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Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum manche Texte flüssig und andere so schwer zu lesen sind? Entscheidend ist hierbei nicht allein die Komplexität des Themas, sondern auch deren formale Aufbereitung für den Leser. In diesem Artikel haben wir einen kleinen "Selbsttest" vorbereitet, mit dessen Hilfe Sie jeden beliebigen Sachtext auf seine Lesbarkeit hin testen können.
Dieser
Test beschäftigt sich mit der Frage, welche Struktur ein gut lesbarer Sachtext
aufweisen muß. Da er universell anwendbar sein soll, haben wir inhaltliche
Kriterien bewußt weggelassen. Die Idee für diesen Test stammt von
führenden Lektoren, die versucht haben ihre Erfahrungen in ein einfach
zu bewertendes System zu übertragen. Er soll nicht nur dazu dienen, einen
vorhandenen Text zu bewerten, sondern ihn anhand der folgenden Kriterien in
seiner Lesbarkeit wesentlich zu verbessern.
Leider war es uns nicht möglich, die Vorgaben dieser Testart in ein Script zu transformieren, so daß Sie die Bepunktung und Bewertung manuell ausführen müssen. Damit ist die Bearbeitung mit einigem Aufwand verbunden, der sich bei wichtigen Texten jedoch letztlich dreifach auszahlt, vor allem dann, wenn Sie mit ihrem Sachtext ein größeres Publikum überzeugen und nicht nur eine "Eintagsfliege" produzieren wollen.
Gerade bei wichtigen Ausarbeitungen wie: Referaten, Dissertationen, einem Buch etc. wird sich die gute Lesbarkeit direkt im positiven Feedback Ihrer Leser niederschlagen. Textgräber gibt es wie Sand am Meer. Interessante und gut aufbereitete Ausarbeitungen sind dagegen leider immer noch seltene - und wahrscheinlich deshalb - hochgeschätzte Perlen.
Einen
Trick, der Ihre Auswertung sehr erleichtern wird, will ich Ihnen an dieser Stelle
noch ans Herz legen. Verwenden Sie zur Auswertung Ihres Textes ein Schreibprogramm,
welches eine "Suchen/ Ersetzen"-Funktion hat. Bei Microsoft Word finden
Sie diese Option in der Menüleiste unter dem Begriff "Bearbeiten"
->"Ersetzen" - Power-User können auch die Tastenkombination
Strg-H verwenden.
1. Beispiel: Sie wollen wissen, wieviele Sätze Ihr Text enthält.
Geben Sie in der "Ersetzen"-Funktion in dem Textfeld "Suchen nach" einen Punkt
ein. Klicken Sie anschließend auf den Button "Weitersuchen" und zählen Sie alle
Punkte zusammen, welche die Suchfunktion findet. Dasselbe wiederholen Sie mit
einem Ausrufezeichen und einem Fragezeichen. Klicken Sie jeweils solange auf
den Button "Weitersuchen" bis die Suchfunktion meldet, daß der ganze Text durchsucht
wurde.
Damit Sie Ihren Text nicht unbeabsichtigt verändern, dürfen sie nur auf den "Weitersuchen"-Button klicken - nicht jedoch auf den "Ersetzen"-Button. Diese Prinzip läßt sich auf jeden Texteditor übertragen, der eine "Suchen"-Funktion hat. Damit können Sie in wenigen Minuten auch sehr lange Texte nach bestimmten Merkmalen durchforsten. Addieren Sie am Ende die gezählten Punkte, Fragezeichen und Ausrufezeichen zusammen - schon haben Sie die Anzahl der Sätze Ihres Textes ermittelt.
2. Beispiel: Sie wollen wissen wieviele Wörter Ihr Text enthält.
Bei Mircrosoft Word können sie dies ganz leicht herausfinden. Klicken Sie
auf "Datei"-> "Eigenschaften" - es öffnet sich dann
ein neues Fenster mit dem Titel "Eigenschaften von TEXTNAME". Hier
wählen Sie den Reiter "Statistik". In einem kleinen Anzeigefeld
wird nun automatisch eine kleine Statistik Ihres Textes ausgelesen. Hier finden
Sie sowohl die Anzahl der Absätze, als auch die Anzahl der Wörter
die in Ihrem Text vorhanden sind. Beide Werte benötigen Sie, um den
Lesbarkeitstest zu berechnen.
Wie ermittle ich die Lesbarkeit meines Textes?
1. Hundert-Wörter-Gruppen ermitteln:
Der erste Schritt besteht darin, daß Sie ermitteln, wieviele Wörter Ihr Text
enthält. Ein Wort ist alles, was auf beiden Seiten von Zwischenräumen umgeben
ist, z.B. DM 10.80 sind zwei Wörter. Falls Sie Microsoft Word installiert haben,
brauchen Sie nur - wie in Beispiel 2 angegeben - in die Statistik sehen. Teilen
Sie anschließend die Anzahl der Wörter durch 100 und schreiben Sie die Zahl
der Hundert-Wörter-Gruppen auf. Bei 2050 gefundenen Wörtern beträgt die Hundert-Wort-Gruppenanzahl
also 20.5.
2. Lesbarkeitspunkte für Ihren Text ermitteln:
Geben Sie sich jeweils einen Punkt für:
Zählen Sie am Ende alle Lesbarkeitspunkte zusammen und teilen Sie diese Punkteanzahl durch die Anzahl der Hundert-Wort-Gruppen.
Beispiel:
Sie haben 2050 Wörter im Text - also 20, 5 "Hundert-Wort-Gruppen" und Ihre Lesbarkeitspunkte
betragen 350. Teilen Sie nun 350 durch 20,5 -> Sie erhalten dann den Wert
17, 1. Vergleichen Sie den gefundenen Wert mit der folgenden Tabelle - diese
gibt Ihnen den Maßstab an, wie gut Ihr Text zu lesen ist.
Auswertungstabelle:
01 - 10 Punkte: sehr schwer lesbar - nur für 3% der Bevölkerung geeignet
11 - 20 Punkte: schwer lesbar - für etwa 10 % der Bevölkerung geeignet
21 - 25 Punkte: aufgelockerter Schreibstil - etwa für 20 % der Bevölkerung
geeignet
26 - 30 Punkte: locker lesbar - etwa für 50 % der Bevölkerung geeignet
31 - 35 Punkte: populärer Schreibstil - etwa für 80 % der Bevölkerung
geeignet
ab - 36 Punkte: sehr leicht lesbar - etwa für 95 % der Bevölkerung
geeignet
Nun haben Sie einen ungefähren Maßstab, wieviel % der Bevölkerung Ihren geschätzten Sachtext überhaupt lesen würden. Selbst erfahrene Autoren machen immer wieder erstaunt die Entdeckung, wie unleserlich sie ihre Manuskripte verfassen. Deshalb kursiert unter guten Autoren auch der Leitsatz: Überarbeiten und nochmals Überarbeiten ist das Geheimnis guter Texte. Natürlich ersetzt eine gute Struktur keine inhaltlichen Mängel. Aber Sie können bei einem guten Inhalt gewährleisten, daß er von einer möglichst großen Leserschaft für lesbar gehalten wird.
Viel Erfolg!
Wert 4.3 |
Thema: 4.5 | Information: 4.5 | Verständlichkeit: 4 |
| Stimmen: 2 | Legende: 5: super - bis 1: erträglich |
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