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Bereits bei den antiken Göttern findet man den Narren in Gestalt des Mom(us). Er ist der Sohn der Nacht, Gott der Kritik und des Spottes, Zensor der Göttersitten, der mit seinen Sticheleien auch Zeus/Jupiter nicht verschonte. Nur die Liebesgöttin fand Gnade vor seinen Augen, denn sie war die Vollkommenheit selbst. Lediglich ihr Schuhzeug gefiel ihm nicht. Schließlich wurde er vom Olymp vertrieben und suchte Zuflucht bei Bacchus, dem Gott der Weinrebe, der ihn wohlwollend aufnahm, denn Trunkenheit und Wahnsinn passen zueinander.
Steigt
man vom Götterhimmel hinab, so findet man unzählige der dienstbaren Narren bei
den Persern und in Ägypten, wo es in Gräbern des Sieben-Gaue-Gebietes Darstellungen
von reichen Ägyptern gibt, die von mißgestalteten Personen begleitet wurden.
Selbst der Herrscher der Hunnen, Attila, erholte sich in Gesellschaft seines
Narren. Sie begegnen uns ebenfalls im Sanskritepos Ramayana, so daß es wahrscheinlich
ist, daß sie auch in den indischen Hochkulturen einen festen Platz hatten.
Sie versprühen ihren Witz in Griechenland und später in Rom, wo sie nur dazu da waren, die Familien während der Mahlzeiten zu unterhalten. Im alten Rom hießen sie gelotopoioi (die lachen machen).
Die Gruppe der Aretalogen gehörte zu den armen Philosophen der stoischen und zynischen Schule, die, da sie weder Schüler noch Mäzene hatten, sich genötigt sahen, an den Tafeln der Reichen den Narren zu spielen. Bei Sueton lesen wir, daß Augustus immer einen dieser Narrenphilosophen um sich hatte.
Ist diese Tätigkeit eines wahren Philosophen unwürdig? War denn nicht auch Diogenes der Clown der Stadt? Und lebte nicht auch Sokrates als Parasit, wie die Mehrzahl seiner Kollegen? Weit davon entfernt, das Lachen gering zu schätzen, bedienten sie sich eines amüsanten Paradoxons, um bei ihren Gesprächspartnern die ersten Funken der Wahrheit zu entzünden.
In Rom ging an der Seite des umjubelten Kriegshelden während seines ganzen Siegeszuges ein Mann, der ihm ununterbrochen vorsagte: "Rescipiens post te hominem memento te" ("Vergiß hinter dich blickend nicht, daß du nur ein Mensch bist"). Dies sollte dazu dienen, den Größenwahn bei den Betreffenden einzudämmen: ein typisch närrisches Vorhaben, um die Mächtigen an ihre Verletzlichkeit zu erinnern.
Die Römer bewiesen zu allen Zeiten eine große Schwäche für Witzbolde. Plutarch erzählt, dass auch Marc Anton an diesen Händlern der Sorglosigkeit erstaunliches Interesse hatte: sein Haus, das Generälen und Botschaftern meistens verschlossen blieb, war Tummelplatz für Narren aller Art.
Die griechischen und römischen Unterhalter werden meistens kahlköpfig dargestellt (mimus calyus).
Lucilius berichtet, daß man den Narren nur eine Haarsträhne auf der Schädelspitze ließ, die so behandelt wurde, daß sie gerade in die Höhe stand wie ein Federbusch.
Im griechischen Palast von Syrakus wurden sie Dionysocolaces (Parasiten des Dionysos) genannt.
Dionysos,
der griechische Gott, ist als Kind von den Titanen zerrissen und verschlungen
worden. Nach dem Mythos wurde er wiedergeboren als Gott der Ekstase und der
Lust, des Weines und der Lebenskraft, des Spermas und der Fruchtbarkeit. Man
nannte ihn Lusius, den Befreier, dessen großes Geschenk für die Sterblichen
darin bestand, daß er sie von ihrem gewöhnlichen, gehemmten Selbst befreite,
indem er sie in seinen orgiastischen Ritualen in eine Raserei trieb, in denen
sie wahnsinnig und heilig zugleich wurden ...
Ist der Narr nun ein Erbstück der Antike nach dem Fall des römischen Reiches oder überdauert in ihm ein uraltes Erbe aus verschollenen Zeiten und Räumen?
Es ist wahrscheinlich, daß unsere keltisch-germanischen Vorfahren sich ebenfalls dieses lebendigen Archetyps der Seele bedienten. Ein Beispiel: Der Aufgabenkreis des keltischen Barden bestand in Mythologie, Metrik, Sprechkunst, Musik, Gesang und Vortragskunst. Der Bardenlehrling (Mabinog) genoß eine jahrzehntelange Ausbildung, so daß seine mündliche Vortragskunst später gewaltig war.
Im germanischen Götterhimmel tanzt Loki aus der Reihe! Er gilt als Spaß- und Spottvogel, raffinierter Lügner, Trickster und Gott des Chaos. Letztlich mögen ihn die anderen wenig.
Im Spiel des Tarot fällt der Narr aus der Zahlenreihe, er ist der Joker, der jede Kraft ersetzen kann. Nach verschiedenen Auffassungen gehört der Trumpf O (Null) entweder vor die anderen Trümpfe oder danach, als 22. Karte (nach dem Universum beginnt das Universum nebenan!). Wenn die Karten als Rad gelegt werden (Guillaume Poste leitet Rota von Taro ab), befindet sich der Narr zwischen dem Beginn und dem Ende und stellt somit das Unendliche dar, den Ground Zero, worauf alles aufgebaut wird oder worauf alles endet. In seiner Nicht-Existenz steht der Narr für die höchste Flexibilität innerhalb der archetypischen Kräfte des Kosmos.
Der englische Okkultist A. Crowley assoziierte den Narren im Tarot-Spiel mit dem ägyptischen Gott Hor(us), den die Griechen Harpocrates nannten. Darstellungen von Horus auf dem Schoß seiner Mutter beeinflußten die christliche Ikonographie der Jungfrau mit Sohn. Die Ägypter feierten die Geburt von Horus am 25. Dezember (unserer Zeitrechnung). Der junge Gott wurde mit einer gefiederten Sonnenscheibe auf dem Kopf gezeigt. In einigen Tarotspielen hat der Narr einen gefiederten Hut. Die Feder war im alten Ägypten das Emblem göttlicher Wahrheit.
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