Lerntipp: Wie Sie Bilder zum Lernen nutzen - Lernmethode

25.09.2006
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Bewertung 4.7
Reinhold Vogt
www.memoPower.de
  

Sicherlich hatten auch Sie in Ihrer Schulzeit folgendes Erlebnis: Sie saßen in einer Klassenarbeit zu einem Thema, das Sie mit Hilfe eines Lehrbuches vorbereitet hatten und grübelten über bestimmte Details. Allmählich erschien vor Ihrem geistigen Auge das Bild einer Grafik, die zu dem Lerninhalt gehörte. Sie konnten sich sogar daran erinnern, wie diese Grafik im Detail aussah und welche Aussagen dazu gemacht worden waren.

Lernen visuell BilderDas Gehirn der meisten Menschen hat eine Vorliebe für Bilder! Das, was man mit seinen Augen als typisches Bild (also nicht nur als Schrift-'Bild') gesehen, oder was man sich intensiv vor seinem geistigen Auge ausgemalt hatte, bleibt erstaunlich gut im Gedächtnis haften. Übrigens, auch im Traum zeigt uns das Gehirn, wie es am liebsten arbeitet - in Bildern!

Erinnern Sie sich doch bitte einmal an ein Erlebnis aus Ihrem letzten Urlaub! Stellen Sie sich bitte vor, Sie würden jemandem davon erzählen: Eigentlich bräuchten Sie doch nur den 'Film' zu beschreiben, der nun vor Ihrem geistigen Auge abläuft.

In der Fachliteratur trifft man immer wieder auf eine Tabelle, die den Lernnutzen unter Berücksichtigung der Sinneskanäle bzw. Körper-Aktivitäten darstellt:

Tätigkeit
Erinnerungsleistung in %
Was wir (nur) lesen:
10%
Was wir (nur) hören:
20%
Was wir (nur) sehen:
30%
Was wir hören und sehen:
50%
Worüber wir reden:
70%
Was wir tun:
90%

Auch wenn nirgendwo zu lesen ist, durch welche Experimente diese Prozentzahlen ermittelt wurden, so lehrt doch die Erfahrung, dass eine der Kernaussagen dieser Tabelle (jedenfalls für die meisten Menschen) stimmen könnte:

Die Erinnerung an visuell wahrgenommene Informationen ist viel größer als die Erinnerung an auditiv bzw. nur Schrift-lesend wahrgenommene Informationen. Allein daraus kann man zwei sich ergänzende Lerntipps ableiten:

Lerntipp A:
Sofern Ihre Lernmaterialien Grafiken enthalten, lohnt es sich, sie bewusst wahrzunehmen! Versuchen Sie doch zum Beispiel einmal, diese Grafiken aus der Erinnerung nachzuzeichnen und sich dann darüber klar zu werden, welche inhaltlichen Aussagen damit verdeutlicht werden sollen.

Lerntipp B:
Sofern Ihre Lernmaterialien keine Grafiken enthalten, dann erstellen Sie sich passende Grafiken selbst, um einen noch besseren Lernerfolg zu erzielen! Sie haben dadurch nicht nur etwas Zusätzliches für Ihr Auge zur Verfügung, sondern Sie erarbeiten sich diese Grafik. (Tun = s. obige Tabelle: höchster Behaltens-Grad! - Je größer die geistige Verarbeitungstiefe beim Lernen, desto höher der Lernerfolg!)

Sofern Sie als Ausbilder, Trainer, Referent oder Lehrer tätig sind, haben Sie durch Visualisierungen die Möglichkeit, den Lernprozess Ihrer Lernenden erheblich zu vereinfachen, indem Sie solche Grafiken zur Verfügung stellen oder indem Sie deren Erstellung initiieren.

Als Grafiken kommen insbesondere in Betracht:

Eine einfache herkömmliche Karikatur, zum Beispiel ein Männlein, bei dem die Regionen 'Hirn', 'Herz' und 'Hand' besonders hervorgehoben sind - zur Verdeutlichung, dass es ...

  • ... kognitive (Hirn),
  • ... affektive (Herz) und
  • ... psychomotorische (Hand) Lernziele / Lerninhalte gibt.
Ein typisches Linien-, Balken- oder Torten-Diagramm zur Darstellung von Zahlen-Werten, zum Beispiel den Verlauf der menschlichen Leistungsbereitschaft im Tagesverlauf als Linien-Diagramm.
Eine Zeitgerade, zum Beispiel um die Beschäftigungsverbots-Zeiten nach dem Mutterschutzgesetz darzustellen.
Ein Fluss-Diagramm, um Arbeits- / Entscheidungsabläufe darzustellen.
Ein Aufbau-Diagramm / Organigramm, um zum Beispiel die Struktur eines Unternehmens darzustellen.
Eine MindMap® ('Gedanken-Landkarte'), um den Gesamt-Zusammenhang zu veranschaulichen. Hier das Beispiel einer gezielt bildhaften einfachen MindMap® zum memoPower-Lernsystem.

Ein abschließendes Beispiel:

Informationstext: "Die linke Gehirnhälfte ist Sitz des Sprachzentrums und denkt in verdichteten und abstrahierten Inhalten, also Begriffen, Worten und Zahlen. Die rechte Gehirnhälfte dagegen denkt unmittelbar in sensorischen Inhalten, also beispielsweise in Bildern. Sie denkt ganzheitlich und intuitiv und ist Sitz der Phantasie."

Bilder LernenFür jemanden, der sich dieses Denkmodell einprägen will, könnte die Graphik links neben diesem Text hilfreich sein.

Meinen Sie, dass die linke Grafik hilfreich ist? Werden Sie sich aufgrund dieser Grafik nach drei Stunden oder nach einem Tag noch daran erinnern, auf welcher Seite die beiden Wörter stehen? Ich vermute, dass die beiden Informationsteile 'Wörter' und 'Bilder' hinsichtlich ihrer Positionierung nur unzureichend in unserem bildhaften Speicher abgelegt und erinnert werden können.

Bilder lernenDie rechte Grafik neben diesem Text ist wirkungsvoller, weil in die Grafik des Gehirns zwei unterschiedliche 'Bild-Informationen' integriert wurden: das Schriftbild (das Wort) 'Rose' und die "Ab-Bildung" der Rose. Wir werden uns deutlich länger daran erinnern, dass das Rosen-Bild ('richtiges' Bild) auf der rechten Gehirn-Hälfte platziert ist.

Anmerkung: Das Denkmodell der zwei unterschiedlich funktionierenden Gehirnhälften entspricht nach neueren Erkenntnissen nicht der Wirklichkeit. Aber es lenkt die Aufmerksamkeit zurecht auf die Tatsache, dass wir mehr in Bildern denken sollen, um unsere Gedächtniskapazität besser nutzen zu können!

Abschließend eine kritische Überlegung: MindMaps® haben zwar bestimmte Vorzüge, aber lässt sich das Bild einer typischen MindMap® wirklich gut einprägen? Eine ausführliche Stellungnahme hierzu finden Sie auf der Webseite "MindMaps als Lehr- und Lernhilfen."

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