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Hiermit möchte ich den historischen Teil abschließen und mit zwei praktischen, aktuellen Themenkomplexen fortfahren. Einmal möchte ich auf die Praxis der "politischen Korrektheit" eingehen, dann auf die neue Rechtschreibreform.
Politische Korrektheit
Die Verwendung politisch korrekter Wörter betrifft die Sachverhalte Politik/Geschichte und Minderheiten. Der Begriff kommt aus den USA und soll den Anwendern der "politisch korrekten Sprache" helfen, soziale, geschlechtsspezifische, rassistische und andere Diskriminierung, Intoleranz und Vorurteile zu bekämpfen und zu überwinden.
Ein
kleinwüchsiger Mensch wird sprachlich zum "vertikal Herausgeforderten", ein
Behinderter zum "anders Befähigten". Allerdings verkennen diese Sprachanwender,
daß sich Schwule und Behinderte mit dem Sprachgebrauch identifizieren. So nennen
sie ihre Vereine selbstbewußt "Tuntonia" oder "Krüppelinitiative".
Verpönt sind bei den Anwendern der politisch korrekten Sprache Worte wie Neger oder Zigeuner, da sie auf eine ethische Zugehörigkeit hinweisen. Als Ersatz für Neger gab es mal Schwarzer, Farbiger, Afro-Afrikaner. Politische korrekt ist in Amerika nun "Amerikaner afrikanischer Abstammung". Folge dieser Hysterie war: Bücher wie "Onkel Toms Hütte", oder Mark Twains "Die Abenteuer des Huckleberry Finn" wurden verboten, da das Wort Nigger darin vorkommt.
In Deutschland gibt es sogar einen Bundestagsabgeordneten, der Neger für nicht korrekt hält, da es sich von Nigger ableite, was natürlich von Unkenntnis zeugt. "Rassistische" Bezeichnungen für Süßigkeiten sollen nach einigen Initiativen in Deutschland und Frankreich ebenso verboten werden. Da wird der leckere Negerkuß oder Mohrenkopf in Schokokuß umbenannt. Zigeuner darf man nur noch im Zusammenhang mit -Baron oder -Schnitzel sagen. Mahnmale für Sinti und Roma sind politisch korrekt. Dabei werden aber durch sie, weil sie historisch und ethnisch ungebildet sind, andere Volksgruppen, die auch zu den Zigeunern gehören. (Boschas = armenische Zigeuner) diskriminiert.
Im politisch-historischen Bereich wurde aus der Reichskristallnacht eine Reichspogromnacht, aus dem Asylant ein Asylbewerber. Politisch korrekt ist auch nicht Vaterland, denn die evangelische Kirche schreibt in ihren Liederbüchern nur noch "O Land" bzw. strich in dem Lied "Wach auf, wach auf..." den 7. Vers. Dort stand eben "Wach auf Deutschland".
Die neue Rechtschreibreform
Auch hier will ich kurz und allgemein bleiben. Seit einigen Jahren streiten Bundestag, Verfassungsrechtler, Eltern und Gelehrte für und wider eine Reform der deutschen Sprache. Inzwischen ist es die Reform der Reform der ursprünglichen Reform. Betroffen sind über 2000 Wörter, Kommaregeln und dergleichen. Die Sprache, so die Fürsprecher, soll vereinfacht werden. Abgesehen davon, daß eine Sprache von selbst der Vereinfachung entgegen strebt, scheint die vermeintliche Vereinfachung alles zu verkomplizieren. Keiner weiß mehr, wie jetzt etwas geschrieben wird, da die Reform eine künstliche ist und die Entwicklung der Sprache nicht berücksichtigt.
Nicht Fachleute unterschiedlicher Wissensrichtungen, Autoren und Verleger, sondern eine einseitige Kommission zeichnet sich dafür verantwortlich. Neben der Schule ist das Elternhaus die wichtigste Sprachinstanz für Kinder und Jugendliche. Eltern werden nun diesbezüglich aus dem Spracherziehungsprozeß ausgeschlossen. Mit allen Mitteln werden Reformgegner unterdrückt. So wurde die Volksabstimmung in Schleßwig-Holstein gänzlich ignoriert, scheiterte in Niedersachsen, weil die Unterschriftenbögen nicht einheitlich waren.
Aber die Befürworter der Reform beherrschen ihre Regeln auch nicht. Nicht nur, daß man inzwischen Mängel und Unklarheiten selbst einsieht, auch in der Anwendung mangelt es. So hat der bayrische Kultusminister Zehetmair in einem Papier zur "Weiterentwicklung des bayrischen Schulwesens" auf wenigen Seiten nicht weniger als 30 mal gegen die von ihm befürworteten Regeln verstoßen, wie die "Welt" zu berichten wußte. Zudem tritt die Reform per Erlaß in einigen Bundesländern zwei Jahre zu früh in Kraft.
Doch genug davon; ich möchte das Haus fertig bauen. Mit der Einleitung habe ich das Fundament gelegt, mit dem geschichtlichen Überblick die Stockwerke hochgezogen, nun ist es Zeit ein Dach zu bauen.
Bewußt habe ich nur eine vorläufige, allgemeine Definition von Sprachpflege gegeben, möchte auch keine Theorie bilden oder durch eine Theoriediskussion den Leser überstrapazieren.
Festhalten sollten wir, daß unsere Schrift und Sprache sich über viele Jahrhunderte entwickelt hat. Sie ist vielfältig im Ausdruck, nicht einfach im Regelwerk, aber für jeden lernbar. Wenn wir mit jemanden sprechen, wollen wir verstanden werden. Auch offenbart sich unser Denken und Handeln durch unsere Worte. Diese sollten wir behutsam und bedacht verwenden, richtig und kritisch. Wir sollten das Sprechen anderer ebenso überdenken und zum richtigen Gebrauch anhalten.
Sie fragen sich vielleicht, wie politische Korrektheit und Rechtschreibreform zu all dem zuvor Gesagten passen?
Zuvor sprach ich von Gelehrten, Dichtern, Sprachvereinen; nun von Minderheiten, Medien und Politikern. Das eine sind Autoritäten, Kompetenzen bezüglich der Sprache, das andere ist eine Lobby, die die Welt manipuliert, die Wirklichkeit verzerrt, überall Diskriminierung und Faschismus wittert, indem sie die Sprache nicht ihrer natürlichen Entwicklung überläßt, sondern stets und überall eingreift.
Die Welt wird schöngefärbt, der Einzelne seiner Sprache, Kultur und Ethnie entfremdet. Jeder und alles ist gleich, nach Ansicht dieser Lobby, die sich human nennt. Jeder Mensch sollte sich für seine Tradition, Kultur und Sprache einsetzen, sie wahren und pflegen dürfen. In diesem Sinne bin auch ich ein Sprachpfleger.
Quellenangaben - Literatur:
Albrecht Greule, Elisabeth Ahlvers: "Germanistische Sprachpflege
Geschichte, Praxis, Zielsetzung", Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt
1986
Rosemarie Lühr: "Neuhochdeutsch", 2. Auflage, W. Fink, Verlag,
München 1986 [= UTB 1349]
Wert 4.9 |
Thema: 4.9 | Information: 4.9 | Verständlichkeit: 4.9 |
| Stimmen: 7 | Legende: 5: super - bis 1: erträglich |
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