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Während sich die einen Wissenschaftler also mit der visuellen Stimulation beschäftigten, kam durch andere nun noch die Erforschung der auditiven Stimulation hinzu. Zunächst beschränkte sich die auditive Stimulation lediglich auf rhythmische Klangimpulse. Ähnlich wie bei der visuellen Stimulation stellte sich hierbei heraus, dass das Gehirn dabei mit erhöhter Gehirnwellenaktivität auf der entsprechenden Frequenz reagiert und dass die beiden Gehirnhälften in einen Zustand größerer hemisphärischer Kohärenz und Synchronisation gebracht wurden.
Der Biophysiker Dr. Gerald Oster entdeckte 1973, dass sich die Gehirnwellenaktivität auch insofern beeinflussen lässt, indem man beide Ohren getrennt mit Tönen verschiedener Frequenz beschallt. Kombiniert man zwei auf unterschiedliche Frequenzen eingestellte Oszillatoren und schickt ihre Signale durch einen oder auch zwei getrennte (so dass sie sich erst in der Luft vermischen) Lautsprecher, dann erzeugen sie eine sehr regelmäßige Interferenzschwingung, die man sowohl mit beiden, aber auch mit einem Ohr wahrnehmen kann. Diese Signale nannte er monaurale Schwingungen. Ein ganz anderes Phänomen jedoch entsteht, wenn man Stereokopfhörer benutzt und die Signale den beiden Ohren getrennt zuführt. Auch dann nimmt man unter bestimmten Umständen rhythmische Schwingungen wahr, die sich allerdings deutlich von den monauralen unterscheiden. Diese Signale nannte er binaurale Schwingungen. Sie erfordern die kombinierte Tätigkeit beider Ohren und entstehen als Folge der Interaktion von Wahrnehmungen im Gehirn. Im Inneren des Gehirns vermischen sich die Töne so, dass eine binaurale Schwingung entsteht. Die Gehirnwellen werden dabei an den Rhythmus der Schwingung gekoppelt und beginnen entsprechend dem Unterschied der beiden Ausgangsfrequenzen zu schwingen. Stimuliert man also das rechte Ohr beispielsweise mit einem konstanten und gleichmäßigen Ton von 400 Hz und das linke mit einem konstanten Ton von 410 Hz, so entsteht im Gehirn eine binaurikulare Schwingung von 10 Hz, in diesem Fall also eine Frequenz im Alpha-Bereich. Das Gehirn reagiert mit einer entsprechenden Frequenzfolgereaktion.
Der Forscher Robert Monroe entdeckte darüber hinaus, dass die Frequenzfolgereaktion nicht etwa nur in dem für das Hören zuständigen Gehirnbereich auftrat oder nur in der linken oder rechten Hemisphäre. Vielmehr schwang das gesamte Gehirn mit, die Wellenformen beider Hemisphären wurden identisch in Bezug auf Frequenz, Amplitude, Phase und Kohärenz. Monroe hatte eine Technik zur Erzeugung von Hemisphärensynchronisation entdeckt. Seine Probanden berichteten beispielsweise nach den Tests der Stimulierung im Theta-Bereich übereinstimmend von allen mentalen Phänomenen, die dem Theta-Zustand zugerechnet werden: lebhaftes hypnagoges Bilderleben, schöpferische Gedanken, integrative Erfahrungen und spontane Erinnerungsbilder. Weiterhin führte die Stimulation im Beta-Bereich zu wacher Aufmerksamkeit und Konzentration. Monroe ließ sich dieses Verfahren patentieren und nannte es HemiSync. HemiSync wird heute weltweit zu therapeutischen Zwecken sowie zur Selbsthilfe eingesetzt.
Was die Wissenschaftler der modernen Zeit scheinbar neu entdeckt haben, wird von Medizinmännern und Schamanen der Stammesvölker schon seit tausenden von Jahren genutzt. Der rhythmische Klang der Trommel ist ein grundlegendes Instrument zur Auslösung und Aufrechterhaltung des schamanischen Bewusstseinszustands. Bei der Untersuchung der Auswirkung des regelmäßigen, monotonen Trommelschlags auf die EEG-Muster stellte der Forscher Andrew Neher fest, dass rhythmische Schläge die Gehirnwellentätigkeit geradezu dramatisch verändern. Andere Beobachter schamanischer Rituale haben festgestellt, dass während der Initiationsriten Trommelschlagfrequenzen im Theta-Bereich vorherrschten.
Auf der Basis der Forschungserkenntnisse wurden die ersten audiovisuellen Stimulationssysteme entwickelt. Ursprünglich gaben diese simple Ton- und Lichtimpulse auf einer einstellbaren Frequenz ab oder das Programm war in einem Chip gespeichert. Es war ein hervorragendes Medium entstanden, um die Gehirnaktivität auf beliebigen Frequenzen anzuregen und auf diese Weise damit einhergehende Geisteszustände bzw. kognitive Funktionen zu fördern.
Die heute erhältlichen Systeme sind in ihrer Entwicklung bereits weitaus fortgeschrittener und bieten neben integrierten Programmen für die verschiedensten Anwendungsbereiche (z. Bsp. Förderung von Entspannung, Konzentration, Auffassungsgabe, Gedächtnisleistung, Vitalität, Wohlbefinden, Kreativität, Imagination, Meditation, Trance, Schlaf, usw.) auch diverse weitere Features wie zum Beispiel die Möglichkeit der Erstellung eigener Programme, die interaktive Verwendung zusammen mit Biofeedbacksystemen oder den Einsatz externer Stimulationsprogramme, die auf CD gespeichert sind.
Da die reinen Licht- und Klang-Impulse auf viele Anwender nach kurzer Zeit schon sehr monoton wirken, gingen manche Anbieter dazu über, Entspannungsmusik mit der visuellen Stimulation zu kombinieren, um die Sitzungen interessanter und unterhaltsamer zu gestalten. Hierbei trat jedoch das Problem auf, dass die Lichtimpulse nicht synchron zur Musik waren, was eher Irritation als Entspannung erzeugte. Erst die in der Schweiz ansässige Firma AudioStrobe löste dieses Problem mittels eines patentierten Verfahrens (AudioStrobe), welches die optischen Impulse mit der Musik synchronisiert und sie zusammen auf einem externen Speichermedium wie der CD festhält. Die hierfür verwendete Musik bedient sich darüber hinaus auch häufig des HemiSync-Verfahrens. Die Lichtsignale können dabei mit sehr feinen Veränderungen programmiert werden und der Effekt ist verblüffend!
Vor dem inneren Auge erscheint eine Welt von phantastischen Farben und Figuren, die sich im Spiel mit den wechselnden Klängen der Musik bewegen, welche so an unglaublicher Plastizität gewinnt. Töne bekommen Konsistenz und Farbe - bewegen sich und formen unzählige Mandalas, die stroboskopähnlich verändernd in eine neue Dimension des audiovisuellen Kunsterlebens einladen. Die AudioStrobe-Technologie stellt somit nicht nur eine Weiterentwicklung der audiovisuellen Stimulation sondern außerdem ein Medium für ein synästhetisches Musikerleben dar. Nach Aussage der Firma AudioStrobe berichteten Probanden beispielsweise folgendes:
Eine überraschende Beobachtung bei der AudioStrobe-Stimulation war jedoch, dass die Intensität des Erlebens nicht zwangsläufig dem Modell der "Frequenzfolgereaktion" entspricht, sondern dass die synchronisierten Wechsel der Lichtimpulse zu der Musik die besondere Vielfalt der sensorischen Eindrücke zu unterstützen scheint. Vermutlich ist der Schlüssel zu diesem Phänomen die Verwandtschaft des durch die AudioStrobe-Stimulation induzierten Bewussteinszustandes mit dem REM-Schlaf. Gehirnwellenuntersuchungen von Probanden zeigten, dass wenn diese über traumähnliche Erfahrungen während der AudioStrobe-Stimulation berichteten, gleichzeitig Alpha, aber auch verstärkte Beta- und Theta-Aktivitäten auftraten. Die beiden letzteren sind für den REM-Schlaf charakteristisch. Der immer noch vorhandene Alpha-Anteil könnte von dem "Wachzustand im Traum" herrühren. Einige Probanden berichteten von Zuständen, die an das luzide Träumen erinnern, in welchem man sich darüber bewusst ist, dass man träumt.
Neben den vielen Möglichkeiten zur Unterhaltung, Entspannung, Superlearning und zur Therapieunterstützung eröffnen sich durch die AudioStrobe-Technologie gleichzeitig neue Perspektiven für die Selbstentdeckung. Die oft abstrakten Muster oder die eigenen Erinnerungen und Visualisierungen sind nur ein Vorspiel, wie ein sich immer wieder verändernder Vorhang eines Theaters. Hinter diesen bunten Bildern kann man tiefere Schichten der Wahrnehmung erreichen, nicht selten begleitet von außergewöhnlichen Erfahrungen.
Inzwischen hat die Firma AudioStrobe bereits über 30 AudioStrobe-CDs für die verschiedensten Anwendungsbereiche entwickelt. Dem Anwender stehen hierbei Programme für Entspannung und Streßreduktion, Ausgeglichenheit und Vitalität, geistige Fitness und Konzentration, Kreativität und Phantasie sowie Meditation und inneres Erleben zur Verfügung.
Eine der aktuellsten Entwicklung im Bereich der audiovisuellen Stimulation ist die Hinzuziehung der synchronen, taktilen Stimulation als dritte Stimulationskomponente. Die Entwicklung eines entsprechenden Systems (MuSES = Multi Sensory Enhancement System) fand im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit statt. Die taktile Stimulation erfolgt hierbei in Form von Infraschallvibrationswellen, welche sich - ähnlich wie bei der Klangmassage – im ganzen Körper ausbreiten. Das MuSES nutzt im Gegensatz zu herkömmlichen Massagesesseln spezielle Klangmassage-Einheiten. Herkömmliche Massagesessel arbeiten mit Motoren und Massageköpfen und können in ihrer Wirkung daher lediglich die obere Muskelschicht erreichen. Außerdem ist es mittels Motorentechnik nicht möglich, die Massage mit den Lichtimpulsen und der Musik zu synchronisieren. Die Klangmassage-Einheiten hingegen erzeugen Vibrationswellen im Infraschall-Bereich, die den ganzen Körper durchdringen und auf diese Weise zu einer tieferen Entspannung führen, als dies mit herkömmlichen Massagetechnologien möglich ist. Ferner ist die Massage aufgrund der verwendeten Klangmassage-Einheiten synchron zu Licht und Sound, da die Impulse für die Vibrationswellen von der AudioStrobe-CD abgelesen werden oder von einem angeschlossenen audiovisuellen Stimulationssystem gesteuert werden.
Weiterhin ist die Einsatzmöglichkeit der externen Biofeedback-Kontrolle als aktuelle Entwicklung im Bereich der AVS zu erwähnen. Hierbei wird das audiovisuelle Stimulationssystem mit einem Biofeedbacksystem verbunden, welches über entsprechende Sensoren bestimmte psychophysiologische Werte des Anwenders erfasst. Diese Werte werden in Echtzeit an das Stimulationssystem weitergeleitet, welches hinsichtlich des Programmablaufs auf diese Werte reagiert.
Die Stimulationsprogramme gewinnen dadurch an Dynamik, laufen nicht nach einem vorbestimmten Muster ab, sondern verändern ihre Parameter entsprechend der gemessenen Werte. Die externe Biofeedback-Kontrolle ermöglicht somit den Einsatz psychointeraktiver AVS-Sitzungen, denn die psychophysiologische Reaktion des Anwenders auf das Stimulationsprogramm wird in Echtzeit an das Stimulationssystem zurückgemeldet, welches durch entsprechende Veränderung des Programmablaufs darauf reagiert. Auf diese Weise entsteht eine interaktive Schleife von Reiz–Reaktions–Folgen. Eine solche Anwendungsmöglichkeit bietet beispielsweise die Kombination des Proteus mit dem ThoughtStream, welche die psychogalvanische Reaktion des elektrischen Hautwiderstands als Feedback-Parameter nutzt.
Zur Vertiefung in die Thematik der audiovisuellen Stimulation - insbesondere in Hinblick auf bereits erfolgte Forschungsarbeiten hinsichtlich praxisbezogener Anwendungen - empfehle ich den Beitrag „Einschalten zum Abschalten“ von Dr. Klaus-Jürgen Landeck, erschienen in RAABE Fachverlag für Wissenschaftsinformation (Hrsg.): Handbuch Hochschullehre, Bonn 1996
Audiovisuelle Stimulationssysteme (Mindmachines) finden Sie bei www.mind-shop.de. Claudius A. Nagel, © 2001
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Thema: 4.8 | Information: 4.7 | Verständlichkeit: 4.7 |
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