Die wichtigsten Eigenschaften des Willens sind: er ist konsistent und hält lange an. Diese beiden Eigenschaften bedingen sich gegenseitig: ein inkonsistenter Wille, der mit sich selbst oder anderen wichtigen Beweggründen uneins ist, wird sich nicht sehr lange aufrecht erhalten lassen. Wenn der Wagenlenker in zwei Richtungen gleichzeitig fahren will und die Zugtiere in noch eine andere Richtung zerren, dann ist der Unfall vorprogrammiert.
Aus diesen Eigenschaften des Willens ergibt sich auch der logische Schluß, daß Wille letztendlich nur auf höhere Ziele wie Selbstvollendung gerichtet sein kann.
Motivation hingegen ist eine eher flüchtige Sache, welche auf Gefühlen beruht. Ich möchte dies, ich möchte das, ich weiß es eigentlich selber nicht... Gemeinhin ist Motivation eher auf kleinere und konkretere Ziele gerichtet. "Ich bin motiviert zur Erleuchtung" hört sich schon rein intuitiv ziemlich seltsam an.
Motivationen sind wechselhaft und häufig inkonsistent. Trotzdem müssen wir "motiviert" sein, gerade mit unseren Gefühlen bei der Sachen sein, um etwas zu bewegen.
Was ist dann aber mit der obigen Aussage gemeint, daß das Geheimnis der Selbstvollendung in der Transformation von Volition in Motivation liegt? Heißt das nicht: machen wir, worauf wir gerade Lust haben, wozu uns unsere Gefühle treiben?
Ganz im Gegenteil!
Vielmehr heißt es: den Willen in Motivation umsetzen und dadurch zur Wirkung zu bringen.
Nur ist es in der Tat häufig so, daß der Wille noch zu schwach entwickelt ist, oder wir verschiedene widerstreitende Willen in Bezug auf eine Angelegenheit haben. Oder es gibt zu viele gegen den Willen stehenden Wünsche (s.o.). Das ist bei den meisten Menschen sicherlich noch der Normalzustand.
Die Aufgabe eines Magiers besteht ja zu einem guten Teil darin, genau diese Inkonsistenzen aufzuarbeiten und soweit als möglich auszumerzen. Das gelingt jedoch bestimmt nicht dadurch, daß wir unsere Gefühle auszumerzen versuchen (was sowieso nicht funktionieren wird, so lange wir noch in Körpern existieren – der Wagenlenker kommt ohne Wagen nirgendwo hin...).
So liegt das Geheimnis darin, unsere Emotionen unserem Willen entsprechend selbst zu wählen oder wenn dies (noch) nicht möglich ist, sie zumindest Stück für Stück in eine produktivere Richtung zu verändern (etwa von Hoffnungslosigkeit zu Frustration und danach zu Neugier, was man in Zukunft anders machen kann).
Nun steht der Sprung in die Praxis an: was für Möglichkeiten und Techniken bieten sich uns an, um unsere Gefühle unserem Willen gemäß zu wählen, zu beeinflussen oder zu ändern?
Hier können wir unterscheiden zwischen Methoden, die sich eher unspezifisch und allgemein auf unser emotionales Befinden auswirken, solchen, die konkret in einer Situation angewandt werden können und solchen, die uns nach einem unerfreulichen Erlebnis helfen, emotional wieder auf die Höhe zu kommen (denn die positiven Emotionen wie Freude sind ja als Begleiterscheinung von Erfolg das natürliche Anzeichen dafür, daß wir unserem wahren Willen folgen: "Erfolg ist Dein Beweis" )
Klassische (und wirksame!) Beispiele für den ersten Bereich sind natürlich Meditation, insbesondere auch Pranayama und das Zelebrieren von Ritualen. Auch ein Großteil Therapeutischer Techniken fällt in diese Gruppe.
Eine kleine Übung, für Situationen, in denen wir uns unangenehme, ungewollte Gefühlen machen ist die Technik des Dissoziierens. Mit dieser Technik können wir unsere (ungewollten, negativen) Gefühle zuerst einmal in eine etwas positiver Richtung zu lenken, indem wir die Intensität dieser Gefühle reduzieren.
Assoziieren und Dissoziieren
Ein gewichtiger Unterschied darin, wie wir Situationen erinnern und uns in Situationen vergegenwärtigen bzw. sehen besteht darin, welchen Blickwinkel wir innerlich einnehmen. Sehen wir in unserer Vorstellung durch unsere eigenen Augen, oder betrachten wir die Situation von außen? Ein "assoziieren" – das heißt das wahrnehmen quasi aus dem eigenen Körper heraus – verstärkt die Gefühle.
Das Wahrnehmen der Situation von außen verringert die gefühlsmäßige Beteiligung. Wenn wir uns die Situation auch noch von oben vorstellen, so gewinnen wir gemeinhin auch noch mehr Überblick.
In Situationen, in denen wir uns also bedroht fühlen, oder denken, gleich die Kontrolle zu verlieren (anzufangen zu weinen oder schreien) und in denen wir das nicht wollen, können wir diese Technik bewußt einsetzen, um uns mehr Ruhe und Überblick zu verschaffen (natürlich auch andersherum: wenn wir uns zu unbeteiligt vorkommen, können wir uns damit mehr engagieren).
Übungsbeschreibung:
Setzen Sie sich bequem hin – auf einen Stuhl oder in ein Asana. Spüren Sie bewußt, wie Ihre Beine den Boden bzw. den Stuhl berühren.
Stellen Sie sich nun vor, Sie schweben aus sich heraus – egal wie – und stehen neben Ihrem sitzenden Ich. Nun schweben Sie etwas höher, bis an die Decke. Sie können nun von oben auf Ihr sitzende Ich herabblicken. Vergegenwärtigen Sie sich genau, was Sie im einzelnen sehen: Die Farbe und den Schnitt Ihrer Kleidung, den Teppich, den Stuhl, etc.
Dann schweben Sie wieder hinter Ihr sitzendes Ich und können es jetzt quasi berühren, die Schultern oder Haare anfassen und spüren und – egal wie – gehen wieder in Ihren Körper hinein.
Sie spüren, wie sich der Stuhl bzw. der Boden unter Ihnen anfühlt, hören die Geräusche im Raum, und können dann – wenn Sie wollen – wieder die Augen öffnen.
Mit der Erfahrung aus dieser Übung können Sie die Technik des Dissoziierens im Alltag sehr schnell und effizient einsetzen.
Für Situationen, in denen wir uns Anfeindungen von anderen ausgesetzt sehen (etwa den uns anbrüllenden Unsympath – sei es nun der Vorgesetzte, die Schwiegermutter oder der finstere qliphotische Dämon) kann es auch helfen, sich vorzustellen, wie die vom anderen ausgehende negative Energie einfach mit Abstand um uns herumfließt ohne uns zu berühren.
Um auf Techniken und Muster einzugehen, die sich ausgearbeiteter mit der Struktur von Emotionen, einzugehen fehlt hier leider der Raum.
Für Leser, die sich noch genauer mit den verschiedensten Techniken der Veränderung und dem bewußten Auswählen von Gefühlen beschäftigen wollen, sei folgendes Buch aus der psychotherapeutischen Ecke wärmstens empfohlen: L. Cameron-Bandler & M. Lebeau: Die Intelligenz der Gefühle.
Thorsten Höser
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Thema: 4.3 | Information: 3.7 | Verständlichkeit: 3.7 |
| Stimmen: 7 | Legende: 5: super - bis 1: erträglich |
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