LernenUm nun irgendwann etwas - wie Zeichen oder Sprache - aus den wohlgemeinten Lautäußerungen einer Mutter (Duziduzi ...) zu generieren, ist es notwendig zu lernen. Lernen besteht nach der Ansicht Maturanas, im Bereich der Transformation des Verhaltens eines Organismus, die direkt oder indirekt der Erhaltung der basalen Zirkularität (Überleben) dienen. Jede Verhaltensweise stellt eine Grundlage dar, auf der sich eine neue Verhaltensgewohnheit entwickeln kann.
In anderen Worten braucht jede neue Verhaltensgewohnheit eine schon vorhandene hinreichend ähnliche Grundlage, die erweiterbar ist, da ansonsten trivialerweise nichts gelernt werden kann. Dem Beobachter erscheint eine gelernte Verhaltensweise dann gerechtfertigt, wenn er erfolgreich überlebt hat und er kann sie sodann in Zukunft wieder aktualisieren. Dies bedeutet auch, daß der Beobachter erst im nachhinein feststellt, ob sein so hart erarbeitetes neues Verhalten erfolgreich war oder nicht.
Lernen können wir jedoch nur das, was auf irgendeiner Art in unserem kognitiven Bereich vorhanden ist. In anderen Worten meint Maturana, daß wir nichts über das aussagen können, was von uns unabhängig ist und womit wir nicht interagieren können. Dies leitet einen weiteren Übergang ein, nämlich zu der Frage: "Was ist der Gegenstand unserer Erkenntnis (oder unseren möglichen Erkenntnis)?" und die Frage: "Wie aus dieser Perspektive Realität beschaffen sein müßte?"
Aus den bereits aufgeführten Betrachtungen Maturanas ergibt sich nun ein sozusagen biologisch-metaphysisches Weltbild. Da wir nur über diejenige Entität etwas aussagen können, mit der wir interagieren können, ergibt sich für unsere Realität die Konsequenz, daß sie lediglich der Bereich der Gegenstände sein kann, ein Bereich, der durch die Operationen des Beobachters bestimmt wird.
Somit wäre Realität subjektiv und keine von unserem Denken unabhängige Art des Seins. Der physikalische Raum wäre demnach einfach der Raum, in dem lebendige Systeme existieren. Er bestimmt einerseits die operationalen Grenzen unseres kognitiven Bereichs und ist andererseits für die Erscheinungswelt lebendiger Systeme konstitutiv. Damit ist der Beobachter - quasi wie aus dem Paradies von der Welt ausgeschlossen - ein Konstrukteur seiner eigenen Wirklichkeit.
Unterscheidet Maturana in subjektives und objektives Wissen. Aus den Überlegungen zur Frage der Realität ergibt sich nun, daß es hier eines "absoluten Beobachters" bedürfte - eines Beobachters der alles Erfahren hätte - um nicht nur einen Ausschnitt des Universums, sondern dieses als Ganzes erfahren und beschreiben zu können. Da der Autor einen solchen nicht kennt, folgert er, daß es somit auch kein objektives Wissen gibt.
Subjektives Wissen hingegen hieße einfach fähig sein, in einer individuellen oder sozialen Situation adäquat zu operieren.
Hier eine kleine Sammlung von ethischen Implikationen und Ableitungen, die Maturana aus seinen biologischen Beobachtungen gewinnt.
Soweit die grobe Skizze von Humberto Maturanas Buch "Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit - Lebendige, biologische Systeme". Man kann seine Erkenntnisse über das Nervensystem - und damit über die Erkennntnisfähigkeit des Menschen überhaupt - als bahnbrechend bezeichnen. Damit werden einige der wichtigsten Voraussetzungen des ontologischen Denkens - und damit der bisherigen Erkenntnistheorie in Frage gestellt.
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