Open-Source-Projekte: Vorbild für effektive Zusammenarbeit von Menschen

09.03.2010
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Bewertung 4.5
Martin Glogger
www.onlinetechniker.de

Fazit

Wie bei der Entwicklung freier Software, bei der eine große Zahl von Menschen mit Hilfe von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien selbstbestimmt und selbstorganisiert (frei und ohne Zwang) an einem gemeinsamen Ziel arbeiten (Entwicklung einer bestimmten Software), könnten wir alle an dem gemeinsamen Ziel "eine Umgebung zu schaffen, in der sich alle weitestgehend wohlfühlen können", arbeiten.

Die konstruktive Zusammenarbeit bei der freien Software-Entwicklung besteht in der Regel darin, dass einige sehr viele Zeilen Code schreiben, viele einige Zeilen schreiben, den Code dokumentieren und die gemeinsame Entwicklungsumgebung aufbauen und in Betrieb halten und sehr vielen, die Fehlerberichte schreiben und noch fehlende Funktionen der Software formulieren und an die Entwicklergemeinde herantragen.

Das Entwickler-Netzwerk wird also nicht von einigen wenigen Experten getragen, sondern von allen, die etwas Sinnvolles beizutragen haben, sei es die Idee eines Entwicklers, wie man eine bestimmte Funktion realisieren kann oder der Wunsch eines Anwenders, die aktuelle Software um eine bestimmte Funktion zu erweitern.

Die Grundlage des Netzwerks ist, dass die Teilnehmer, egal ob Experten, Fachinteressierte oder Interessierte ihr gemeinsames Ziel kennen (die bestmögliche Lösung für ein Problem finden, das persönliche Wissen zu einem bestimmten Thema erweitern, ...), den Weg wissen, wie sie das Ziel erreichen können (in der Regel durch konstruktive Zusammenarbeit, die wiederum auf offenem Wissensaustausch, gegenseitiger Anerkennung und dem Gefühl, dass den Teilnehmern die Zusammenarbeit innerlich reicher macht, beruht) und davon überzeugt sind, dass es sich lohnt, das Ziel zu erreichen.

Eine mögliche Kritik wäre, dass diese Open-Source-Projekte in einem besonderen Umfeld stattfinden, das nicht auf das Umfeld für den Rest der Gesellschaft übertragbar ist. Da Softwareentwickler gut verdienen, müssen sie nur wenig Zeit aufwenden, um das notwendige Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen und haben so entsprechend viel Zeit, um sich in Open-Source-Projekten zu engagieren.

Software-Entwickler besitzen die Technologie-Kompetenz zum Umgang mit einem Computer mit Internetzugang. Die notwendigen Produktionsmittel, der Computer und das Internet, sind zu geringen Kosten oder wie an Schulen sogar frei verfügbar. Da Software im Gegensatz zu gegenständlichen Produkten bereits digital vorliegt, kann sie einfach und kostengünstig auf der ganzen Welt verteilt werden.

Diese Kritikpunkte jedoch halten allesamt einer genaueren Überprüfung nicht stand, da die genannten Besonderheiten sehr wohl auch auf viele andere Bereiche zutreffen:

  • Da Informationen bzw. das daraus konstruierte Wissen auch die Grundlage für die Entwicklung und Vermarktung aller gegenständlichen Produkte und Dienstleistungen ist und häufig bereits in elektronischer Form vorliegt bzw. leicht digitalisiert werden kann, kann auch dieses Wissen einfach und kostengünstig auf der ganzen Welt verteilt werden.
  • Sehr viele Privathaushalte verfügen heute über einen Computer mit Internetzugang und haben so bereits eine entsprechende Technologie-Kompetenz bzw. können sich diese durch entsprechende Schulungen oder im Rahmen von Selbstlernkursen (siehe meine Lösung) aneignen.
  • Es gibt kaum einen Lebensbereich, in dem der Computer mit Internetzugang nicht nützlich wäre und als sinnvolles Produktionsmittel eingesetzt werden kann, wenn man sich dieser Möglichkeiten nur bewusst wäre und die Kompetenz besitzen würde, sich ihrer zu bedienen.
  • Würde man die Unsummen an Geld, die heute für unnötige Bürokratie und fehlgeleiteten Konkurrenzkampf verschwendet werden, in die Verteilung eines Bürgergeldes investieren, so hätten viele Menschen den Handlungsspielraum, selbstständig oder mit entsprechender Anleitung ihre Lebensaufgabe zu finden und auszuführen.

Dazu passt auch folgendes Zitat aus dem eingangs genannten Buch:

"Bereits heute sei die Menge der notwendigen Arbeit für die Produktivität der Gesellschaft stark zurückgegangen. Dass sich dies nicht in eine größere Freizeit übersetzt, liege vor allem an den nicht produktiven Tätigkeiten wie Verwaltung und Konkurrenz: Freie Software wird diese Vergeudung im Bereich der Softwareproduktion erheblich reduzieren. Wir müssen dies tun, um technische Fortschritte in weniger Arbeit für uns umzuwandeln."
(Volker Grassmuck, Freie Software - Zwischen Privat- und Gemeineigentum, S. 225) ( aus Overview of the GNU Project, updated 2 May 1999, jonas)

Open-Source-Software ist ein Paradebeispiel für ein Produkt, mit dem technisch interessierten Anwendern die Möglichkeit gegeben wird, aktiv an der Entwicklung des Produkts mitzuarbeiten, indem sie es auf die individuellen Bedürfnisse anpassen und dabei kreativ sein können. Indem die Ergebnisse dann anderen zur Verfügung und zur Diskussion gestellt werden, gibt der Einzelne die Früchte seiner Arbeit für die Allgemeinheit frei.

Was können wir daraus lernen?

Beim Zusammenstellen der zuvor genannten Informationen fiel mir auf, dass der Arbeitsablauf bei Open-Source-Projekten Ähnlichkeiten mit dem von mir entwickelten Lehr-/Lernkonzept aufweist.

Die freie Software bietet durch die Offenheit der Quellen eine optimale Umgebung für technisch Interessierte, sich das Wissen über die Funktionsweise eines Computers und dessen Programmierung selbst zu konstruieren.

Mithilfe des Internets und entsprechender Such-/Informationsdienste kann man schnell und gezielt Dokumente wie etwa Fachbücher, Fachartikel oder Diplomarbeiten auffinden und sich damit ein ganzheitliches Bild von dem Wissen machen, das man konstruieren will.

Als Grundlage für die praxisrelevanten Inhalte, zu denen man auch einen realen Bezug herstellen kann, dient der offene Quellcode, die Entwicklungsumgebung kann kostenlos vom entsprechenden Server heruntergeladen werden, genauso wie die Informationen darüber, wie man sie installiert, konfiguriert und bedient.

Freie Software lädt dazu ein, mit ihr zu experimentieren, den Quellcode nach den individuellen Vorstellungen zu ändern und zu schauen, ob die Maschine schließlich das tut, was man erwartet.

Hier kann man sich durch selbstbestimmtes Handeln, aktives (spielerisches) Auseinandersetzen mit den Informationen (Quellcode) und den dabei gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnissen das Wissen teilweise selbst und zum anderen Teil durch die Zusammenarbeit mit anderen konstruieren.

Zur konstruktiven Zusammenarbeit mit anderen, die sich mit der gleichen Aufgabe beschäftigen, dienen Diskussionsforen und -listen oder auch Chatforen. Hier kann man Antworten auf Fragen finden, sich gegenseitig beraten und wichtige Informationen aller Art austauschen.

Vor allem aber sind diese Technologien zur Fernkommunikation hervorragend dazu geeignet, das eigene Wissen anderen zur Diskussion zu stellen bzw. einen bestimmten Sachverhalt aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten.

Die Entwickler- und Nutzer-Communities dienen als Tummelplatz, um (alltagsrelevante) Probleme selbst durch fortlaufendes kritisches Hinterfragen des vorhandenen Wissens oder durch die Mitteilungen von Anwendern der Software zu erkennen, zu formulieren und sie schließlich zu lösen.

Nicht zuletzt dienen diese Communities auch für die fortlaufende Selbst- und Fremdbeurteilung des eigenen Lernfortschrittes, weil der bisher gegangene Lernweg (was kann die Software bisher) dokumentiert und mit den vorgegebenen Lernzielen (was soll die Software können) verglichen wird.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, finden Sie detailliertere Informationen zu diesem Thema auf meiner Homepage "Onlinetechniker.de".

Von Martin Glogger

Quellennachweis:

Viele der vorher im Zusammenhang mit freier Software (Open-Source-Software) zusammengestellten Informationen wurden aus dem Buch "Freie Software - Zwischen Privat- und Gemeineigentum" (Bundeszentrale für politische Bildung, 2. Auflage 2004, 438 Seiten, I SBN 3-89331-569-1) von Volker Grasmuck entnommen.

In diesem Buch [Kapitel "Was ist freie Software, wie entsteht sie, wer macht sie?" (S. 233 bis S.254) bzw. im Kapitel "Software" (S. 259 bis S. 273)] finden Sie auch genauere Beschreibungen, wie Open-Source-Projekte allgemein bzw. im Rahmen konkreter Projekte wie dem Betriebssystem Debian-Linux, dem Web-Server Apache oder dem Grafikbearbeitungsprogramm GIMP ablaufen.

Tiefer gehende Hintergrundinformationen zur GNU GPL finden Sie unter "GNU General Public License".

Die dabei aus diesem Buch wortwörtlich entnommenen Informationen stehen jeweils in entsprechenden Anführungszeichen.

Der Artikel ist ein Teil aus meinem Buch "Netzwerkkompetenz - warum?" - Der Bauplan für eine Gesellschaft, in der wir uns alle weitestgehend wohlfühlen können.

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Bei dieser CD handelt es sich um einen Selbstlernkurs. Lernen Sie, wie Sie sich mit Hilfe des Internets autodidaktisch in beliebige Themen-/Fachgebiete einarbeiten und effektiv Probleme lösen können. Erfahren Sie dabei die vielfältigen Möglichkeiten, die Ihnen das Internet zur Erfüllung Ihrer individuellen Bedürfnisse und Wünsche bietet.

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