Die Lust erwecken

05.05.2002
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Kate Book
  

Ist Sex für Sie die "schönste Nebensache der Welt"? Ist ein Orgasmus für Sie ein überwältigendes, erdbebengleiches Erlebnis?
Nicht? Hm, so allein stehen Sie damit nicht. Aus Filmen, Büchern und anderen Medien erhalten wir oft ein Bild, das sich mit unserem Erleben nicht deckt. Das ist aber nicht verwunderlich, denn genauso wie andere anspruchsvolle Tätigkeiten braucht eine erfüllte Sexualität Übung, Aufmerksamkeit und kognitive Reflexion. Und dafür können Sie selbst schon sehr viel tun!

Wir wollen Ihnen hier einige Anregungen geben, wie Sie Ihre Freude und Empfindungsfähigkeit in der Sexualität steigern können.
Ein häufiger Irrtum besteht darin, die erfüllte Sexualität vom Partner abhängig zu machen. Sicher, es kann sein, dass Ihnen manches leichter fällt, wenn Ihr Partner mitmacht, aber erstens gibt es vieles, das Sie selbst - unabhängig vom Partner - tun können und zweitens können auch Sie der- bzw. diejenige sein, der den Kick gibt und neue Möglichkeiten eröffnet!

Atmen

Die Stärke des Orgasmus hängt unter anderem mit der Lockerheit des Körpers und dem freien Fließen des Atmens zusammen. Viele Menschen halten kurz vor oder während des Orgasmus die Luft an oder atmen flach und unterbrechen damit den Fluss der sexuellen Energie. Die tiefe Bauchatmung ist für jede Energie verbrauchende Tätigkeit und damit auch für die sexuelle Aktivität die geeignetste.

Versuchen Sie es zunächst allein. Legen Sie sich auf den Rücken, legen Sie die Hände auf den Bauch und fühlen Sie, wie er sich beim Einatmen unter den Händen ausdehnt. Erst dehnt sich der Bauch, dann die Brust. Zum tiefen Einatmen gehört natürlich auch ein vollständiges Ausatmen. Dabei sinkt erst die Brust und dann der Bauch wieder ein.

Achten Sie auch im Alltag auf diese tiefe Atmung. Um sich daran zu gewöhnen, ist es eine gute Idee, sich täglich ein paar Minuten für diese Übung zu nehmen. Sie lässt sich auch gut mit anderen Körperübungen kombinieren.

Versuchen Sie diese Atmung dann während der sexuellen Vereinigung und bei steigender Erregung beizubehalten. Ihre Empfindungsfähigkeit, die Stärke des Orgasmus, wie er kommt und geht, wird sich dadurch sehr verändern.

Erweitern Sie die tiefe Bauchatmung, indem Sie bis in die Genitalien atmen. Stellen Sie sich vor, dass ein heller, silbrig schimmernder Kanal von Ihrer Nase durch den ganzen Körper bis zu den Genitalien verläuft. Versuchen Sie den Kanal so klar wie möglich vor sich zu sehen.
Stellen Sie sich vor, dass Sie in diesen Kanal Luft einblasen können, die bis zu den Genitalien strömt, den Kanal erweitert und reinigt, und schließlich vibrierend die Genitalien erfüllt. Durch diese Atmung werden Sie die Empfindungsfähigkeit Ihrer Genitalien deutlich verstärken.

Den ganzen Körper wecken

Häufig ist das Wesentliche am Sex für uns die Stimulierung der Geschlechtsteile und anschließend die Befriedigung der Erregung. Wir können den Drang zur Befriedigung kaum aufschieben, weil wir die Erregung nicht frei fließen lassen können, weil wir es nicht gewohnt sind, mit der Intensität umzugehen. Hierfür ist wieder das tiefe Atmen ein Schlüssel. Mit etwas Übung kann man so eine Art "Ganzkörperorgasmus" erleben, bei dem die Energie im Körper verteilt wird, im Unterschied zu dem schnellen Entladen lediglich im Geschlechtsbereich.

Eine gute Übung, um den ganzen Körper zu erwecken und in die sexuelle Lust mit einzubeziehen, ist, ihn berührend zu erforschen.
Beginnen Sie am besten bei sich selbst. Wenn Sie Streicheln und Zärtlichkeit an sich selbst erproben, sind Sie meist weniger abgelenkt und haben mehr Ruhe und Zeit, sich wirklich auf die Empfindung einzulassen. Zusammen mit dem Partner mag dies erst einmal durch Gedanken wie: "Gefällt ihm/ihr das wirklich?", "Was denkt er/sie jetzt"? durchbrochen werden. Sie entdecken bei sich selbst, was angenehm ist, und bekommen auch ein Gefühl dafür, was der Partner empfinden mag.

Streichen Sie mit einem Finger der Hand über alle Ihre Körperteile, die Sie erreichen können. Versuchen Sie wahrzunehmen, wie der Finger den Körper und der Körper den Finger spürt. Fragen Sie sich, welche Körperteile besonders gern berührt werden und ob sie vielleicht während des Geschlechtsverkehrs überhaupt nie berührt werden.

Wenn Sie Ihren Körper solcherart erforscht haben, streicheln Sie ihn überall sanft mit beiden Händen. Das Streicheln soll langsam und zart sein, als wollten Sie sich entspannen und beruhigen. Versuchen Sie den Unterschied festzustellen zwischen einer Berührung um der Berührung willen und einer Berührung, die erregt. Die Genitalien werden wie jeder andere Körperteil behandelt, weder wird ihnen besondere Aufmerksamkeit gezollt, noch werden sie vernachlässigt.
Lassen Sie sich wirklich Zeit. Wenn Sie sich am Ende auch so berühren, dass Sie zum Orgasmus kommen, ist das in Ordnung - aber das ist nicht Ziel dieser Übung.

Diese Übung lässt sich natürlich auch zusammen mit einem Partner durchführen. Dabei ist der eine der aktive Part, der andere nimmt nur auf und lässt die Berührungen auf sich wirken.

Die wichtigste "erogene Zone" ist der Kopf

Unsere Überzeugungen, Glaubenssätze, Rollenvorstellungen und Gewohnheiten spielen eine wichtige - vielleicht die wichtigste - Rolle für unsere Empfindungsfähigkeit beim Sex.

Glaubenssätze, die sich auf den Sex selbst beziehen, können sein:
Es ist schamlos, das eigene Geschlecht zu berühren, nackt herumzugehen, oralen Sex zu haben, Menschen des eigenen Geschlechts zu berühren, über Sex zu sprechen und zu äußern, was man sich wünscht.

Glaubenssätze, die sich auf sich selbst beziehen:
Ich bin ein durchschnittlicher Liebespartner, ich bin nicht attraktiv, ich kann keinen Orgasmus erreichen, nur Frauen mit einem üppigen Busen erregen mich ...

Glaubenssätze, die sich auf Rollenverteilung beziehen:
Männer haben ein stärkeres sexuelles Verlangen als Frauen, Männer lieben harten Sex, Frauen sanften, zärtlichen Sex, anständige Frauen tun das nicht ...

Dies sind Vorstellungen, die uns von der Gesellschaft und/oder den Eltern mitgegeben wurden und vielleicht durch Erlebnisse, die wir gemacht haben, bestätigt wurden. Was immer Sie von Sex und Ihren sexuellen Fähigkeiten halten, machen Sie sich klar: Es muss nicht stimmen! Es ist durchaus normal, Vorurteile zu haben, aber wenn Sie nicht auch gleichzeitig offen dafür sind, diese zu revidieren, sind sie schädlich.

Alle Ansichten, die Sie nie auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft haben, stammen von anderen Leuten - die sie vermutlich selbst nie überprüft haben. Und selbst wenn Sie schon einmal eine Sache ausprobiert haben, die Sie ablehnen, und diese Ablehnung bestätigt gefunden haben, bedenken Sie dabei: Das, woran wir glauben, beeinflusst die Empfindungen unseres Körpers. Sind Sie z. B. der Ansicht, oraler Sex sei etwas Perverses, so werden Sie dabei Ihre Muskeln verspannen und dann mit Recht sagen, dass oraler Sex unangenehme Empfindungen hervorruft.

Vielleicht sind Sie auch der Meinung, dass Sie diese Glaubenssätze abgelegt haben, aber es ist durchaus möglich, dass Sie Ihr Sexualverhalten immer noch bis zu einem gewissen Grad beeinträchtigen. Beobachten Sie Ihre Gewohnheiten, beobachten Sie die Reaktionen Ihres Körpers. Spielt sich z. B. das Liebesleben zumeist im Dunkeln ab, so wirkt vielleicht die alte Überzeugung fort, dass Sex sich im Verborgenen abzuspielen hat.

Beschränkungen durch Gewohnheit können sein:
Die sexuelle Aktivität wird immer vom selben Partner begonnen. Der Geschlechtsverkehr findet immer zur gleichen Zeit am selben Ort statt. Man nimmt immer eine Dusche, bevor man mit dem Partner schläft. Der Orgasmus erfolgt immer in derselben Reihenfolge: erst der Mann, dann die Frau ...

Gegen all diese Dinge ist nichts einzuwenden. Aber wenn Sie sie in gedankenloser Monotonie wiederholen, beschränken Sie dadurch Ihre Möglichkeiten viel zu sehr. Es ist wichtig, sich die eigenen Gewohnheiten bewusst zu machen, sie als das Vertraute und Bequeme zu genießen - und sie hin und wieder durch Abwechslung zu unterbrechen.

Kurz: Wenn Sie sich daran machen, an Ihrem Liebes(er)leben etwas zu verändern, beteiligen Sie auch Ihr Köpfchen daran!

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