zu erfüllen, brauchen wir die Kraft des Herzens. Die Begeisterung kann uns auch über Tiefschläge hinweg bei der Sache halten, an der wir unser Herz gehängt haben. Mit dem Herz eines Löwen kämpfen wir für unser Ziel.

"Über das Herz zu siegen, ist groß, ich verehre den Tapferen, aber wer durch sein Herz siegt, er gilt mir noch mehr." (J. C. Friedrich von Schiller - 1759 - 1805)

(Anmerkung: zum Löwenherz, dem tapferen Herzen, siehe auch Grimms Wörterbuch)

Hand (Lehrling - Geselle - Meister)

Rabäääähhh ... Wir strampeln mit den Beinchen und wedeln mit den Ärmchen. Mit zwei "linken" Händen werden wir geboren und über unsere eigenen Beine stolpernd, erobern wir krabbelnd unsere kleine Welt.

Wenn das Essen im Bauch bläht, schreien wir und Mama streichelt uns die Blähungen weg. Wenn wir Hunger haben, schreien wir und Mama gibt uns die Brust. Erst allmählich kommt die Zeit, in der wir selbst für unser Leben sorgen. Wir legen Hand im Haushalt an und üben mit dem ersten Taschengeld und das ist all zu oft schnell verbraucht.

Die ersten Jahre sind sozusagen unsere Lehrlingszeit. Wir leben bei unseren Eltern und lernen Jahr für Jahr unabhängiger von ihnen zu werden, um selbst für uns sorgen zu können.

In unseren Gesellenjahren zeigen wir, dass wir selbst für uns sorgen und eine Familie ernähren können. Wir leben von der Hand im Mund oder machen etwas, das Hand und Fuß hat. Wir halten das Ruder fest in der Hand.

"Alle Fäden in der Hand halten." (Deutsches Sprichwort)

Wir arbeiten in unserem Beruf und machen unsere Tatkraft zu Geld, das wir wiederum eintauschen für alles, was wir für unser Leben brauchen (und für Geld bekommen können).

"Wenn der Bauer nicht muss, rührt er weder Hand noch Fuß." (Deutsches Sprichwort)

LebkuchenherzenWir geben uns damit zufrieden, dass wir gut über die Runden kommen und uns auch etwas nebendran leisten können. Oder wir machen unseren Meister.

Als Meister haben wir unser Leben selbst in die Hand genommen. Wir managen uns selbst. Wir entwickeln die Tatkraft eines Terminators, die Körper"beherrschung" eines Bruce Lee, Akrobaten oder Spitzensportlers oder backen unsere eigenen Brötchen, wie der älteste Nürnberger Lebkuchenbäcker Lebkuchen-Schmidt. Nichts und niemand kann uns aufhalten.

Alle drei Bereiche: Kopf, Herz und Hand sind sprichwörtlich. Ob uns das Herz zu Kopf steigt, wir in den Beinen haben, was wir nicht im Kopf haben, dafür Flausen im Kopf haben, wir das Ruder fest in der Hand, wir das Herz am rechten Fleck haben ... Schon 4 v. Chr. sagte Seneca: Eine Hand wäscht die andere.

Wir brauchen alle drei Bereiche: Kopf, Herz und Hand. In einem erfüllten Leben sind alle drei Bereiche entwickelt und im Einklang miteinander.

"Der, der mit seinen Händen arbeitet, ist ein Arbeiter. Der, der mit seinen Händen und mit seinem Kopf arbeitet, ist ein Handwerker. Der, der mit seinen Händen, seinem Kopf und seinem Herzen arbeitet, ist ein Künstler." (Franz von Assisi - 1182 - 1226)

... ein Lebenskünstler!

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von Petra Sütterlin

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