Seitensprung: Gierige Männer und leichte Frauen

07.04.2004
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Heiko Diadesopulus
www.philognosie.net
  

Es dämmert bereits als sich die verchromten Flügeltüren des Münchner Hilton-Hotels öffnen und ein Mann im Trenchcoat mit zerzausten Haaren die Straße betritt. Ein flüchtiger Blick auf seine goldene Rolex offenbart ihm, daß es bereits fünf Uhr morgens ist. Reichlich spät, um von der Betriebsfeier nach Hause zu kommen. Aber er hat noch zwanzig Minuten Zeit, um sich eine plausible Geschichte für seine Frau auszudenken.

Er bemerkt immer noch ein leichtes Zittern vom Restalkohol, als seine nervösen Finger in den Taschen nach dem Schlüssel seines 7er BMW fischen. Die Stadt scheint wie ausgestorben, nur eine leichte Brise wirbelt etwas Müll durch die Straßen. Oben in Zimmer 34 liegt noch immer seine Sekretärin - nackt und fest schlummernd, wie ein Baby.

Schon seltsam, was Alkohol alles in unserem Verhalten verändern kann. Was als harmlose Betriebsfeier begann, endete in einer kleinen Orgie mit seiner Sekretärin. Dabei war sie im Büro doch immer so prüde und distanziert - niemals hätte er vermutet, daß unter dieser Fassade ein solcher Vulkan schlummern sollte. Doch mit dem beginnenden Kopfschmerzen der Ausnüchterung schleichen sich auch die ersten Vorboten eines schlechten Gewissens ein.

Mit einer fahrigen Handbewegung versucht er die bösen Geister zu verscheuchen. Als er den Motor seiner Limousine startet, drehen sich seine Gedanken nur noch um eins - die Vergangenheit in seinen Gedanken so zu verändern, daß dieser belanglose one-night-stand niemals stattgefunden hat.

Wer dies lediglich für das Schicksal eines bedauerlichen Einzelfalles in unserer Gesellschaft hält, der lebt "hinterm Mond". Trotz aller Aufklärung und sexuellen Befreiung der frühen 60er wird die "freie Liebe" in der Öffentlichkeit zwar noch moralisch verteufelt - erfreut sich jedoch im Geheimen steigender Beliebtheit. Die heimlichen Sehnsucht nach ungewöhnlichen sexuellen Erfahrungen leben wir normalerweise nur im stillen Kämmerlein aus. Kein Wunder, daß Seitensprung-Agenturen ihren Kunden einen Ratgeber zum Verheimlichen des stillen "Stell-dich-eins" als Service mitliefern. Solange man nicht erwischt wird, ist alles erlaubt.

Leider versäumen diese Ratgeber ihren Klienten zu erklären, wie man auf Dauer mit dieser Lüge leben soll. Tagsüber ein Dr. Jekill zu sein und nachts zu einem Mr. Hyde zu mutieren kann leicht zur inneren Zerreißprobe werden. Schlummert nicht im Hintergrund immer noch die Furcht "erwischt zu werden"? Sexualwissenschaftler beobachten heute nur noch mit einem Schmunzeln die alte Mär, daß Männer und Frauen von Natur aus einen Hang zur Treue haben.

In einer groß angelegten Studie der Brandley-Universität untersuchten die Wissenschaftler das Verhalten von 16 288 Männern und Frauen, das von Estland bis zu den Fidschiinseln offenbar dasselbe ist. Beide Geschlechter sind gleichermaßen an einer schnellen Affäre interessiert - jedoch aus unterschiedlichen Gründen und auf unterschiedliche Weisen. Spätestens seit die Verhütung kein Problem mehr ist, holen die Frauen immer stärker auf. Man schätzt, daß etwa die Hälfte aller verheirateten Frauen bis zum vierzigsten Lebensjahr mindestens einen Liebhaber hatten. Frauen warten im Durchschnitt zwischen 4 bis 5 Jahren bis zur ersten Affäre.

Doch was sagen Forscher zu den unterschiedlichen Motiven des Seitensprungs?

seitensprung PartnertauschDie populärste Erklärung ist immer noch, daß unser Verhalten evolutionsbedingt gesteuert wird. Wenn ein Mann seinen Samen an viele Partnerinnen weitergibt, so ist die Wahrscheinlichkeit viele Kinder zu bekommen - und damit seine Gene zu reproduzieren - am größten. Weltweit sind Männer schneller zum Geschlechtsverkehr bereit als Frauen. Immerhin haben 50% aller befragten Männer zugegeben, daß sie an einem schnellen Sex Interesse haben. Bei Frauen liegt die Quote immerhin noch bei 20%, wobei die Ergebnisse derartiger Selbstbefragungen immer etwas zweifelhaft sind. Erst vor kurzem ergab eine Studie des Journal of Sex Research, daß Frauen gerne mogeln. Schließt man sie an einen "Lügendetektor" an, so erinnern sie sich plötzlich an wesentlich mehr Sexualpartner als bei der üblichen Befragung.

So verwundert es nicht, wenn sich gerade die Männer mehrere Sexualpartner wünschen. Außerdem ist der Hang zu ungewöhnlichen Sexpraktiken und der Wunsch nach Reizwäsche bei ihnen am stärksten ausgeprägt. Immerhin spielt bei der Wahl des Sexualpartners das Aussehen der Frau bei den Männern die größte Rolle. Je mehr vom Busen und den Beinen einer Frau zu sehen sind, desto höher stehen die Chancen den männlichen Geschlechtstrieb zu stimulieren.

High-Heels spielen hierbei eine bedeutende Rolle. Die Forscher haben festgestellt, daß die Beine einer Frau in der Pubertät besonders schnell wachsen, was mit deren bevorstehender Geschlechtsreife korrespondiert. High-Heels verlängern optisch die Länge der begehrten Beine, was bei Männern eine unbewußte sexuelle Stimulanz auslöst.

Je mehr freie Haut zu sehen ist desto besser. Wie Paul Watzlawick schon so treffend bemerkte, können Menschen nicht Nicht-Kommunizieren. In anderen Worten - es gibt nicht nur das verbale Wort, sondern wir lassen über unsere Gestik, Mimik, Kleidung etc. ebenso unsere Überzeugungen sprechen. Watzlawick nennt dies nonverbale Kommunikation.

Wenn Sie als Frau ernsthaft überlegen fremd zu gehen, können Sie keinen größeren Fehler machen, als ihr Reize zu verbergen. Nicht umsonst bezeichnet man "Schlabberpullis" und "Sackhosen" als "Liebestöter". Männer interpretieren unterbewußt "luftige" Kleidung, die nackte Haut zur Geltung bringt, als sexuelles Angebot. Wie freizügig sich Frauen zeigen, wird mit ihrer heimlichen Bereitschaft zum Geschlechtsverkehr gleichgesetzt.

Was beiden Geschlechtern gemeinsam ist, ist die Angewohnheit ihr sexuelles Verhalten unter Alkohol "lockerer" zu sehen. Je nachdem viel Alkohol im Spiel ist, desto höher stehen die Chancen, daß die "moralische Kontrolle" dem Bewußtsein entfleucht. Je weniger wir uns kontrollieren, desto mehr kommen unsere Triebe und genetischen Anlagen zum Vorschein. Langfristige Perspektiven werden vergessen, Konsequenzen ausgeblendet - nur der Augenblick ist noch präsent.

Nachdem sich leider auch unsere optische Wahrnehmung verschlechtert, wird oft auch ein "häßliches Entlein" zur Hollywood-Diva. Da die kognitiven Fähigkeiten mehr oder minder stark eingeschränkt sind, können wir auch unseren Gefühlen eher erlauben, sich offen zu zeigen.

Die Studie des Journal of Sex Research verriet, daß gerade bei Frauen ein positive emotionale Grundstimmung entscheidend für ihre sexuelle Zugänglichkeit ist. Ohne Gefühl nix los - wobei Männer oft den Fehler machen zu kopflastig an die Sache heranzugehen. Frauen wollen sich weniger gerne intellektuell zu einer Affäre "überreden lassen", sondern vielmehr eine intime romantische Atmosphäre genießen.

Während Männer durchaus Affären planen, neigen Frauen eher dazu, aus der Gelegenheit heraus zu entscheiden. Die Gelegenheit muß stimmig und spontan sein - es muß den Zauber des Augenblicks und das Prickeln unter der Haut zu fühlen sein.

Interessant ist hierbei auch, daß Männer ihre emotionale Grundstimmung schneller verändern können als Frauen. Bleiben Sie als Mann also tolerant und geben Sie dem weiblichen Geschlecht die nötige Zeit, sich auf die positiven Feelings einzulassen. Sie wären nicht der erste, der bei einem Schnellschuß auf der Nase landet. Lassen Sie ihrem Partner Zeit und achten Sie auf sein nonverbales Feedback. Drängen Sie nicht unnötig, sondern warten Sie auf positive Signale des Partners.

Frauen achten bei der Wahl ihres Partners sehr stark auf seine kommunikativen Fähigkeiten. Das Aussehen des Partners spielt bei Frauen eine eher untergeordnete Rolle. Ein Mann muß mit seinen Ideen faszinieren, die Fähigkeit haben auf sein Gegenüber einzugehen - sich für die Frau interessieren. Es gibt keinen langweiligeren Flirt für Frauen, als einem Selbstdarsteller zuzuhören. Ein Gespräch entwickelt sich aus Fragen an den anderen - wer keine Fragen hat, hat schon halb verloren. Frauen suchen das Miteinander - sie wollen sich wohl fühlen und zusammen mit dem Partner Spaß haben.

Evolutiv macht die "Masse statt Klasse"-Strategie von Männern für Frauen keinen Sinn. Früher bekamen sie die Konsequenzen einer Affäre sozusagen am eigenen Leib zu spüren. Da sie höchstens ein Kind pro Jahr bekommen können, entwickelten sie langfristigere Strategien bei der Partnersuche. So achten Frauen eher auf die Überlebens- und Bindungsfähigkeit des Partners. Die Frage "wieviel Ressourcen der Mann bereit stellen kann" war für die Aufzucht und Pflege des Nachwuchses entscheidend.

Ressourcen können rein körperlicher Natur sein, d.h. ein gut gebauter muskulöser Mann signalisierte am ehesten die Fähigkeit die Familie verteidigen zu können.

Es zählen aber auch soziale Fähigkeiten:

  • Wie gut kommt der Mann mit anderen Stammesmitgliedern klar?
  • Trägt er Streitigkeiten eher körperlich oder verbal aus?
  • Ist er bei den Mitgliedern des Stammes beliebt? etc.

... sind typisch evolutiv geprägte Fragestellungen. Da Frauen den meisten Männern körperlich unterlegen sind, ziehen sie Männer vor, die Konflikte gewaltfrei lösen. Hier spielt wieder die Fähigkeit miteinander zu reden bzw. das Miteinander zu suchen, eine große Rolle. Denn im kommunikativen Austausch sind die Frauen ihren Partnern gleichgestellt - beide haben dieselben Chancen ihre Perspektiven zur Geltung zu bringen.

Desweiteren zählen zu Ressourcen auch materielle Dinge, wie die Finanzen oder das Eigentum. Hier kann eine Frau ganz pragmatisch abschätzen, ob der Auserwählte die Fähigkeit hat, eine Familie zu ernähren. Der Reichtum an materiellen Ressourcen zeigt sich auch an der Art der Kleidung des Mannes - je ungepflegter und zerrissener desto schlechter ist es um ihn bestellt.

Ein weiterer Punkt der eine Affäre entscheidend beeinflußt ist das äußere Setting. Je gewohnter die Umgebung ist, desto stabiler sind Männer wie Frauen an ihre Gewohnheiten gebunden. Ändert sich das äußere Umfeld jedoch erheblich - wie es bei einer Kur oder einem Urlaub der Fall ist - desto mehr neigen beide Geschlechter dazu, ihre moralischen Ansprüche fallen zu lassen. Man fühlt sich "freier" und weniger von dem gewohnten Umfeld beobachtet und kontrolliert. Je ungewohnter und freizügiger die Umgebung ist, desto eher ist man bereit ungewöhnliche und spontane Aktionen zu bringen.

Viele Fremdgänger(innen) bremsen sich im normalen Umfeld nur deshalb, da sie sich vor den sozialen Sanktionen fürchten. Im Grunde folgen wir nicht unseren "ehrlichen" Überzeugungen, sondern zeigen lediglich die Fassade, die gesellschaftlich erwünscht ist. Unsere christliche Prägung - die Fleischeslust zu verteufeln - ist der modernen Gesellschaft noch immer tief verwurzelt. Es werden noch einige Jahre ins Land gehen, bis wir in unserer Kultur einen ehrlicheren Umgang mit unserer Sexualität gefunden haben. Bis dahin werden wir wohl weiterhin mit der Maskerade zwischen Schein und Sein leben müssen.

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[kein Betreff] Monika Schuster 06.10.2008 22:05
Viele suchen den besonderen Kick bei einem Seitensprung. Viele Frauen wünschen sich begehrt zu werden.