Deutsche Mythologie II: Die Göttinnen der Südgermanen

13.08.2003
69446 Views
Bewertung 4.3
Eire Rautenberg

Die Göttinnen: Erce Nerth Nehalennia Tanfana Frija Austro Baduhenna Walküren
Kult und Brauchtum
Vorstellungen vom Weltbeginn und Weltende
Textquellen

Erster Teil des Artikels: Die Götter der Südgermanen

Die Götter: Tiwaz Watanaz Donraz Pulaz Foraz

Die Göttinnen

Erce

"Mutter Erde" ("Arda", "Urda", mhd.= Herche; "Arche", Arke, Harke, Herke) wird als Menschenmutter verehrt. Ihr zu Ehren werden alle Feldfrüchte, alles was der Boden hervorbringt, geopfert und Segen über ihren ‚Acker‘ gesprochen. Weihrauch, Fenchel und Salz wurden im Pflug verborgen und dann die erste Furche gezogen. Sie nährt die gesamte Welt.

Sie ist dieselbe Erdgöttin, die in allen Kulturen seit Urzeiten verehrt wird. Sie ist "Gaia" (griech.), sie ist der Planet, ein lebendiges Wesen, von dem wir alle abhängig sind.

Nerth

Das älteste Zeugnis für die Verehrung der Erdgöttin bei den Ingaevonen bietet Tacitus: "Es ist auf einer Insel im Ozean ein heiliger Hain, den niemand betreten darf. In ihm ist ein geweihter Wagen, mit einer Decke verhüllt. Nur dem Priester ist es gestattet, ihn zu berühren. Er weiß, wann sich die Göttin im Allerheiligsten aufhält und begleitet sie, wenn sie auf ihrem von Kühen gezogenen Wagen durch das Land fährt.

Frohe Tage gibt es dann und festlich geschmückte Orte, wohin die Göttin gastlich ihre Schritte lenkt. Die Waffen ruhen, alles Eisen ist verschlossen, bis die Göttin heimgekehrt ist in ihr Heiligtum. Dann wird der Wagen, die Tücher und, so man glauben will, die Gottheit selbst, im See gebadet. Sklaven versehen diesen Dienst, die danach derselbe See verschlingt. Nur die dem Tode Geweihten dürfen die Gottheit schauen ..."

Wie schon gesagt, war der heilige Hain, der Nerth(us)tempel wahrscheinlich auf Seeland. Noch im 10. Jdht. wird berichtet, daß in Hleidr (Lejre, Lederun) jedes neunte Jahr zur Sommersonnenwende große Opferfeste gefeiert wurden, die erst Heinrich der Vogler 934 n. Chr. abschaffte. In der Nähe liegt ‚der weiße See‘ bei Ledreburg. Vielleicht lag hier das Stammesheiligtum.

Tiwaz Ingwaz und Nerth sind das göttliche Paar bei den Ingaevonen. Als Gattin des Tius könnte Nerthus die "Unterirdische" sein. Dafür spricht auch der Seekult. Die feierliche Umfahrt der Göttin bedeutet das Erwachen der Natur im Frühjahr, in dem das Fest zu Ehren der Vermählung des göttlichen Paares stattfand. Ob der Priester des Nerthustempels als der Vertreter des Gottes in dieser Funktion galt und ob es eine Hohepriesterin gab, die die fruchtbare Vereinigung mit ihm symbolhaft oder tatsächlich vollzog, ist nicht überliefert.

Die Übereinstimmung zwischen dem Frühlingsfest der Nerthus und der römischen Cybele ist auffallend.

Nehalennia

Von einer Göttin Nehalennia weiß man erst seit 1647. Unter den Dünen der batavischen Insel Walcheren/Scheldemündung fand man die Reste eines Tempels. In deutschen Landen ist Nehalennia auf achtzehn Altären bildlich dargestellt. Sämtliche Bilder zeigen die Göttin in einen weiten, mit einem großen Kragen versehenen Mantel gehüllt, der durch eine Spange oder Schnalle zusammengehalten wird. Ein horchender Hund begleitet sie.

Auf einem Altar ist ein Hase abgebildet. Sie trägt einen Fruchtkorb, hauptsächlich Äpfel. Füllhörner, Bäume und Weinreben umgeben sie. Sie ist die Göttin der Fruchtbarkeit, die Göttin der Ehe und des Kindersegens. Da sie auch oft mit Schiffen oder Rudern dargestellt ist, gilt sie als Schirmherrin der Schiffahrt und des Seehandels.

Der verhüllende Mantel scheint auch auf eine Göttin der Unterwelt zu deuten, ebenso der Hund (indog. = neqos, germ.= nehal, die "Totenbergerin"). Die Wortwurzeln nawe, navalis, deuten auf den Nachen der Schiffe, die Wurzel –haleni auf die "Gewährende", Reichtum Spendende. Ihre Verehrung ist für den Rhein und die Nordseeküste bezeugt.

Die Römer konnten leicht an ihre Vorstellung der Göttin Isis erinnert werden. Der Hund, der Fruchtkorb, die Füllhörner und selbst das Schiff kehren wieder. Im römischen Bauernkalender hieß der 5. März "Schiff der Isis". Es war das Frühlingsfest der Isis, "die zuerst den Menschen die Frucht gab". In Deutschland fand der Schiffsumzug etwa zu Fastnacht statt. So erklärt sich, daß sich römische und germanische Namen auf den Nehalenniasteinen finden. Dennoch ist es eine deutsche Göttin.

Publikationen und Empfehlungen
von Eire Rautenberg

Weiterführende Literatur zu diesem Thema

Gesamtstatistik der Bewertungen

4 Sterne
Wert 4.3
Thema: 4.4 Information: 4.3 Verständlichkeit: 4.4
Stimmen: 11 Legende:
5: super - bis 1: erträglich
Views: 69446

Beiträge

Keine Beiträge vorhanden.