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Echte Gefühle oder falsche?
Ist es wirklich so leicht, mit gesundem Menschenverstand die echten von den falschen Gefühlen zu unterscheiden? Wenn ja - nach welchen Kriterien könnten Sie diese Unterscheidung treffen? Sehen wir uns zunächst die Wirkungen von Gefühlen an.
Jedes Gefühl hat eine bestimmte Wirkung oder Funktion ...:
Echte Gefühle passen zu dem, was ich in der jeweiligen Situation tatsächlich bewirken will. Sie erkennen sie daran, daß Sie ihre Wirkung ...:
Kurz: Es sind Ihre Gefühle.
Die Wirkung unechter Gefühle hingegen passen nicht zu dem, was Sie tatsächlich wollen, sondern werfen nur kurzfristig befriedigende Schein-Gewinne ab. Sie erkennen sie daran, daß sie Ihnen mehr oder weniger passieren, nicht Sie, sondern die Gefühle entscheiden und bewirken, daß Sie auf bestimmte Schlüsselreize die Reaktion abspulen, die Ihnen irgendwann mal beigebracht wurde.
Kurz: Es sind anerzogene Gefühle.
Zum
Beispiel ist Trauer das passende Gefühl für Situationen, in denen ich mich von
jemandem oder von etwas trennen will. Ich muß, sollte oder will mich von alten
Bindungen lösen. Wenn wir jedoch irgendwelchen Illusionen nachjagen, oder unsere
Gefühle an Erwartungen anderer Menschen ausrichten, so läuft etwas
schief. Echte Trauer kann über den Schmerz hinaus auch ein tränenreiches
Abschiedsfest sein. Ja, richtig gelesen: Abschiedsfest: Trauer enthält, wenn
sie ein echtes Gefühl ist, den Keim der Freude, der Freude auf das Kommende,
das nun erst möglich wird. Aber dazu später.
Das Unterscheidungskriterium passend/ unpassend zur Situation auf unechte Gefühle angewandt würde im Falle von Trauer bedeuten: Immer dann, wenn ich mich nicht von etwas trennen will oder einer Trennung nicht zustimmen will, wäre das Gefühl von Trauer fehl am Platz. Laut weinend der Welt mitzuteilen: Ich will ja dies oder jenes unbedingt bewahren, aber die lassen mich nicht – was will ich damit bewirken? Mich verabschieden von dem, was ich will oder den Anspruch aufgeben, daß ich das, was ich will, je können werde? Wäre Aggression, vielleicht auch Neugier nicht passender?
Zugegeben, so einfach es auch ist, echte von falschen Gefühlen zu unterscheiden. Solange ich im Labyrinth unechter Gefühle orientierungslos gefangen bin, wird es schwer sein meine echten Gefühle zu erkennen. In der Transaktionsanalyse werden diese unechten Gefühle als "Maschen" bezeichnet, andere Autoren sprechen davon, daß Menschen in aller Regel "Opfer" ihrer typischen Gefühlsketten werden, insbesondere, wenn sie sich in Stressituationen befinden.
Maschen / Gefühlsketten
Indizien im Alltag, an denen Sie erkennen, daß Sie in einer Gefühlsmasche hängen:
In bestimmten Situationen können Menschen ihre Gefühle oder ihr Verhalten nicht verändern. Sie wissen vielleicht, daß es auch andere Möglichkeiten gibt, doch sie können diese Möglichkeiten für sich nicht verwirklichen. Auch wenn sie es wollen, verhalten sie sich doch auf alte, gewohnte Weise.
Woran liegt das?
Im
Verlauf der späten Kindheit (6-10) treffen Kinder eine "Entscheidung"
darüber, welche Art von Gefühlen für sie erlaubt, geboten oder verboten sind.
Sie machen die Erfahrung, daß bestimmte Gefühle von ihren Eltern nicht akzeptiert
(ignoriert und bestraft) werden, andere dagegen belohnt werden. Ihre Entscheidung
hängt also wesentlich von der direkten (Verbote, Erlaubnis, Gebote) und indirekten
(Vorbild) Orientierung durch die Eltern ab. Das heißt: Kindern wird von ihren
Eltern beigebracht und vorgelebt, wie man sich in schwierigen/ stressigen Situationen
zu fühlen hat.
Da jedes Kind so nur ganz bestimmte emotionale Reaktionen auf Streß kennenlernt, ist es natürlich davon überzeugt, daß diese seine Reaktionen ganz natürlich, sozusagen zwangsläufig, die einzig möglichen oder zumindest die einzig angemessenen sind.
Beispiele für Stress:
Wert 4.1 |
Thema: 4 | Information: 4 | Verständlichkeit: 4.3 |
| Stimmen: 4 | Legende: 5: super - bis 1: erträglich |
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