"Wer Schmetterlinge lachen hört ..."

01.08.2003
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Eire Rautenberg
  

Eine interessante Heilmethode, die heute noch von den Clowns einiger Stämme angewendet wird, ist "das plötzliche, Furcht einjagende Lachen ..."

Die Assiniboine, Plains-Cree und Plains-Ojibwa vertreiben so die schon eingetretene Krankheit aus dem Körper des Leidenden. Die Navajos bleiben plötzlich stehen, rennen auf den Kranken zu und versuchen ihn in die Höhe zu werfen. Die Gegenteiler der Cheyenne heilen, indem sie den Kranken mit dem Kopf nach unten halten, während sie außerdem die obigen Methoden anwenden.

Eine andere Praxis: sehr schnell und in drohender Haltung auf jemanden zuzulaufen und dann über ihn hinweg zu springen oder mit einem kochendheißen Stück Hundefleisch nach ihm zu werfen. Die Betroffenen werden durch diesen Schock umgepolt.

(Anmerkung: die Schock-Methode ist übrigens ein bewährtes Heilmittel auch bei den sibirischen Schamanen, welche die Kranken u.a. sogar durch Festbinden und nachfolgende körperliche Gewaltausübung geheilt haben, wobei Rituale und Rauschzustände oftmals diesen Prozeß begleiteten.)

Die Kranken werden geheilt, indem fruchtloser Kummer und unnütze Gedanken von ihnen abfallen. Ein von Kummer befreiter Geist ist für viele indigene Völker eine vorbeugende Kraft gegen Krankheiten, also Krankheitsvorsorge.

In einem Gebet der Tewa heißt es: "Geht nun heim, ohne Kummer, ohne Tränen, ohne Traurigkeit."

Ein Hopi-Clown kann seinem Volk nur mit einem glücklichen Herzen helfen. Die Hopis sagen, "Krankheit und Tod haben ihren Grund vor allem im Kummer, er setzt sich hauptsächlich im Bauch fest und läßt ihn hart werden". Der Clown selbst ist immun gegen Bauchleiden, auch gegen Vergiftungen. Manche Clowns im Südwesten Nordamerikas essen alle Arten von Schmutz, ohne sichtbaren Schaden zu nehmen und zeigen so ihre Immunität. Adolph Bandelier schrieb 1882 in einem Bericht über den Auftritt der Clowns im Chonchiti-Pueblo: "Das Ganze ist eine schmutzige, obszöne Angelegenheit. Sie tranken Urin aus Nachtgeschirren, aßen Exkremente und Schmutz."

Während der koshari-Einweihung in Acoma "nahm einer der Alten ein Gefäß, urinierte hinein und mischte den Harn mit Heilkräutern, ein anderer fügte Nasenschleim hinzu, und die koshari-Frau riß sich etwas Schamhaar aus und warf es mit hinein."

Beim Tanz der Gehörnten Wasserschlange tranken die sieben Chükü-Clowns der Hopi mit Behagen etwa fünfzehn Liter ausgereiften Urin. Zu Heilzwecken benutzt der Clown der Hopi auch gewöhnlichen Schmutz.

Da indianische Clowns meist arm sind, betteln sie um ihre Nahrung oder stehlen sie. Trotz ihrer Armut haben sie Macht und können Schrecken verbreiten. Wenn sie auf Betteltour sind, werden sie daher bereitwillig versorgt. Will jemand ihnen nichts geben, so bewerfen sie ihn mit Schmutz und stehlen sich von ihm, was ihnen gefällt.

Diese aggressive Schamlosigkeit, die Schuldgefühle nicht kennt, erstreckt sich auch auf die Sexualität. Sie gebärden sich auf schockierende Art ungezwungen, sprechen offen und singen über Sex. Jemez-Clowns machen den Frauen eindeutige Anträge, Ponca-Clowns kriechen am hellichten Tage an Frauen heran und berühren plötzlich ihre Genitalien. Früher trugen die Ponca-Clowns riesenhafte Dildos.

Bei den Tewa in Arizona sah Alexander Stephen, wie einer dem anderen den Hosenlatz aufriß und "ihn buchstäblich am Penis fast über den ganzen Tanzplatz schleifte". Bei den kalifornischen Yuki-Clowns war es Sitte, "einander bei ihren Scherzen den Penis zu halten".

Stephen berichtet über die Hopi des ausgehenden 19. Jahrhunderts: "Ein als Frau verkleideter Clown kommt mit einem Wasserbecken auf die Plaza und wäscht sich die Beine, wobei eine große falsche Vulva sichtbar wird. Danach erscheint ein zweiter Clown mit einem Penis aus dem Hals eines Flaschenkürbis, besteigt sie und führt mit ihr direkt auf dem Heiligtum einen Geschlechtsakt von größtmöglicher Derbheit aus." Diese respektlose Posse läßt sich durchaus als Hinweis verstehen, sich nicht an etablierte Geschlechterrollen zu klammern. Zumindest demonstriert diese Haltung die Freiheit der indianischen Narren von engen sexuellen Verhaltensmustern.

Wir können uns glücklich schätzen, daß einige Ethnologen diese Bräuche aufgezeichnet haben, als sie noch ihre ursprüngliche Gestalt hatten. Allerdings benutzten sie das Lateinische für ihre brisanten schriftlichen Ausführungen.

Vor etwa achtzig Jahren startete das Bureau of Indian Affairs in den U.S.A. eine religiöse Verfolgungsaktion wegen dieser fragwürdigen Bräuche. Auch die christlichen Missionare sind in ihrer Prüderie nicht müde geworden, gegen das närrische Treiben der indianischen Stämme zu Felde zu ziehen. Im Kodex religiöser Verbrechen war der Kernpunkt obszöne Praktiken.

(Anmerkung: Die Vorwürfe erinnern fatal an die Beweggründe der Hexenverfolger des europäischen Mittelalters und an die Bekämpfung heidnischer Praktiken bis zum heutigen Tage, die sich ebenfalls aus dem Abscheu vor befremdlichen sexuellen Praktiken selbst legitimieren.)

Die Darstellungen der indianischen Clowns jedenfalls sind seither nicht mehr das, was sie einmal waren!

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von Eire Rautenberg

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