Fremdsprache: Sex

27.05.2004
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Lara Gandra
www.lachsalven.de

Fremde Sprache Sex

Was Christian Morgenstern in seinem Gedicht versucht auszudrücken…

Vor dir schein ich aufgewacht,
und ich küsse dich am Halse,
und du, ohne Lid zu heben,

legst den Arm um mich, und sacht,
wie nach einer Chopin-Valse,
meinst du mit mir hinzuschweben.

…braucht selbst keine Worte. Zärtliche Berührungen und liebevoller Austausch sprechen aus diesen Worten.

Doch die Sprache Sex hat auch viele unschöne Gesichter: Psychischer Druck, Beschimpfungen, jegliche Art des verbalen Zwanges findet man leider auch hier in Form von erzwungenen sexuellen Übergriffen wieder.

Ein Beispiel ist die Missionarsstellung, so wie sie in vielen Beziehungen praktiziert wird. Der eine Partner verfällt seinen Trieben während der andere passiv da liegt. Übertrage ich diese Situation auf die Gesprächsebene, bedeutet dies, dass hier jemand versucht ununterbrochen Monologe zu führen, und den anderen gar nicht zu Wort kommen lässt. Aber auch der passiv "Erduldende" verdinglicht sein Gegenüber, da er dem "Redsamen" nicht sagt, dass er zuviel redet. Einige Frauen schlüpfen gerne in so eine "Opferrolle" und erleiden ihr "Schicksal", obwohl sie nur mal ihre Bedürfnisse mitteilen bräuchten.

Was bedeutet Verdinglichung?

Verdinglichung tritt dann ein, wenn die Person als Mittel zum Zweck gesehen wird, und nicht als Zweck selbst - er/sie ist mir wichtig. Als Person, und nicht als ein Ding, welches ich missbrauchen kann. In dem vorangegangenen Beispiel gibt derjenige der benutzt wird, dem anderen gar keine Chance seinen Standpunkt zu hören oder gar zu verstehen.

In den beiden Geschlechterrollen ist dies manchmal auch gar nicht so einfach. In John Gray´s Buch "Männer sind vom Mars. Frauen von der Venus." Geht er sehr ausführlich auf die unterschiedlichen Sprachgewohnheiten von Männern und Frauen ein. So ist es unter Frauen eine beliebte Verhaltensform Männern zu unterstellen, dass sie doch so vieles von selbst wissen müssten. Sie bräuchten ja nur "zwischen den Zeilen" lesen. Stimmt doch…oder? ;-)

Leider ist der männliche Homo Sapiens noch nicht in der Lage die Kunst der intuitiven Telepathie als solche perfekt zu beherrschen. So resultieren hieraus Missverständnisse und Handlungen die einen anderen Effekt erzielen als wir uns vorstellen. Ändern wir an dieser Situation nichts, werden wir in einer Beziehung kaum glücklich werden. Um sich in nonverbaler Kommunikation zu üben, muss zuerst die Verbale funktionieren:

Wie kann ich etwas ändern?

Beobachten Sie! Stellen Sie Fragen! Reden Sie miteinander!

Beobachten Sie ob und wie Sie den anderen behandeln. Das können Sie nur selbst! Denken Sie über Ihr Tun und Handeln, über Ihre Emotionen nach. Stellen Sie sie in Frage. Reflektieren Sie! Fragen Sie bei Ihrem Partner nach, wie er sich selbst und Sie erlebt. Was kam bei ihm an? Was sind seine Wünsche? Seine Vorstellungen? Was wollen Sie beide ändern? Wie können Sie diese Veränderung herbeiführen?

Eine seltsame Idee sich fortzupflanzen, wenn man das Leben nicht liebt.
[Michel Houellebecq: Elementarteilchen]

Verdinglichung findet, bis auf wenige Ausnahmen, beim Sex immer statt. Spätestens beim Orgasmus vergessen die meisten, dass sie nicht alleine sind, sei es auch nur für einen kurzen Moment.

Zu den Ausnahmen gehören Menschen die Spiritualität und Sex miteinander kombinieren, sowie Tantriker es tun. Doch es braucht nicht gleich ein tantrischer Weg sein, um einen dauerhaften Weg des Miteinanders beim Sex zu gehen. Wille, Ausdauer, eine Menge Erfahrung, Übung und verstehen wollen sind die Grundsteine auf die so eine Beziehung aufbauen kann.

Um die Sprache des Liebesaktes besser verstehen zu können braucht man nicht gleich "im Bett" beginnen. Fangen Sie an, im Alltag nonverbale Sprachen zu beobachten. Ihre eigene und die Ihrer Mitmenschen. Was wollen sie Ihnen sagen? Versuchen Sie mit Ihrem Partner ganz bewusst eine bestimmte Zeit nicht zu reden. Sprechen Sie über Ihre Erfahrungen. Dehnen Sie diese Übungen aus. Forschen und experimentieren Sie! Gespräche und Sex, nur Sex, Gespräch nach, vor, während des Sex etc…es gibt hier keine Grenzen. Diese setzten wir uns selbst!

Versuchen Sie mal beim Sex Ihrem Partner kontinuierlich in die Augen zu schauen. Bis zum Schluss. Ist gar nicht einfach... ;-) Wenn man dies inhaltlich und nicht verdinglichend praktiziert, wird man viel über den anderen und über sich selbst erfahren und hat die Möglichkeit neue Entwicklungswege zu beschreiten.

Wer verständigungsorientiert sext hat den Sinn von Verständigung nicht nur verstanden, sondern beginnt ihn für sich in sein Leben zu integrieren. Dieser Weg ist nicht einfach. So ein Tun und Handeln erfordert viel Aufmerksamkeit und Wille. Doch einmal erprobt eröffnet sich Sex als Spielwiese und Entwicklungsort der viele Möglichkeiten bietet und Spaß macht.

Ziel der nonverbalen Kommunikation, egal welcher Art, sollte sein, den anderen verstehen und kennen lernen zu wollen. Wann, wo und mit wem ihr wollt, aber immer in Liebe zu mir! Immer unter der Prämisse, den anderen verstehen zu wollen!

Welcher Freiheit könnten sich Männer und Frauen erfreuen, würden ihnen nicht dauernd Fallen gestellt, würden sie nicht immer wieder überlistet, geknechtet, gefoltert von ihrem Geschlechtstrieb!
[John Steinbeck: Jenseits von Eden]


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